Elektrosportler BMW i8 : Fast wie vom anderen Stern

360 PS und Tempo 250 Spitze – der BMW i8 soll die Marke in die antriebstechnische Zukunft führen. Aus dem Schaustück ist ein einzigartiger Sportler geworden.

Kai Kolwitz
Nahezu einzigartig: Der BMW i8 hat derzeit noch keine wirkliche Konkurrenz unter den Sportwagen.
Nahezu einzigartig: Der BMW i8 hat derzeit noch keine wirkliche Konkurrenz unter den Sportwagen.Foto: Hersteller

Es ist allein schon spektakulär, wie er losfährt. Wenn sich das silberne, flache, breite Coupé mit den markanten schwarzen Betonungen lautlos in Bewegung setzt, dann sehen andere Sportwagen schlagartig alt aus. BMWs Neuester wirkt futuristisch, markant und auffällig. Aber interessanterweise gar nicht so macho – was wohl daran liegt, dass der i8 weder Spoiler noch breit ausgestellte Radläufe trägt.

Auf den Proberunden erregt der Wagen an jeder Kreuzung Aufsehen, Telefone werden gezückt, Fotos gemacht, Videos gedreht. Für BMW ist das Modell genau das geworden, was es sein sollte: ein Hingucker, ein Wagen, der der Marke Glamour verleiht. Und das sogar noch mit grünem Anstrich. Mit dieser Absicht hatte der i8 schon auf der Internationalen Automobilausstellung 2009 in Frankfurt gestanden. Als „Vision Efficient Dynamics“, als Studie eines Supersportwagens, den nicht Unmengen an Hubraum mit Leistung versehen, sondern ein Hybridantrieb, kombiniert aus Elektromotor und einem aberwitzig kleinen Benziner. Nur drei Zylinder und Turboaufladung. Dazu eine Karosse aus Karbon auf einem Aluminiumskelett. Vorn angeschlagene Schmetterlingstüren für noch mehr Effekt. BMW kokettierte schon damals mit einer Serienfertigung, doch das hörten viele Beobachter mit Skepsis. Zu praxisfern schien das Konzept, zu viele technische Hürden schienen im Weg zu stehen. Die nahezu einhellige Expertenmeinung damals: Realisierung unwahrscheinlich.

BMW i8 wird Konkurrent für Porsche und Co.

Doch auch wenn die Bedenken naheliegend waren: Nun steht er im Mai 2014 in der Vorfahrt eines Hotels, das Preisschild sagt 126 000 Euro. Alle wesentlichen technischen Eckpunkte der Studie hat BMW in die Serie übernommen. Der i8 tritt ganz eindeutig als Konkurrent für Porsche 911 oder Audi R8 auf, auch wenn er so einige Tausender teurer ist als die beiden anderen.

Dafür wird der Besitzer des i8 am Anfang deutlich mehr Aufmerksamkeit genießen als die, die sich für die Mitbewerber entschieden haben: Ja, Hybrid und an der Steckdose zu laden. 131 PS liefert der E-Motor an die Vorderachse, weitere 231 Pferde stellt der kleine Benziner mit dem großen Turbo den beiden hinteren Rädern bereit. Allrad mit zwei getrennten Aggregaten. So was kann man fahren. Und ja, das macht Spaß.

Zukunftsweisend. Schon der Innenraum des BMW i8 zeugt von der Andersartigkeit dieses Sportwagens. Machogehabe findet sich weder innen noch außen.
Zukunftsweisend. Schon der Innenraum des BMW i8 zeugt von der Andersartigkeit dieses Sportwagens. Machogehabe findet sich weder...Foto: Hersteller

Denn sitzt man einmal drin, dann fühlt sich der BMW i8 vor allem an wie ein Sportwagen. Der Wagen lässt dem Fahrer die Wahl zwischen verschiedenen Fahrmodi. Rollt er rein elektrisch vor sich hin, dann ist er sanft und fast unhörbar, im Komfortmodus übernimmt der Benziner und lässt den i8 immer noch leise als Salon-Athleten über die Autobahn rollen. Wer dann auf „Sport“ wechselt, erfährt die ganze Wahrheit. Benziner und E-Motor agieren mit 362 PS Leistung gemeinsam und schieben den Wagen mit Wucht und in 4,4 Sekunden auf Tempo 100. In schnellen Kurven spürt man die vier angetriebenen Räder: Ein ganz klein wenig tänzelt das Heck, der Frontantrieb zieht die Fuhre parallel wie auf Schienen durch die Kurve. Tester, die im absoluten Grenzbereich unterwegs waren, spürten Untersteuern. Bei unserer Fahrt ließ sich das allerdings nicht nachvollziehen.

