Ernüchterung bei der Elektromobilität : Der Lange Weg zum Stromauto

Die Autobauer geben Milliarden für grünere Technik aus, doch die surrenden Flitzer kommen kaum voran. Dem Boom der letzten Jahre folgt nun eine Phase der Ernüchterung. Auf dem Weg zur E-Mobilität brauchen alle einen langen Atem - und viel Geld.

Sebastian Raabe und Stefanie Koller
Elektroauto des Jahres 2012: Der Opel Ampera ist ein Aushängeschild der angeschlagenen Marke. Wirtschaftlich interessant ist er aber nicht. Foto: dpa
Elektroauto des Jahres 2012: Der Opel Ampera ist ein Aushängeschild der angeschlagenen Marke. Wirtschaftlich interessant ist er...Foto: dpa

Es ist nicht lange her, da stand die gesamte Autobranche unter Strom. Elektromobilität war ein Megatrend, fast jeder Hersteller präsentierte in den vergangenen Jahren eigene Elektrostudien und teuere Programme. Die Bundesregierung formulierte für Deutschland ehrgeizige Ziele - bis 2020 sollen eine Million E-Autos auf deutschen Straßen surren. Doch inzwischen macht sich Ernüchterung breit.

Die wenigen verfügbaren Elektromodelle sind weiter Nischenprodukte. Teuer, mit begrenzter Reichweite und schwer zu bekommen; auch wenn auf dem Autosalon in Genf die Hersteller weiter ihre "grünen" Seiten beschwören. Der Weg bis zum Abschied vom Verbrennungsmotor wird länger, als von vielen zunächst gedacht. "Die Elektrifizierung von Fahrzeugen wird man am Ende brauchen, aber wir sollten nicht den Fehler machen zu denken, das könnte die sofortige Antwort für unsere Energieprobleme sein", sagt der Chef von Fiat und Chrysler, Sergio Marchionne, auf der Messe.

Preisgekrönte Elektroautos mit massiven Problemen

Immerhin das "Car of the Year 2012", das Auto des Jahres, ist ein Stromer. Opel und die US-Mutter GM haben die älteste Auszeichnung der Branche für die Elektrogeschwister Ampera und Volt zum Auftakt des Autosalons eingeheimst. Der Preis ist Balsam für die gebeutelten Unternehmen, denn bisher sind die Autos vor allem negativ aufgefallen.

Nach einem Feuer in einem Volt wurde die Markteinführung verschoben, in den USA liegt die Produktion wegen niedriger Bestellzahlen für Wochen brach. Zwar hofft Opel 2012 auf rund 10 000 Bestellungen, aber mit einem Stückpreis von mehr als 42.000 Euro ist der Wagen nur etwas für gut betuchte Überzeugungstäter.

VW soll grüner werden

Auf der traditionsreichen Messe in der Schweiz stehen 2012 wieder Traditionen im Vordergrund: Autos mit Verbrennungsmotor. Denn auch bei Benzinern und Dieseln sehen die Ingenieure noch viel Luft für Verbesserungen. "Das Potenzial, das der Verbrennungsmotor bietet, ist noch riesengroß", sagt VW-Chef Martin Winterkorn und kündigt an, Milliarden in die Fortentwicklung der Technik zu stecken.

VW-Chef Martin Winterkorn auf dem Genfer Automobilsalon mit einem Diesel-Hybrid-Fahrzeug: "Ich glaube, dass das die Variante ist, die die Kunden am ehesten wollen", sagt der Manager. Foto: dpa
VW-Chef Martin Winterkorn auf dem Genfer Automobilsalon mit einem Diesel-Hybrid-Fahrzeug: "Ich glaube, dass das die Variante ist,...Foto: dpa

Er will Volkswagen nicht nur noch größer, sondern auch "grüner" machen. Dabei spielen auch neue Antriebe eine Rolle, aber nicht nur. Zwei Drittel der gigantischen Summe von 62,4 Milliarden Euro, die VW bis 2018 ausgeben will, sollen in den ökologischen Umbau fließen, in neue Produktionsschritte, in neue Technik, in Abfallvermeidung und Rohstoffersparnis.

Masse macht Produktion lukrativ

Auch das ist eine Folge der Umwelt- und Klimadebatten der letzten Jahre. Der Wettbewerb durch die Diskussion über E-Mobilität habe die Kreativität der Entwickler in den vergangenen Jahren angeheizt, sagt Winterkorn. Ein wichtiges Thema ist, die Fahrzeuge mit neuen Materialien wie zum Beispiel Carbon deutlich leichter zu machen. BMW bringt 2013 ein Elektroauto mit Carbonfaser-Karosse auf den Markt - auch dieses Auto wird allerdings kein Schnäppchen. Und für viele Kunden ist der Preis nach wie vor ein ganz entscheidendes Argument. Zugleich sind kleinere Serien für die Hersteller teurer, günstiger wird die Produktion vor allem über die Menge der verkauften Autos.

Gerade die deutschen Nobelmarke BMW, Daimler und die VW-Tochter Audi verdienen zudem ihr Geld vor allem mit großen, teuren Autos. Dort sind die erzielbaren Renditen nach wie vor am höchsten - und dank des Booms in China und anderen Schwellenländern ist die Nachfrage nach Limousinen und Geländewagen ungebrochen hoch.

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