Auto : Es hat geklappt – nach 15 Jahren ein neuer Sharan

Der Fahreindruck Die Schiebetüren Die Vorgeschichte Das Sitzkonzept Die Assistenten Die Motoren

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Hier und heute, drei Wochen vor der Markteinführung, wagen wir mal eine Prognose: Wenn VW es schafft, einen Teil der Kombi-Fraktion zu einer Probefahrt zu bewegen, wird die Zahl der Überläufer ins Van-Lager dramatisch steigen. Den Wolfsburgern ist es wirklich gelungen, eine Wohnhalle auf Räder zu stellen, in der es sich keinen Deut wackliger, unsportlicher oder unbequemer reist als in einem Passat Variant. Derlei klingt simpel, lässt sich aber nur mit gründlicher Detailarbeit an Karosserie und Fahrwerk erreichen. Was immer „warm umgeformte Bleche“ und „computeroptimierte Krafteinleitungspunkte“ im Einzelnen auszurichten vermögen, in der Summe verstehen wir dies: Der Sharan zittert nicht mehr bei harschen Lastwechseln; er unterdrückt beinahe jede Wankneigung in schnellen Kurven – und er bietet harten Querfugen souveräner die Stirn als alle Konkurrenten, die wir bislang gefahren sind. Sicher, liebe S-Mäxe und Carnivals, das sind viele Komplimente auf einmal. Aber sorry: Wo keine Delle im Lack ist, da drücken wir auch keine rein.

Also dann: Jetzt hat er Schiebetüren in Serie. Die machen das Einsteigen leicht, man denke auch an das Be- und Entladen vorm Reichelt. Wer will, macht es von Hand; wem es einen Aufpreis wert ist, elektrisch und aus der Ferne. Gleichwie: Die Ingenieure sind stolz auf ihre Schiebung, und wenn man ihnen so zuhört, fängt man an zu verstehen, warum: Einmal weil die Laufschienen so bündig ins Blechkleid eingepasst sind. Dann weil sich die komplette obere Führungsmechanik in einem Extrakasten verbirgt und so perfekt gegen Feuchtigkeit abgedichtet ist. Und schließlich, weil man entgegen der bisherigen, kostensparenden Übung alles darin untergebracht hat, was sonst nur Klapptüren eines Erste-Klasse-Abteils zu bieten haben: Lautsprecher, Sonnenrollo, Ablagefächer. Am wichtigsten für Kinder und Eltern dürfte aber eine Finesse sein, die sich erst im harten Alltagsbetrieb auszahlt: Trifft eine der Türen beim Öffnen auf ein Hindernis, stoppt sie und öffnet wieder. Geht alles glatt, macht VW die letzten Zentimeter zum Kinderspiel – die Zuziehhilfe ist tatsächlich eine.

Sage und schreibe 15 Jahre war der Vorgänger alles in allem unterwegs – und dabei bis zum Schluss so erfolgreich an der Spitze seines Segments, dass die Frage erlaubt sei, wer oder was hinter diesem Methusalem-Komplott gesteckt haben mag. Der Hang der Familien-Entscheider zum Günstigen kann es genauso wenig gewesen sein wie der zum Praktischen oder zum Schönen. Preislich rangierte der Sharan nämlich klar oberhalb der baugleichen Seat Alhambra und Ford Galaxy. Das Sitzkonzept des Zafira war ihm bei objektiver Betrachtung um Lichtjahre voraus. Und optisch blieb er trotz einiger Retuschen im Laufe der Jahre immer ein Ritter trauriger Gestalt. Der Neue hat da in jeder Hinsicht mehr Potenzial: Frischer, breiter und flacher steht er da, weswegen der gehörige Längenzuwachs (plus 22 Zentimeter) nicht unbotmäßig auffällt. Da die Entwickler bei null anfangen durften, ist der Sharan nun endlich mit einem tollen Sitzkonzept und allen Raffinessen der Motor- und Getriebetechnik gesegnet, die der Konzern in anderen Modellen schon länger herreicht.

