Elektromobilität auf Norwegisch : Gezielt Richtung E-Auto

Schon vorbei? Das Thema E-Auto hat in diesem Jahr schwer Schlagseite bekommen. Die Skeptiker der Elektromobilität haben Auftrieb – vielleicht sollten sie mal nach Norwegen fahren.

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Nordlichter. Auch Nissan mag Norwegen: Es ist der weltweit beste Markt für den „Leaf“.
Nordlichter. Auch Nissan mag Norwegen: Es ist der weltweit beste Markt für den „Leaf“.

Ausgerechnet das mit Erdöl und Erdgas reich gesegnete Norwegen hat sich in den vergangenen Jahren – vom Rest der Welt weitgehend unbemerkt – zu einem Zentrum der Elektromobilität entwickelt. Nirgendwo in Europa sind so viele Elektromobile unterwegs wie in dem Königreich. Und niemand fördert elektrisch angetriebene Automobile so konsequent auf allen Ebenen wie Oslo. Damit zeigen die Norweger dem Rest der Welt, dass es eben nicht allein ausreicht, mit Barem zu winken, um die Menschen für die neue Art der Fortbewegung zu begeistern. Vielmehr benötigt man ein vollständiges Paket, um den Elektroantrieb nach vorne zu bringen.

Bis September haben Modelle mit Hybrid- und Elektroantrieb einen Marktanteil von rund elf Prozent erreicht, und allein von den elektrisch angetriebenen Modellen kamen rund 8000 Exemplare auf den Markt. Es verhält sich daher fast wie bei Asterix und Obelix: Ganz Europa lebt ohne Elektromobilität. Ganz? Nein, ein kleines Königreich am nördlichen Rand des Kontinents begeistert sich für den lautlosen und (wenigstens lokal) abgasfreien Antrieb.

E-Autos gehören zum Verkehrsbild

Während Unternehmen wie Better Place, wo man auf den schnellen Batterietausch gesetzt hatte, ums Überleben kämpfen, hat sich zwischen Oslo und Nordkap eine überaus motivierte Szene entwickelt, für die Elektromobilität längst zum Alltag gehört. Themen wie hohe Kosten, zu geringe Reichweite oder fehlende Ladestationen, die im Rest Europa den Elektromobilen entgegen schlagen, sind in Oslo und Umgebung souverän zur Seite geschoben worden, sodass Elektromobile wie Nissan Leaf, Peugeot iOn oder Mitsubishi Miev sowie durchaus seltsame Eigenkonstruktionen in der norwegischen Hauptstadt zum Verkehrsbild gehören. Allein vom Marktführer Nissan Leaf, der unter den 15 bestverkauften Automobilen durch die Statistik rollt, wurden bis September 2000 Modelle zugelassen – in Deutschland sind es gerade 350 Stück. Norwegen ist damit der beste Markt für Nissans Elektro-Pionier.

Bei der morgendlichen Fahrt oder besser beim Kampf durch den Stau auf dem Weg zum Arbeitsplatz zeigen sich die handfesten Vorteile, die Elektromobile im Königreich genießen. Während sich der Verkehr auf zwei Spuren nur zähflüssig fortbewegt, rauschen die Elektromodelle auf der Busspur an den konventionell angetriebenen Fahrzeugen vorbei. Und auch an den City-Mautstationen am Rande der Stadt müssen die Elektromobile nicht stoppen und einen Obolus entrichten. Ungehindert rollen sie in die Innenstadt, steuern auf einen der ihnen vorbehaltenen Gratis-Parkplätze und schließen ihr Fahrzeug an eine der Ladestationen an. Allein neben dem Rathaus können an der Station Aker Brygge – die größte der Welt – 50 Fahrzeuge Strom tanken. Hier dürfen ausschließlich Stromer parken.

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