Auto : Es ist, wonach es aussieht. Oder doch nicht?

Nehmen Sie sich Audis neuen Q3 ruhig von allen Seiten vor: Im Sommer kommt ein Geländewagen auf die Straße, der was von einem höhergelegten Coupé hat. Überhaupt lohnt es sich, bei Audi etwas genauer hinzuschauen

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Einerseits andererseits. Wer eine Kurzformel sucht, die dem neuen Q3 gerecht wird, ist damit ganz gut bedient. Zunächst: Einerseits wird die Weltpremiere an diesem Wochenende für einen glänzenden Auftritt sorgen. Kein Zweifel, auf der Automesse in Shanghai wird das kleine Ingolstadt groß rauskommen, einmal mehr. Andererseits belegt der Q3, dass die von Audi nicht immer die Ersten, die Schnellsten sind: BMW hat seinen kleinen SUV schon seit gut einem Jahr auf der Straße; X1 heißt das Baby der Konkurrenz und es verkauft sich prächtig.

Dann: Einerseits reiste die Crème de la Crème des deutschen Autojournalismus vor einigen Tagen an den Firmensitz an der Donau, weil Audi-Chef Rupert Stadler persönlich gerufen hatte. Aufhänger der Einladung: Die vertrauliche Vorab- Präsentation des Q3, eine Premiere vor der Weltpremiere sozusagen. Andererseits interessierten sich die handverlesenen Gäste offenkundig viel mehr für ein Auto, was einige Meter neben dem Q3 und noch vertraulicher gezeigt wurde. Da stand der komplett neuentwickelte A3, so, wie er 2012 auf den Markt kommen soll: Das erste Modell im VW-Konzern auf der berüchtigten Quer-Plattform, die Synergien noch und nöcher verheißt.

Und schließlich: Einerseits wird der Q3 technisch und formal in eine kleine, aber feine Audi-Familie eingegliedert, die bislang aus dem riesigen Q7 und dem deutlich garagenfreundlicheren Q5 besteht. Jetzt kommt ein dritter SUV dazu, der kleinste (4,39 Meter) und der leichteste (1,5 Tonnen). Andererseits heftet Audi dem Q3 das modische Etikett „Crossover“ an – was die ketzerische Frage erlaubt, ob der Neue von Vielem etwas, aber Nichts konsequent zu bieten hat.

Was die Karosserie angeht, wird der ein oder andere sicher mit Ja antworten. Die bullige Front, das um die Ecken herumgezogene Heck, 17 Zentimeter Bodenfreiheit und die ausgestellten Radhäuser mit Kantenschutz; all das verrät auf den ersten Blick: Der kleine Q macht wie seine großen Brüder auf Geländewagen. Den brauchen die meisten SUV-Käufer natürlich nicht wirklich, sie werden ihn trotz optionalem Allrad auch nicht als solchen nutzen. Aber nach Querfeldein aussehen soll das gute Stück schon. Beim Blick auf die Seitenlinie tritt dann das Coupé am Q3 in Erscheinung. Das Dach fällt flach, die Heckscheibe sehr flach nach hinten ab. Und die berühmt-berüchtigte Tornadolinie erinnert an den A5; gemeint ist die Falz, die sich von den Frontleuchten oberhalb der Türgriffe entlang bis zu den Heckleuchten zieht. Mit derlei sportlichen Anleihen und einem gewohnt noblen Innenraum distanziert sich Audi von der Konzernmutter in Wolfsburg. Deren VW Tiguan ist so etwas wie der Genspender des Q3 und je nach Ausführung für zwei- bis zigtausend Euro weniger zu haben – aber auch ein ganzes Ende biederer. Wer die Ringe und das Prestige der Auto-Union schätzt, zahlt den Preisaufschlag gerne und nimmt 29 900 Euro aufwärts in die Hand. Darauf darf man bis zum Start des Q3 im Sommer getrost wetten, genauso wie auf positive Tests in der Fachpresse.

Dafür werden zunächst vier durchzugsstarke Vierzylinder von 140 bis 211 PS sorgen, allesamt mit Turboaufladung und Start-Stopp-Automatik. Sechszylinder wie im Q5 haben im Q3 keinen Platz, Fünfzylinder stecken Informationen aus dem Werk zufolge für kommende Sportversionen im Köcher. Allradantrieb und Doppelkupplungsgetriebe sind für die Topversionen des Q3 reserviert; Assistenzsysteme, die vor unerlaubtem Spurwechsel warnen oder wie von Geisterhand einparken, gibt es gegen einen Haufen zusätzlicher Taler. Dass Multimedia, Navi und mobiles WLAN aus den großen Modellen A6 und A8 übernommen wurden, passt zum Anspruch der Audianer, Premium zu entwickeln, Premium zu produzieren und Premium zu liefern.

Bei keiner anderen Marke ist dieses Mantra in den Köpfen der Belegschaft, Zulieferer und Werber so tief und gleichförmig verankert. Vom Entwickler über die Schrauber bis hinauf zum tonangebenden Vorstand: Sie alle haben den Vorsprung durch Technik derart verinnerlicht, dass der Konkurrenz regelmäßig der Kamm schwillt. Erst Anfang des Jahres hat Rupert Stadler das Ziel ausgegeben, Mercedes als erfolgreichsten Premiumhersteller von der Straße zu schubsen – spätestens 2015, wenn man mehr als 1,5 Millionen Autos in der Welt absetzen werde. Bei der Profitabilität und der Kundenzufriedenheit liege man jetzt schon vorne, so Stadler, „Audi hat einen Lauf und so wird es bleiben“. Er hat Recht: Vor allem in den USA und in China brummt das Geschäft; allein hier hat man im ersten Quartal 2011 um 24,6 Prozent zugelegt. Die Bilanz ist hervorragend. Ein glänzendes Einerseits, gegen das jedes Andererseits verblasst: Warum darf Porsche bei den Sportwagen im VW-Konzern den Ton angeben? Warum hat Mercedes mit dem 400S schon einen Hybriden auf der Straße? Und warum hält man sich bei der Elektromobilität so vornehm zurück?

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