Elektrowagen : Strom plus Auto im Paket

Energiekonzerne und Fahrzeughersteller wollen beim Verkauf von Elektrowagen zusammenarbeiten.

Lutz Steinbrück
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Alles inklusive. Wer ein Elektroauto least, könnte gleichzeitig einen Vertrag über den benötigten Strom und den Zugang zu...

Geht es nach dem Willen führender europäischer Autofirmen und Stromkonzerne, dann wird das Elektroauto in den nächsten Jahren zum Massenprodukt. Unternehmen beider Branchen kooperieren, um eine Infrastruktur von Ladestationen aufzubauen und Fahrzeugtypen zu testen, weiterzuentwickeln und möglichst schnell zur Serienreife zu bringen. Auch in Deutschland sind erste Allianzen geschmiedet: Daimler arbeitet mit RWE zusammen, BMW mit Vattenfall. Da stellt sich die Frage: Wird der Kauf eines Elektroautos in Zukunft an einen Vertrag mit einem bestimmten Stromanbieter gekoppelt?

Carolin Reichert hält das für realistisch. Sie leitet die Abteilung für Neue Geschäfte bei RWE. „Ein Beispiel wäre ein Full-Leasing-Vertrag, bestehend aus Auto, Strom und dem Zugang zu öffentlichen Ladesäulen“, sagt sie. „Der Kunde least also nicht nur das Auto, sondern schließt beim Kauf gleichzeitig einen Strom- und Infrastrukturvertrag ab.“ Dabei seien vor allem Flatrate-Angebote für bestimmte jährliche Laufzeiten mit Preisgarantie denkbar. „Der große Vorteil für den Kunden ist die Preissicherheit“, so Reichert. „Er weiß sozusagen drei Jahre im Voraus, was er pro Monat für sein Auto zahlen muss, inklusive des elektrischen Sprits.“

Eine monatliche Leasinggebühr von 650 Euro fällt für hundert Testfahrer an, die ab Frühsommer 2009 die 50 Modelle des Mini E in Berlin für jeweils sechs Monate testen. Vattenfall und BMW haben dafür ein Servicepaket geschnürt, das einen Versicherungsschutz, Reparaturen und die Installation einer Ladebox am Arbeitsplatz oder am Haus der Nutzer vorsieht.

Vattenfall investiert 3,5 Millionen Euro in den Test. Der Konzern sorgt für den Strom und die Infrastruktur. Gleichzeitig erhofft er sich Erkenntnisse darüber, wie sich der Strom automatisch über eine Chipkarte abrechnen lässt. Prognosen zu künftigen Auto- und Strompaketen möchte man nicht abgeben: „Wie genau die Geschäftsmodelle der Zukunft aussehen, weiß heute noch niemand“, erklärt Alisa Dorin-Schmitz, die für die externe Kommunikation verantwortlich ist. Auch BMW wollte sich auf Anfrage nicht im Detail dazu äußern.

„Bei solchen Kooperationen werden die Autofirmen den Vertrieb und damit die führende Rolle für das Geschäft mit den Kunden übernehmen“, sagt Günther Schermer, Partner bei der Münchner Unternehmensberatung Goetzpartners und dort verantwortlich für den Bereich Energiewirtschaft. Das liegt aus seiner Sicht daran, dass Autos für die Kunden einen höheren Stellenwert haben als das Produkt Strom.

Vermutlich wird daher eher eine bestimmte Stromsorte an den Kauf eines Elektroautos gekoppelt – und nicht umgekehrt der Stromvertrag an den Erwerb eines Wagen. Günther Schermer hält vor allem zwei Geschäftsmodelle für wahrscheinlich: Das Full-Service-Paket und die selektive Produktauswahl. „Momentan gibt es Verträge mit Autoleasingraten pro gefahrenem Kilometer. Für Elektroautos lässt sich ein Full-Service-Vertrag entwickeln, der sich ebenfalls auf den Kilometerverbrauch oder auf die verbrauchte Strommenge bezieht“, erläutert Schermer. Der Strom wäre dann im Kaufvertrag des Autos enthalten.

Eine zweite Möglichkeit wäre vor allem für preisbewusste Kunden interessant, die die Stromladekosten mitbestimmen wollen. In diesem Fall wären nach Ansicht von Günther Schermer verschiedene Stromtarife denkbar, zum Beispiel in Abhängigkeit vom Fahrverhalten.

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