Facelift : Daihatsu Cuore: pfiffig sachlich

Auch in der siebten Generation bleibt Daihatsus Cuore ein Auto für Pragmatiker. Und macht genau deshalb Spaß.

Sven Jürisch
Daihatsu Cuore
Herzig? Auch wenn er nicht hässlich ist, wegen seines Designs wird den Cuore wohl kaum jemand kaufen. Was zählt ist Mobilität zum...Foto: Promo

Als Daihatsu im Jahre 1980 erstmals den Kleinwagen Cuore in Deutschland vorstellte, war das Auto, ebenso wie die Marke, ein Außenseiter. Recht exotisch mutete der schmale Kleine aus Japan mit dem schnörkellosen Design und den zierlichen Reifen an – so recht Gefallen fand an dem Bonsaimini damals kaum jemand. Nun, rund 27 Jahre später, sieht die Welt anders aus. Steigende Kraftstoffpreise und mangelnder Parkraum lassen den einst milde belächelten Kleinwagen wie Phönix aus der Asche auferstehen. Da trifft es sich gut, dass Daihatsu zur Internationalen Automobilausstellung im September in Frankfurt die siebte Generation des Cuore vorstellt.

Um es vorwegzunehmen: Bei dem kommenden Cuore handelt es sich nicht um eine vollständige Neukonstruktion. Stattdessen hat Daihatsu das erfolgreiche Vormodell komplett überarbeitet und den aktuellen Markterfordernissen angepasst. Ins Auge fällt dabei zunächst die neu gestylte Karosserie. Die ehemals konturlosen Flanken wurden nun mit einigen Sicken versehen, und die Leuchteinheiten erhielten eine neue Optik. Aber trotz dieser Bemühungen wird schnell deutlich: Wegen seines Designs wird sich kaum ein Kunde für den ausschließlich als Fünftürer lieferbaren Cuore entscheiden.

Hoher Gebrauchswert

Es dürften vielmehr die praktischen Eigenschaften im täglichen Miteinander sein, die die Kunden an dem japanischen Kleinwagen schätzen werden. So bieten seine vier weit öffnenden Türen einen bequemen Einstieg in den Innenraum des Cuore. Und der bietet den Insassen ein ungewöhnlich luftiges Raumgefühl. Wegen des langen Radstands und der, zumindest in der Top-Version, in der Länge um gut 25 Zentimeter verschiebbaren Rücksitzbank finden bis zu fünf Personen ausreichend Platz. Zahlreiche Ablagen für Getränkeflaschen und allerlei Krimskrams vervollständigen den hohen Gebrauchswert des Cuore.

Das Mobiliar selbst ist allerdings eher auf den japanischen Normmenschen zugeschnitten und verfügt über eine für Mitteleuropäer deutlich zu kurze Sitzfläche und eine Polsterung, die sich auf Dauer einfach zu weich anfühlt. Leider haben es die Daihatsu-Mannen auch versäumt, im Rahmen der Modellpflege dem Innenraum etwas mehr Pepp zu verleihen. So missfallen auch bei der siebten Cuore-Generation die tristen grauen, bisweilen schlecht eingepassten Kunststoffverkleidungen, die zudem über ein höchst unterschiedliches Griffgefühl verfügen. Als optischer Lichtblick fällt lediglich das aufwendig gestylte Kombiinstrument auf – in der Top-Version Top mit Bordcomputer –, das in seiner Hochwertigkeit irgendwie nicht so recht zum sonstigen Ambiente passen will.

Praxisnah gibt sich der Daihatsu, wenn es ans Beladen geht. Die weit öffnende Heckklappe bietet einen guten Zugang zu dem bis zu 414 Liter großen Kofferraum, dessen Variabilität jedoch dadurch eingeschränkt ist, dass man die Rücksitze nicht vollständig umlegen kann. Allzu spitz sollten die einzuladenden Güter ebenfalls nicht sein, da die billig anmutende Filzverkleidung des Kofferraums nur unzureichend an der Karosserie befestigt ist und so der hauchdünne Lack schnell beschädigt werden kann. Auch droht Gefahr für mitreisendes Gepäck von den Laufschienen der verstellbaren Rücksitzbank, die unverkleidet und scharfkantig in den Kofferraum ragen.

Motor: Drehfreudig und nicht so durstig

Aber wie fährt sich denn nun der 3,46 Meter lange Cuore? Mit einem Wort: Hervorragend. Der Dreizylinder-Benzinmotor, der alle Cuores mit 70 PS aus einem Liter Hubraum befeuert, macht seine Sache insbesondere mit der seidenweich schaltenden Vier-Stufen-Automatik (Aufpreis 1000 Euro) sehr gut. Drehfreudig beschleunigt er das 775 Kilo schwere Wägelchen binnen 14,1 Sekunden auf 100km/h und erreicht zügig die Höchstgeschwindigkeit von 150km/h. Dabei hängt der Motor gut am Gas und gibt sich im Mittel mit 5,5 Liter Normalbenzin zufrieden. Zwar ist die Version mit dem manuellen Schaltgetriebe um 0,5 Liter sparsamer und beschleunigt etwas flotter, doch macht gerade die Unkompliziertheit der Automatikversion den Reiz des Autos aus. Dank der übersichtlichen Karosserie bereitet speziell das Einparken mit dem Automatikauto Freude. Parklücke anpeilen, auf R- schalten und mit der leichtgängigen Lenkung in die Lücke kurven. Fertig. Dabei kommt dem Cuore seine traditionell geringe Außenbreite von lediglich 1,35 Meter zugute.

Und auch für die Überlandfahrt ist der Daihatsu gut gerüstet: Die Federung gibt sich in allen Situationen europäisch straff, aber nicht unkomfortabel. Lediglich kurze Bodenwellen werden mit einem gewissen Stuckern quittiert. Zu schnell angegangene Kurven absolviert der Cuore sicher untersteuernd und stellt so den Fahrer nicht vor unvorhergesehene Probleme. Und sollte es doch einmal eng werden, verzögert das mit serienmäßigem ABS und Assistenten versehene Bremssystem nachhaltig. Ein ESP-System ist nur bei der höherwertigen Modellvariante als Option erhältlich.

Bleibt zusammengefasst: viel Licht und wenig Schatten beim neuen Cuore. Auch in der siebten Generation stellt das Minimalauto unter Beweis, wie gut und preiswert es sich mit einem Kleinwagen leben lässt. Eine dreijährige Garantie und lange Wartungsintervalle sorgen für niedrige Fixkosten. Und auch der Anschaffungspreis von 8990 Euro für den Basis-Cuore 1.0 tröstet über manche kleine Unzulänglichkeit schnell hinweg.

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