Richtig praktisch war der alte Sharan nicht – denken wir nur daran, wie schwer die Einzelsitze waren und entsprechend mühsam der Ausbau. Jetzt aber hat VW getan, was ein schlauer Hersteller tun musste: Die drei (verschiebbaren) Einzelsitze in Reihe zwei verschwinden bis auf eine kleine Kante flach im Boden, wenn sie nicht benötigt werden (O-Ton Volkswagen: „Durch ein einfaches Bestätigen des seitlich platzierten Lehnengriffs wird die Rückenlehne auf die Sitzfläche geklappt, während sich diese parallel über eine sogenannte Dive-Down-Kinematik in den Fußbodenraum nach vorne absenkt.“). Welch weitere Möglichkeiten der Sharan eröffnet, entscheidet jede Familie individuell: Entweder der Fünfsitzer reicht. Dann hat man jederzeit einen fürstlichen Kofferraum. Oder man entscheidet sich für das Sechssitzer-Paket mit Armlehnen (zwei Sitze in der zweiten und zwei in der dritten). Schließlich kann man maximal aufrüsten – somit verfügt der Shuttle über sieben Plätze. Bemerkenswert dabei: Ganz hinten zu sitzen, ist selbst für Erwachsene keine Qual.

Nicht alles, was machbar ist, wird von den Kunden auch wirklich gebraucht – im Falle von Premium-Limousinen etwa lässt sich da wunderbar mit der Massagefunktion dutzendfach verstellbarer Sitze oder 1200 Watt starken Musikanlagen argumentieren. Beim Sharan ist die Grenzziehung schon schwieriger: In der Aufpreisliste steht vieles, was das Familienleben nachweisbar sicherer oder bequemer macht. Ein Beispiel dafür ist der „Light Assist“ (mit Licht- und Sichtpaket 430 Euro). Er dimmt das Fernlicht ab Tempo 60 weg, wann immer der Gegenverkehr es gebietet. Auch der Einparkhelfer „Park Assist“ (840 Euro) beeindruckt. Er funktioniert ebenso einfach wie exakt. Kürzlich haben wir die Technik ausführlich anhand des neuen Touran beschrieben: Der Wagen fährt an einer Parklücke vorbei, misst sie aus. Der Fahrer lässt das Lenkrad los; alles, was er nach Anweisung macht, ist leicht Gas zu geben oder zu bremsen. Daraufhin lenkt der Wagen wie von Zauberhand in die Lücke, sauber und mit gleichmäßigem Abstand zu allem Umstehenden. Uff. Eric Metzler

Alle vier Antriebe sind Direkteinspritzer, alle erfüllen die Euro-5-Norm, und alle gibt es auch mit dem schnell schaltenden, sechsstufigen Doppelkupplungsgetriebe DSG. Bei den Turbobenzinern beginnt der Spaß mit dem 1.4 TSI. Dessen Preis von 28 875 Euro ist bemerkenswert: Ein vergleichbarer Galaxy mit 145 PS liegt bei 30 000 Euro. Zum ruhigen Reisen im Sharan reicht die Einstiegs-Maschine allemal; unterhalb von 1800 Umdrehungen indes hat er Mühe mit dem großen Gefährt. Im Topmodell, dem 200-PS-TSI, muss man darüber natürlich nicht reden; in den Autohäusern dürfte er aber nur eine Nebenrolle spielen. Die meisten Sharaner greifen ohnehin zu einem Diesel – zu haben mit 170 oder 140 PS. Schon dieser Kleine gefällt mit gutem Durchzug und einem reellen Verbrauch um die sechs Liter. Damit ist klar, welcher Motor auf den Shopping-Listen der Familien ganz oben stehen wird (ab 30 950 Euro). Dass er bei niedrigem Tempo brummig zu Werke geht, ist schade. Der Misston passt nicht so recht zum primstens verarbeiteten Innenraum.

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