Elektroautos : Einmal aufladen, bitte!

In Berlin werden die ersten Stromtankstellen getestet. Flächendeckende "E-Zapfsäulen" sind aber noch Zukunftsmusik

Lutz Steinbrück

Das Elektroauto wird an der öffentlichen Ladestation mit Strom versorgt, während man im Büro sitzt oder gemütlich einen Kaffee trinkt: eine komfortable Idee. Statt an der Tankstelle zu warten, lässt sich die Zeit besser nutzen. Doch noch sind solche Wagen eine Rarität auf deutschen Straßen und werden nur in kleinen Stückzahlen produziert. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes waren 2008 lediglich 1436 Exemplare zugelassen. Das liegt nicht zuletzt an der fehlenden Infrastruktur.

Dennoch: Autokonzerne und Stromversorger sehen im Elektroauto einen wichtigen Zukunftsmarkt. Und auch die EU-Kommission setzt beim Fahren auf Umweltfreundlichkeit. Sie will die durchschnittliche CO2-Emission von Pkw bis 2012 auf 130 Gramm pro Kilometer senken. Da das Elektroauto kein CO2 freisetzt, stehen die Ampeln auf Grün.

Bundesweit könnten nach Einschätzung des Energiekonzerns RWE bis 2020 rund 2,5 Millionen Fahrzeuge elektrisch unterwegs sein. Bis dahin muss sich in Sachen Infrastruktur aber noch einiges tun. „Die private Stromversorgung zum Aufladen eines E-Autos ist ein logistisches Problem“, sagt ADAC-Sprecher Christian Buric. Öffentliche Ladestationen seien noch nicht vorhanden. Das halte die Massenproduktion von Elektroautos auf. Eine gewisse Anzahl der Fahrzeuge sei aber notwendig, damit die Energieversorger die nötige Infrastruktur errichten, testen und ausbauen könnten.

Auf europäischer Ebene machen jetzt mehr als zwanzig Autobauer und Stromkonzerne mobil, um ein Netz von einheitlichen, leistungsstarken Ladestationen aufzubauen. Mit dabei: Daimler, BMW, VW, Toyota, RWE und Vattenfall. Bis Mitte April wollen sie Fragen zur Gestaltung von Steckern, Zapfsäulen und Anschlussbuchsen klären.

In Berlin gehen derweil zahlreiche Elektroautos im Rahmen von Pilotprojekten an den Start. So wollen Daimler und RWE bis Ende des Jahres hundert Elektro-Smarts in den Verkehr schicken und planen ein Netz von 500 Ladestationen im Stadtgebiet. BMW und Vattenfall starten ab Frühsommer 2009 einen einjährigen Testlauf mit fünfzig Autos vom Typ Mini E. Eine Stromtankstelle in Treptow steht bereit, weitere sollen folgen. Die Tester können zwischen den öffentlichen und einer zu Hause installierten Ladestation wählen.

„Für die maximale Reichweite von 250 Kilometern muss man den Mini E etwa dreieinhalb Stunden aufladen“, sagt BMW-Sprecher Andreas Klugescheid. Mit 230 Volt und 32 Ampere liefern die Stationen eine höhere Leistung als der übliche Haushaltsstrom. „Wir wollen wissen, wann und in welchem Umfang die Wagen genutzt werden“, so Klugescheid. An den Bedürfnissen der Kunden orientiere sich dann die weitere Planung.

Die größte technische Herausforderung ist dabei für alle Hersteller die Batterie. Sie sollte leistungsstark und trotzdem nicht zu teuer sein. BMW etwa will die Kosten für Batterien zukünftiger Elektroautos von rund 1000 Euro pro Kilowattstunde massiv senken. Ein weiteres Problem ist die enorme Größe der Batterie: Beim Mini E nimmt sie zum Beispiel den gesamten Platz der Rückbank ein, so dass der Wagen – notgedrungen – ein Zweisitzer ist.

Und wer sind die Nutzer der Zukunft? Reinhard Kolke, der beim ADAC den Bereich Test und Technik leitet, vermutet sie vor allem unter den Pendlern und anderen Fahrern, die regelmäßig überschaubare Strecken zurücklegen. Und das dürften nicht wenige sein. Der ADAC-Experte verweist zum Beispiel auf Erhebungen, nach denen sich 90 Prozent der Pkw-Fahrten in einem Radius von 60 Kilometern bewegen.

Die Beladung der Fahrzeuge werde überwiegend an öffentlichen Stromtankstellen und an Ladestationen am Haus erfolgen, so Kolke. Ein Vorteil, meint der Verkehrsexperte Karl Otto Schallaböck vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Denn Haushaltsstrom sei nun mal überall verfügbar. „Allerdings ist es momentan nur erlaubt, zwei Kilowattstunden Strom pro Stunde an einer Steckdose abzunehmen“, sagt Schallaböck. Ein Elektroauto, wie etwa der von Opel vorgesehene Ampera, benötige 16 Kilowattstunden für 60 Kilometer. Die Beladung würde bei 220 Volt Haushaltsstrom also rund acht Stunden dauern.

Eine weitere Möglichkeit, neuen „Saft“ zu bekommen, ist der Austausch der Batterien. So planen Renault-Nissan und das amerikanische Unternehmen Better Place Batterie-Wechselstationen in Europa. Für Schallaböck wäre diese Variante aber das aufwendigste und vorläufig unwahrscheinlichste Szenario: „Dafür müssten alle Batterie- und Fahrzeugtypen einheitlich genormt sein. Das würde einen großen Einschnitt in die Design-Freiheit der Hersteller bedeuten.“Lutz Steinbrück

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