Elektromobilität : E-Autos haben Probleme mit Kälte

Ob BMW i3, Nissan Leaf oder Opel Ampera - Elektrofahrzeuge haben im Winter eine harte Zeit. Fahrer müssen sich auf massiv eingeschränkte Reichweiten einstellen

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Energiehunger. Der Winter stellt Elektroautos mit seinen teils eisigen Temperaturen vor besondere Herausforderungen. Die meisten kommen damit aber zurecht.
Energiehunger. Der Winter stellt Elektroautos mit seinen teils eisigen Temperaturen vor besondere Herausforderungen. Die meisten...Foto: dpa

Klirrend kalt am Morgen. Ohne Pudelmütze tun die Ohren schon auf dem Weg zum Auto weh. Der Wagen aber musste die ganze Nacht bei minus 12 Grad Celsius aushalten. Bei den Temperaturen wie vor wenigen Tagen macht auch die Batterie eines herkömmlichen Fahrzeugs schon mal schlapp. Und was passiert mit einem Elektro-Fahrzeug? Dass es bitter kalt ist, merkt man, sobald die Elektronik zum Leben erwacht. Die Reichweite des BMW i3 hat über Nacht schon im Stehen um 10 Kilometer abgenommen, weil die Kälte auch in die Batterie gekrochen ist. Doch das war es dann schon - anstandslos erwacht die Lithium-Ionen-Batterie aus dem Kälteschlaf und schiebt den Wagen in den morgendlichen Berufsverkehr.

Elektrofahrzeuge im Winter, geht das? In der Vergangenheit gab es durchaus Meldungen, die potentiellen Kaufwilligen von E-Mobilen Sorgen machen konnten. Von bis zu 50 Prozent Verlust an Reichweite bei strengem Frost wurde da teilweise berichtet. Bei allen Herstellern ist die Technik noch ausgereifter geworden, aber dennoch hat sich daran kaum was geändert. Der Winter bleibt eine besondere Herausforderung für die stromabhängigen Automobile. Wie beim Auto mit Verbrennungsmotor gibt es bei Kälte eine erhöhte Reibung aller Teile und damit einen höheren Energieverbrauch. Außerdem muss die Batterie nicht nur für Antrieb sorgen, sondern in der dunklen Jahreszeit neben der Lichtanlage auch noch die Heckscheiben-Heizung und das Frontscheiben-Gebläse mit Energie versorgen - und vor allem die Heizung auf mollige Temperaturen bringen.

Der BMWi3 schafft eine angenehme Innenraumtemperatur in so kurzer Zeit, wie man das von den bayerischen Autobauern auch erwarten darf. Nach wenigen Kilometern sind die Minusgrade vor der Scheibe vergessen. Für die Reichweite wirkt sich die Nutzung aller zusätzlichen Stromverbraucher schon merklich aus; die Anzeige sinkt schneller als die zurückgelegten Kilometer. Aber nicht so schnell, dass beim Anfänger im elektrischen Winterbetrieb Panik aufkommt. Dagegen erinnert man sich noch mit Schrecken, wie im Sommer bei Tropenwetter die stromfressende Klimaanlage im elektrischen Nissan Leaf sich als absoluter Kilometer-Killer erwiesen hat.

Probleme im Winter

Der Winterbetrieb aber ist trotzdem nicht ganz unproblematisch. Zu beachten ist, dass ein elektrisches Fahrzeug immer gleich das volle Drehmoment auf die Straße bringt. Im Sommer verhilft das zu einem beeindruckenden Ampelstart, doch im Winter kann das bei vereisten Straßen zum Problem werden. Vor allem aber fällt es auch der Batterie immer schwerer, frische Energie zu sammeln, wenn es draußen bitterkalt ist. Schon morgens mit sorgenvollem Blick auf die geringe Rest-Reichweite am Arbeitsplatz angekommen, gibt es am Feierabend eine unangenehme Überraschung. Die 7,5 Stunden an einer normalen Steckdose haben gerade einmal 45 zusätzliche Kilometer Reichweite gebracht. Nicht besser das Ergebnis an einer offiziellen Ladesäule: Das Ergebnis von zwei Stunden Ladezeit sind fünf Kilometer mehr in der Anzeige - bei allerdings minus acht Grad. Da wird es mit dem E-Fahrzeug selbst im Berliner Stadtgebiet schon knapp; ein Megastau auf dem Berliner Stadtring möchte man sich nicht vorstellen. So wie man im Sommer beim Nissan Leaf die Klimaanlage ausmachte, und lieber schwitzte, um nicht stehen zu bleiben, so müsste man bei Kälte im Stau die Heizung ausmachen. Von Wochenendausflügen in die weite Winterwelt sollte man ganz Abstand nehmen.

Trotz der winterlichen Einschränkungen bei der Reichweite spricht man beim ADAC sehr positiv von den aktuellen Elektromobilen. Bernhard Tschenscher hat gerade drei Typen im Dauertest: Neben dem BMWi3 auch einen Opel Ampera und dem Nissan Leaf. „Bis minus 20 Grad funktionieren die drei Fahrzeuge einwandfrei“, sagt er: „Da hat es keine temperaturbedingten Ausfälle gegeben.“ Immerhin haben die drei Fahrzeuge schon 200 000 Kilometer hinter sich gebracht. Dennoch spricht der Fachmann davon, dass sich die Reichweite bei strenger Kälte teilweise halbiert. Wegen des im Winter geringeren „Nutzungsradius“ empfiehlt Tschenscher, sich schon vor Fahrtbeginn nach einer Lademöglichkeit am Ziel zu erkundigen.

Alle drei Hersteller haben aber mit verschiedenen Techniken auf die Reichweitenproblematik reagiert. Beim BMWi3 gibt es einen „Range Extender“: Ein kleiner Verbrennungsmotor springt im Notfall von allein an und lädt über einen Generator die Batterie wieder auf. Mit dieser Technik schafft man es dann noch einmal 50 Kilometer. Auch der Opel Ampera hat einen Zusatzantrieb, der bei minus 16 Grad anspringt.

Auto per Zeitschaltuhr vorheizen

Die Heizung aber bleibt das größte Problem. Gerade in der Anheizphase nach dem Anfahren wird enorm viel Strom verbraucht, sagt ADAC-Mitarbeiter Tschenscher. Fährt man in der Stadt nur eine kurze Strecke, bei der es eh nicht richtig warm wird im Auto, könnte man die Heizung auch gleich auslassen und so Energie sparen. Grundsätzlich ohne Heizung zu fahren, davon rät er wegen einer möglichen Gefährdung ab. Dann nämlich können die Fenster von innen beschlagen und dem Fahrer die Durchsicht nehmen.

Man könne sich natürlich auch eine benzingetriebene Standheizung einbauen lassen. Dann aber gibt man jenes Ziel auf, weswegen die meisten Menschen ein E-Mobil erwerben: emissionsfrei fahren. Für ADAC-Fachmann Tschenscher gibt es eine von Herstellern angebotene bessere Lösung. Das Auto per Zeitschaltuhr morgens kurz vor der Abfahrt vorzuheizen, solange es noch an der Ladestation hängt. Dann hat man es gleich beim Einsteigen warm - und zusätzliche Reichweite.

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