Essen-Motor-Show : Tunerschau als Orakel der Krise

So etwas nennt man antizyklisch: Während allerorten über Klimaschutz und Autokrise debattiert wird, trifft sich auf dem Essener Messegelände vom 29. November bis 7. Dezember wieder alles, was in Sachen Tuning und Veredlung Rang und Namen hat.

Die Essen-Motor-Show öffnet ihre Türen, Deutschlands größte Tuningmesse.

Allerdings haben sich die Zeiten auch im Reich des Tiefer-Schneller-Breiter geändert. Ein bisschen jedenfalls. Das illustriert unter anderem der von Brabus veredelte Elektro-Sportler Tesla Roadster, der auf der Motor-Show seine Premiere feiern wird. Sogar ein eigenes Logo hat sich Brabus fürs Elektro-Tuning zugelegt: der Markenname mit einem Blitz à la Opel kombiniert. In Brabus-Form beschleunigt der Tesla in 3,2 Sekunden auf 100 km/h. Da das so gänzlich ohne Motorencrescendo abgeht, hat man dem Tuner-Tesla gleich noch einen Sound generator mitgegeben, der Sphärenklänge oder Sportwagengeräusche erzeugen kann, damit der Fahrer die 3,2 Sekunden auch hört und die Fußgänger zur Seite springen können.

Dazu wird bei der Motor-Show in diesem Jahr den Oldtimern und Klassikern besonders viel Platz eingeräumt. Die Rennsportfreunde finden eine Motorsportarena mit Boxengasse und Motorsportinnovationen.

Nichts geändert hat sich aber an der Basis der Messe: Von jeher stellt alles rund ums Tuning die Hauptattraktionen. Optik, Fahrwerk. Leistung – nichts, was nicht verbessert, verstärkt oder individualisiert werden könnte. Mit Teilen, die sich in opulenter Breite auf der Essen-Motor-Show bewundern lassen.

Und: Neben den Einzelstücken und Kleinserien der Veredler, etwa des zum ersten Mal in der Irmscher-Version gezeigten Opel Insignia, gibt es auch Großserienfahrzeuge zu sehen. Essen entwickelt sich zusehends zu einem Premierenplatz für sportliche Varianten von Massenprodukten. In diesem Jahr gilt das für die Abarth-Versionen „esseesse“ des Fiat 500 und des Fiat Grande Punto. Auch der GTI auf der Basis des neuen Golfs erlebt seine Deutschlandpremiere, Audi ist mit der S4-Limousine und dem S4-Avant da, Skoda zeigt einen schnellen Octavia.

Ganz unbeeindruckt von der Krise scheint aber auch die Tuningmesse nicht zu sein, was schon die Entwicklung der Besucherzahlen zeigt: Im vergangenen Jahr konnte die Essen-Motor-Show 352 000 Besucher begrüßen, rund 40 000 Besucher weniger als im Jahr davor. Die Zurückhaltung der Käufer wurde spürbar. Jetzt könnte es spannend werden, zu beobachten, wie die Dinge sich im Krisenherbst anlassen. Gerade deshalb, weil eine ausgesprochen PS- affine Klientel die Zielgruppe ist. ar

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