Der Dreizylinder müht sich um kernigen Sound

Dafür: putzig, wie der Dreizylinder sich im Sportmodus um kernigen Sound müht. War der Motor auf „Komfort“ noch fast unhörbar, öffnen sich jetzt die Klappen im Auspuff. Das Aggregat brüllt, man hört die Arbeit der Akustikdesigner. An einen Achtzylinder kommt das natürlich nicht heran, klingt aber doch verblüffend erwachsen für so eine kleine Maschine.

Interessant, dass BMW dann doch mit solchen Effekten arbeitet. Denn ansonsten positioniert man den Wagen ja vor allem als nachhaltigen Sportler, als Modell, das zeigen soll, dass man ökologisch (mehr oder weniger zumindest) korrekt fahren und trotzdem Spaß haben kann. 37 Kilometer elektrische Reichweite gibt der Hersteller selbst an, bei einer Ladezeit von rund drei Stunden bis auf 80 Prozent der Akkukapazität. In unserem Test war allerdings leider schon nach rund 20 Kilometern Stadtverkehr der Strom alle. Aber immerhin, für die meisten Arbeitswege sollte das reichen. Außerdem verspricht BMW, dass man den i8 mit keinem noch so rabiaten Fahrstil über zwölf Liter Verbrauch auf 100 Kilometer bringen kann. In unserem Test waren es 8,4.

Säule im Blick

Spaß macht es also definitiv, mit einem i8 durch die Gegend zu fahren – bleiben die Nachteile, die sich einhandelt, wer mit einem Designobjekt unterwegs ist. Das Einsteigen kann man lernen, da muss man nur verinnerlichen, dass man sich mit dem Hintern zuerst in die Tiefe fallen lässt und dann die Beine nachzieht. Jedoch sorgt das flache Dach in Verbindung mit der breiten und sehr schrägen A-Säule und dem großen Innenspiegel dafür, dass man in engen Kurven manchmal aus dem Blick verliert, wo es hingeht. Wer auf eine Vorfahrtstraße abbiegt, sollte lernen, um die Säule herumzugucken, sonst hat man schnell ein anderes Fahrzeug übersehen. Und, langweiliger Einwand eines Stadtverkehrgeplagten: Flügeltüren sind toll, brauchen aber ziemlich viel Platz zum Öffnen. Das sollte man bedenken, damit man nicht eingeparkt wird. Der Einstieg könnte unmöglich werden.

Der Karbon-Sportler kann mit seinen Fahrleistungen selbst hartgesottene Sportwagen-Fans ins Grübeln bringen.
Der Karbon-Sportler kann mit seinen Fahrleistungen selbst hartgesottene Sportwagen-Fans ins Grübeln bringen.Foto: Hersteller

Außerdem kann man natürlich darüber streiten, ob ein reiner Zweisitzer mit 360 PS und Tempo 250 Spitze das richtige Schaustück ist, um die Vorzüge nachhaltiger Fortbewegung zu demonstrieren. Andererseits sind Menschen aber lustbetont, und der BMW i8 lenkt die Blicke auf sich. Vielleicht braucht es solche Autos, um die Themen Hybrid und Elektro so sehr emotional aufzuladen, dass die Antriebe auch jenseits der Vernunft- und Gewissenskäufer Optionen werden.

Karbon in Großserie

Auf jeden Fall hat BMW ein Alleinstellungsmerkmal, wenn sich der Wagen auf der Straße bewährt. Denn Karbon kann in der Großserie niemand sonst so verarbeiten. Auch Unfallreparaturen an dem Material haben die Bayern nach eigenen Angaben im Griff.

Und wenn man sich den i8 dann so von schräg hinten betrachtet, mit dem Silber, dem Schwarz, dazu der blaue Zierstreifen und die roten Rückleuchten – das sind exakt BMWs alte Rennfarben aus den Siebzigern und Achtzigern. Keine Absicht, sagt man beim Hersteller dazu, das Blau sei nun einmal die Farbe der BMW-i-Modelle. Aber schlecht sieht die Sache so jedenfalls nicht aus.

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