Elektroautos : Jenseits der elektrischen Stille

Nicht nur sauber, sondern auch leise: Ein Sound für Tesla, Volt und Co. wird gesucht.

Thomas Geiger (dpa)

Passanten springen im letzten Moment überrascht zurück auf den Bürgersteig, Radfahrer fallen vor Schreck fast vom Sattel. Das sind Szenen, wie man sie immer wieder erlebt, wenn man mit einem der ersten Elektroautos unterwegs ist. Denn wer mit Strom fährt, ist nicht nur sauber auf der Straße – er fährt auch fast geräuschlos. Frank Weber, der für General Motors den elektrischen Chevrolet Volt entwickelt hat, beschreibt: „Die Abwesenheit eines Motorengeräuschs ist der reine Luxus. Endlich sind wir dort angekommen, wo wir jahrzehntelang mit dem Verbrennungsmotor hinwollten.“ Auch die Anwohner atmen auf und einhellig loben die Tester beim Tesla Roadster den Reiz der Ruhe.

   Doch das Ganze hat eine Kehrseite. Die Verkehrssicherheit nämlich. So laufen angesichts steigender Hybrid-Zulassungen bereits die ersten Blindenverbände Sturm. Und auch sehende Menschen haben sich daran gewöhnt, Autos auch akustisch wahrnehmen zu können. Die ersten Zulieferer kommen der Aufforderung zu etwas Sound bereits nach. Um Überraschungen im Stadtverkehr zu vermeiden, arbeiten sie am Sound-Tuning für Elektro- und Hybridfahrzeuge. So hat das britische Unternehmen Lotus den „Safe & Sound“-Hybrid auf Basis eines Toyota Prius vorgestellt. Das System ist eine Weiterentwicklung einer Lärmschutztechnik, mit der bisher Abroll- und Motorgeräusche durch Gegenschall reduziert wurden. Nun platzieren die Briten einen Lautsprecher hinter dem Kühlergrill und spielen darüber abhängig von der Geschwindigkeit das Geräusch eines konventionellen Motors ab. Dabei kann man den synthetischen Motorensound laut Lotus nur von vorne hören. Fußgänger werden so zwar gewarnt, aber Anwohner weniger belästigt. Gleichwohl könne man den Motorensound auch nach innen übertragen und ans Gaspedal koppeln. Selbst ein elektrisch angetriebener Kleinwagen klänge dann für den Fahrer wie eine V8-Limousine oder ein Turbo-Sportler. Auch bei den Tuning-Firmen ist das Thema angekommen: Als weltweit Erster hat sich Brabus des Elektro-Roadsters von Tesla angenommen und für den Zweisitzer einen „Space Sound Generator“ entwickelt. Dabei kann der Fahrer verschiedene Motorgeräuschsimulationen dazuschalten. Auf Wunsch röhrt der lautlose Stromflitzer dann wie ein Formel-1-Bolide oder ein V8-Sportwagen.

Doch um mehr Sicherheit zu bieten, müssen Elektro-Autos gar nicht zum Krachmacher umgerüstet werden. So haben Experten für sie einen Vibrationsalarm angeregt, der zum Beispiel in der Armbanduhr integriert ist und von Elektrofahrzeugen über Funkwellen ausgelöst wird. Volt-Entwickler Frank Weber hat dieses Thema ebenfalls nicht ignoriert: „Der Volt hat ein freundliches Fußgänger-Warnsignal, das man wie eine Lichthupe betätigt.“ Wenn man daran denkt, zumindest. Thomas Geiger (dpa)

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