Ersatzteile fürs Auto über Internet : Günstig kann auch teuer werden

Ersatzteile für das Auto online zu kaufen, liegt im Trend. Kein Wunder, schließlich locken günstigere Preise als im Fachhandel. Doch wer nicht selbst Hand anlegt, hat manchmal das Nachsehen: Nicht immer sind Werkstätten bereit, mitgebrachte Ersatzteile einzubauen.

Tom Nebe
Günstiger Klick: Im Internet gibt es Ersatzteile für das Auto häufig zum Schnäppchen-Preis.
Günstiger Klick: Im Internet gibt es Ersatzteile für das Auto häufig zum Schnäppchen-Preis.Foto: dpa

Reparaturen am Auto sind oft ein teurer Spaß. Deshalb suchen immer mehr Autofahrer im Internet nach günstigen Ersatzteilen. Über sechs Millionen Menschen in Deutschland haben vergangenes Jahr online Autoteile gekauft. Diese Zahl hat TNS Infratest ermittelt. Der Trend geht in Richtung digitales Geschäft: Seit Jahren nehme der Anteil von Autofahrern, die online Autoteile beziehen, konstant zu, sagt Michael Plotegher, Automobilmarktforscher bei TNS Infratest in München.

„Aktuell kaufen etwa 15 Prozent aller Autofahrer Autoteile online ein. Es ist also noch Luft nach oben“, prognostiziert Plotegher einen weiteren Anstieg in den nächsten Jahren. Laut dem AutoTeileOnlineMonitor (ATOM) von TNS Infratest schätzen Autofahrer am digitalen Ersatzteilkauf nicht nur die günstigen Preise, sondern auch die Flexibilität. Sie legen Wert auf einfache Bestelloptionen, Rückgaberecht und die Seriosität des Anbieters. „Etwa die Hälfte achtet auch auf Marke und Hersteller und nicht nur auf den Preis des Autoteils.“

Komplexer Ersatzteile seltener über Internet

Am häufigsten werden Reifen, Scheibenwischer und Lichtteile online gekauft, gefolgt von Bremszubehör und Filtern. Seltener geht es um komplexere Bauteile, etwa für den Antrieb oder die Achsen. „Das hat aber eher mit dem geringeren Verschleiß der Teile als mit dem komplizierteren Einbau zu tun“, sagt Plotegher. Das heißt: Käufer haben keine Angst davor, solche Ersatzteile zu kaufen. Sie brauchen diese nur seltener.

„Es gibt eine starke Entwicklung in Richtung Internet-Kauf von Ersatzteilen“, bestätigt auch Ulrich Köster, Sprecher des Verbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe. Köster blickt kritisch auf den Trend zum Ersatzteilkauf im Netz. Denn nicht immer lassen sich eingekaufte Autoteile einfach selbst anbringen. „Häufig wollen Autofahrer die Teile von einer Werkstatt einbauen lassen.“ Laut TNS Infratest gilt das für rund 50 Prozent aller Online-Käufer, bei Reifen sind es sogar 75 Prozent. Doch einige Werkstattbetriebe lehnen die Montage mitgebrachter Teile ab. Die Gründe sind nachvollziehbar.

Werkstätten scheuen Aufwand bei mitgebrachten Ersatzteilen

Zwar haftet die Werkstatt nicht für Mängel am Ersatzteil, sondern nur für Schäden infolge von Fehlern beim Einbau. Aber natürlich geht der Kunde bei einem Problem erstmal auf die Werkstatt zu. „Das kann zu großem Aufwand für die Werkstatt führen, einen Nachweis zu erbringen, dass der Fehler nicht bei ihnen liegt“, erläutert Köster. „Der Kunde könnte sagen: Ihr habt das Teil eingebaut, jetzt seht auch zu, wie ihr es in Ordnung bringt“, ergänzt Gunnar Beer, Experte vom Autoclub Europa (ACE). Deshalb schütteln einige Betriebe bei solchen Kundenanliegen von vornherein nur mit dem Kopf.

Wollen Autofahrer ein Ersatzteil im Internet kaufen und dann in der Werkstatt einbauen lassen, fragen sie besser vorher nach, ob die den Auftrag annehmen wird, rät Köster. Bei einer Absage hat man das Teil nicht umsonst gekauft und kann zunächst bei anderen Werkstätten anfragen. Einen Online-Kauf empfehlen wird die Werkstatt sicher nicht.

Happiger Aufschlag bei Ersatzteilen in der Werkstatt

Denn neben dem Problem mit der Gewährleistung kommt für die Betriebe auch der finanzielle Aspekt ins Spiel: Geht der Kunde im Internet shoppen, verdienen sie selbst nicht am Verkauf. In manchen Fällen schlagen Werkstätten 70 Prozent und mehr auf die Großhandelspreise oben drauf, zu denen sie Ersatzteile einkaufen, schätzt ACE-Experte Beer. Da ist das Netz meist günstiger.

Gerade bei Verschleißteilen wie Bremsscheiben oder Kupplung gibt es extreme Preisspannen, erläutert Beer. „Da besteht die Chance, viel Geld zu sparen.“ Bei anderen Teilen können Autofahrer hingegen kräftig danebengreifen. Beer nennt Karosserieteile als typische Beispiele mit Fehlkaufpotenzial. „Passen diese nicht zu 100 Prozent, wird der Karosseriebauer sie nicht montieren.“

Vorsicht vor Fälschungen

Der Vorteil des Internets ist der einfache Preisvergleich. Vorsicht gilt bei extrem günstigen Produkten: „Bei einem Auspuff-Topf für 18 Euro, der im Fachhandel 169 Euro kostet, ist etwas faul“, erklärt Beer. Nicht selten sind solche Angebote Fälschungen - die dem Auto schaden und die Fahrsicherheit gefährden können. Am besten kommen die Ersatzteile vom Autohersteller selbst oder namhaften Firmen. Autofahrer schauen am besten auf die exakte Typenbezeichnung des defekten Teils und ersetzen dieses eins zu eins.

Die Devise „keine Kompromisse“ gilt bei sicherheitsrelevanten Komponenten, betont Köster. Dort sollten nur Originalteile oder zertifizierte Zulieferer-Ware eingekauft werden. Orientierung bietet außerdem ein gültiges ECE-Prüfzeichen, mit dem genehmigungspflichtige Kfz-Bauteile gekennzeichnet sein müssen. Es besteht aus einem großen E und einer Zahl, umgeben von einem Kreis. Bei einem Unfall könne sonst der Versicherungsschutz erlöschen, sollte ein Sachverständiger die Ursache in einem nicht zertifizierten Ersatzteil sehen, mahnt Beer. Übrigens: Wer vom Hersteller eine Garantie auf sein Auto hat, muss dessen Vorgaben bei den Ersatzteilen zwingend einhalten. Beer: „Sonst erlischt die Gewährleistung.“ (dpa)

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben