F-Pace : Ein Jaguar im SUV-Dschungel

Mit dem F-Pace bringen die Briten einen alltagstauglichen Edel-Offroader auf den Markt. Der SUV könnte der erfolgreichste Jaguar aller Zeiten werden.

Frank Wald
Von der Straße ins Gelände: Der Jaguar F-Pace.
Von der Straße ins Gelände: Der Jaguar F-Pace.Foto: Promo

Die SUV-Welle rollt und rollt. Ab sofort auch mit Jaguar-Kopf auf dem Kühler. Denn mit dem F-Pace drängt nun auch die britische Premium-Marke ins renditeträchtige Revier von Porsche Macan, Audi Q5 und BMW X4. Und die Vorzeichen stehen gut, weltweit liegen bereits 10000 Bestellungen vor, 1000 davon aus Deutschland. „Das gab es bei uns noch nie vor einer Modelleinführung“, sagt der deutsche Jaguar-Geschaftsführer Peter Modelhart. Damit könnte der F-Pace der erfolgreichste Jaguar aller Zeiten werden.

Denn „Jaguars Sportwagen für alle Wetterlagen und Straßen, mit Platz für fünf Personen samt Gepäck“, so Chefdesigner Ian Callum, wird mit seinen alltagspraktischen Qualitäten ganz neue Käuferschichten erobern. Wie für einen SUV gewohnt – für einen Jaguar aber völlig neu –, bietet der 4,73 Meter lange F-Pace einen bequemen Ein- und Ausstieg, eine gute Übersicht und trotz coupéähnlicher Dachlinie auch auf den Rücksitzen reichlich Raum für Kopf und Knie. Dazu kommen ein 650 bis maximal 1740 Liter großer Kofferraum sowie Allradantrieb (außer Basisversion) und elektronische Offroad-Systeme, die den Jaguar auf Knopfdruck über Stock und Stein ebenso wie samt Pferde, Boote oder Wohnwagen am Heck über die feuchte Wiese ziehen.

Nun ja, mit der Schwestermarke Land Rover im Rücken, sollte man meinen, ist das nur eine Fingerübung. Doch der F-Pace betritt komplettes „Neuland, in das noch kein Jaguar vorgedrungen ist“, so Andy Whyman, der für die Entwicklung des allerersten SUV der Briten verantwortlich zeichnet. Technisch basiert der F-Pace nämlich nicht auf Range Rover oder Discovery, sondern auf den neuen Business-Limousinen XE und XF. Soll heißen, modulare Leichtbau-Plattform mit Doppelquerlenker-Achse vorn und Integral-Hinterachse, alles aus Aluminium und auf 2,87 Meter Radstand gestreckt. Darüber spannt sich eine dynamisch proportionierte Karosse, ebenso zu 80 Prozent aus Alu, die mit muskulös modellierter Front und kurzen Überhängen sowie den charakteristischen Rückleuchten erkennbar den Sportwagen F-Type zitiert.

Auch Cockpit und Interieur wurden aus den Limousinen XE und XF adaptiert. Ins Auge fällt das neue Infotainmentsystem InControl Touch, im besten Fall mit 12,3 Zoll HD-TFT-Display im Kombiinstrument und 10,2 Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole, der durch die inzwischen allseits bekannten Wisch-, Scroll- und Fingerspreizbewegungen intuitiv zu bedienen ist. Auch ein WiFi-Hotspot oder ein farbiges Head-up-Display stehen auf der extralangen Liste der Komfort-Extras. Pfiffig ist der sogenannte „Activity Key“, ein stoß- und wasserfestes Kautschukband im Stil der trendigen Fitness-Armbänder, mit dem sich durch ein Berühren des Jaguar-Emblems auf dem Heckdeckel das Auto öffnen und schließen lässt, ohne den Schlüssel mitzunehmen. Gedacht für „Menschen mit aktivem Lebensstil“ – also die bekannten Outdoor-Sportler, Kite-Surfer oder Moutain-Biker, aber ebenso nützlich für Menschen mit aktiven Hang zum Verschusseln und Verschlampen.

Diesel sollen Hauptumsatz bringen

„Der F-Pace wurde von Beginn an als unser praktischster Jaguar konzipiert“, erzählt Chefingenieur Dave Shaw. „ohne dabei den Fahrspaß aus den Augen zu verlieren“. Für den sorgen drei Motoren. Während der V6-Kompressor-Benziner aus dem F-Type, wahlweise mit 340 PS oder 380 PS, in Deutschland wohl kaum eine Rolle spielen dürfte, werden die beiden Diesel den Hauptumsatz bringen. Den besten Mix aus Leistung und Laufruhe zeigt hier der V6-Twinturbo-Diesel mit 300 PS, serienmäßig mit aufmerksam und komfortabel schaltender Achtgangautomatik und bulligem Durchzug von 700 Newtonmetern.

Unwesentlich langsamer als sein Benziner-Pendant sprintet er in 6,2 Sekunden auf Landstraßentempo, schnurrt aber auch auf der Autobahn laufruhig dahin und verfügt in jeder Fahrsituation über ausreichend Kraftreserven. Mit seiner präzisen Lenkung und dem ausgeglichenem Fahrwerk weicht der SUV selbst bei hochfrequenten Bodenwellen und üblen Verwerfungen im Asphalt nicht vom Kurs ab. Dabei fährt sich der Allradler im Normalfall immer wie ein Hecktriebler. Erst wenn’s drauf ankommt, stellt die Lamellenkupplung binnen Millisekunden auf ausgeglichene 50:50-Kraftverteilung.

Den größeren Zuspruch erwartet Jaguar dennoch vom neuen 2-Liter-Vierzylinderdiesel. Auch der 180 PS starke Selbstzünder bietet mit 430 Nm ab 1750 Touren reichlich Schub für jede Fahrsituation und durch das geringere Gewicht auf der Vorderachse sogar noch das bessere Handling. Im Gegensatz zu den anderen beiden ist der Basisdiesel als einziger wahlweise auch nur mit Heckantrieb und 6-Gang-Schaltgetriebe zu haben.

Das senkt immerhin den Einstiegspreis in Jaguars neue SUV-Welt auf 42390 Euro. Der Allradantrieb kostet 2600 Euro extra, die Automatik noch einmal 2500 Euro. Der große Diesel, immer mit Allrad und Automatik, ist hingegen nicht unter 57690 Euro zu haben. Der V6-Benziner kostet mindestens 59010 Euro, mit 380 PS nur in der Version S ab 75260 Euro. Bei den Preisen bewegen sich die Briten mit ihrem ersten SUV schon wieder auf vertrautem Terrain.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben