Ethanolantrieb : Ist Alkohol doch eine Lösung?

Umrüstungen auf Ethanol können die Spritkosten senken. Doch möglicherweise können sie dem Motor schaden.

Felix Rehwald (dpa)

Die Benzinpreise sind schon seit Monaten schmerzhaft hoch, ohne Aussicht auf Besserung. Wer fahren muss, für den rücken Umrüstungen auf preiswertere Kraftstoffe immer mehr ins Blickfeld – neben dem Klassiker Autogas gilt das zunehmend auch für Ethanol.

Bioethanol wird durch Destillation nach alkoholischer Gärung aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen. Zum Beispiel Getreide, Zuckerrüben, Zuckerrohr oder auch Stroh und Holzabfälle kommen in Betracht. Der Treibstoff kann in Reinform als sogenanntes E100 oder als Mischkraftstoff mit einem Anteil an fossilem Ottokraftstoff – zum Beispiel als E85 oder E50 mit 85- oder 50-prozentigem Ethanolgehalt – in Ottomotoren verwendet werden.

Die Befürworter argumentieren, Bioethanol sei klimaneutral. Im Prinzip stimmt das auch: Das CO2, das beim Verbrennen entsteht, wurde von Pflanzen zuvor aus der Luft gebunden. Allerdings werden die Rohstoffpflanzen in der Regel auf Flächen angebaut, auf denen auch vorher schon Pflanzen standen – und auch die haben CO2 absorbiert, ohne dass sie nachher als Kraftstoff verbrannt worden wären. Werden sogar Regenwaldflächen gerodet, um Treibstoffpflanzen anzubauen (s. Kasten), dann bekommt die Ökobilanz ein anderes Gesicht.

Unstrittig ist dagegen: Ethanol ist billig. Rund 20 Prozent Preisvorteil gegenüber dem Betrieb mit Benzin kann das ausmachen. Doch während in Südamerika und Skandinavien bereits große Flotten mit auf Ethanolbetrieb ausgelegten Autos unterwegs sind, fristet der hochprozentige Sprit in Deutschland noch ein Nischendasein. Das Tankstellennetz ist noch sehr dünn, nur Saab und Ford bieten Ethanolfahrzeuge an. Trotzdem versuchen sich manche Firmen an der Nachrüstung von Autos. Im Internet werden seit einiger Zeit Standard-Zusatzsteuergeräte für den Ethanolbetrieb angeboten – zu Preisen ab etwa 500 Euro. Nun springt die Tuning-Branche auf den Zug auf. So hat das Unternehmen Elia aus Langenzenn (Bayern) angekündigt, von Mitte 2008 an für mehrere Autos ein Ethanol-Nachrüstkit anzubieten.

Allerdings handelt es sich dabei um eine aufwändigere Lösung, die auf den Fahrzeugtyp abgestimmt sein soll. So enthält das Kit nach Unternehmensangaben einen Durchfluss-Sensor, der den Ethanolgehalt ermittelt und an das Steuergerät meldet. Je nach Mischungsverhältnis werden die Einspritzzeiten verändert. Dazu modifiziert Elia die Motorsteuerung, baut je nach Modell eine Zusatzschmierung und Vorheizung für den Winterbetrieb ein – und hebt gleichzeitig die Motorleistung an. Inklusive Abgasgutachten soll der Nachrüstsatz zwischen 1200 und 1500 Euro kosten.

Auch der Tuner Abt aus Kempten im Allgäu hat mit Ethanolumrüstungen experimentiert. So wurde ein Audi A3 mit 2,0-Liter-TFSI-Motor auf E85 getrimmt und im Dauerbetrieb getestet – ohne Probleme. „Technisch ist die Umrüstung bei vielen Fahrzeugen machbar“, so Technikchef Andreas Zeilbeck. Unter Umständen müssten Dichtungen und Kraftstoffpumpen getauscht werden, da E85 aggressiver ist als Benzin. Dennoch hat Abt das Projekt wieder auf Eis gelegt. Die Nachfrage sei derzeit noch zu gering.

Allerdings gibt es auch kritische Stimmen: „Ethanol ist ein Feigenblatt, um mit grünem Gewissen die Leistung zu steigern“, kommentiert Magnus Geisler vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg (Bayern). Sinnvoller für die Umwelt sei ein Ansatz, der den Spritverbrauch verringert. Geisler warnt zudem vor möglichen Gefahren: „Nachrüstung bedeutet häufig das nachträgliche Einbauen von universellen Sätzen. Das birgt auch ein gewisses Pannenrisiko.“ Auf Risiken weist auch Volker Schittenhelm vom Verband der Motorinstandsetzungsbetriebe (VMI) in Ratingen hin. „Die Thematik ist problembehaftet – ähnlich wie die Umrüstung auf Gas.“ Je nachdem, wie sie gemacht ist, seien Motorschäden nicht auszuschließen. „Der Motor kann im Betrieb mit Ethanol zu heiß werden.“ Im Schadensfall bleibe der Halter schlimmstenfalls auf den Reparaturkosten sitzen, weil der Hersteller wegen der Änderung die Gewährleistung verweigert. Wer sein Fahrzeug auf Ethanol umstellen möchte, sollte sich an ein spezialisiertes Unternehmen wenden, das eine genaue Abstimmung vornimmt. „Eine individuelle Anpassung kann immer nur besser sein als eine Lösung, die für alle Modelle geeignet sein soll“, sagt Schittenhelm. Zu klären sei auch, ob der Anbieter eine Garantie anbietet.

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