Facelift Ford Ecosport : Ein neuer Anlauf

Ford hat mit dem Ecosport bisher wenig Glück gehabt. Der wurde nun schon anderthalb Jahre nach dem Start grundlegend erneuert.

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Nicht unbedingt schöner, aber technisch deutlich besser geworden: Der Ford Ecosport.
Nicht unbedingt schöner, aber technisch deutlich besser geworden: Der Ford Ecosport.Foto: Hersteller

Manche Dinge im Leben entwickeln sich nicht so, wie man es sich vorgestellt hat. Wie die Sache mit dem EcoSport, von dem seit 2003 weltweit 1,4 Millionen verkauft worden sind. Der kam im Juni 2014 auch auf den deutschen Markt, aber bei uns einfach nicht an. Lediglich 2900 Autos wurden im vergangenen Jahr zugelassen. In diesem sind es bislang 4400. Die Gründe des Schwächelns bei uns? Das Auto konnte weder beim Auftreten, bei der Qualität noch beim Fahrverhalten hiesige hohe Ansprüche erfüllen, und die Konkurrenz in diesem Wachstumssegment ist überdies stark. Deswegen ist der EcoSport nun nur anderthalb Jahre nach seiner Markteinführung gründlich überarbeitet worden. Das ist sehr ungewöhnlich, aber erklärbar: Dieses SUV war ursprünglich nur für Südamerika vorgesehen. Mit wenigen Änderungen sollte das Brasilien entwickelte und in Indien gebaute SUV auch in Europa verkauft werden. Offenkundig reichten die Anpassungen aber nicht aus. Doch Ford hat die Schwachstellen erkannt und bei der Überarbeitung an den richtigen Stellschrauben gedreht.

Äußerlich erkennt man den 2015er Ford EcoSport auf Anhieb daran, dass das außen montierte Reserverad an der nach links öffnenden Hecktür verschwunden ist. Das sah zwar gut aus, störte aber im Alltag. Wenn jemand in der Stadt zu nahe hinter dem EcoSport parkte, konnte man wegen des schmalen Öffnungswinkels der breiten Hecktür nur noch Briefe einwerfen! Jetzt ist es zu einer 200 Euro teuren Option mutiert, die wahrscheinlich nur in der Preisliste steht. Das Auto wirkt von hinten nun wie ein Kuga light. Und es ist quasi 26 Zentimeter kürzer geworden; ein Plus bei der Parkplatzsuche. Innen gibt es aber nicht weniger Platz. Klappt man die neigbaren Rücksitze um, wächst das Volumen von 355 auf 1238 Liter. Die Ladekante fällt mit knapp 61 Zentimeter für diese Autogattung erfreulich niedrig aus. Öffnen lässt sich die Heckklappe jetzt mit einem Türgriff, der kaum zu sehen ist: Er wurde in die rechte Rückleuchten-Einheit integriert. Damit bildet er ein optisches Gegengewicht zum Rückfahrscheinwerfer auf der linken Seite.

Ford Ecosport jetzt auch mi ordentlichem Fahrwerk

Im zweiten Anlauf konnten die Ford-Techniker endlich zeigen, dass sie auch bei Kompakt-SUV gute Fahrwerke bauen können. So wurden beim EcoSport Feder- und Dämpferraten optimiert, die Hinterachs-Querlenker neu konstruiert, die Übersetzung der Servolenkung modifiziert und das ESP neu abgestimmt. Damit liegt der EcoSport deutlich besser auf der Straße, und er fährt nicht mehr so unentschlossen in die Kurve rein wie bisher. Als überaus positiv für die Agilität wirkt sich auch die Tieferlegung der Karosserie um zehn Millimeter aus. Ein tieferer Schwerpunkt verbessert nun mal die Fahrdynamik. Obwohl er sich frischer und sportlicher fährt, ist aus dem SUV kein harter Hund geworden. Auch Geräuschdämmung und Vibrationskomfort wurden spürbar verbessert, indem die Dämmung des Armaturenträgers und der Türverkleidungen optimiert sowie der Pedalbereich präziser abgedichtet wurden.

Der Innenraum hat noch mehr Verbesserungen erfahren. So ist erstmalig eine Leder-Stoff-Polsterung für die ebenfalls verbesserten Sitze verfügbar. Der Armaturenträger hat eine zusätzliche Chromblende bekommen. Die Schalter der elektrischen Fensterheber sind nun ebenfalls verchromt. Als sehr praktisch erweisen sich die insgesamt 20 Staufächer und Ablagen. Pfiffig ist das nur 475 Euro teure Multimediasystem Ford Sync mit App-Link. Damit kann mittels Smartphone per Sprachsteuerung auf Datenbanken zugegriffen werden, um beispielsweise 20 Millionen Musiktitel oder Hörbücher zu genießen oder sich Emails vorlesen zu lassen. Damit ist der Kleine weit vorn.

Diesel beim Ford Ecosport kaum gefragt

Beim Antrieb hat sich recht wenig getan. So bleibt der beliebteste Motor – vier von fünf Käufern wählen ihn – nach wie vor der bewährte Einliter-Ecoboost-Dreizylinder mit 125 PS, der mit nur 5,4 Litern Super auf 100 Kilometer auskommen soll. Bei unserer Testfahrt genehmigte er sich bei teils forscher Fahrt 6,1 Liter Super – ein ordentlicher Wert bei sehr ordentlichen Fahrleistungen (Null bis Tempo 100 in 12,7 Sekunden und Spitze 180 km/h). Ja, es macht richtig Spaß, den handlichen EcoSport mit diesem kraftvollen Dreizylinder zu fahren. Stärker überarbeitet wurde nur der 1,5-Liter-Diesel, der nun mit 95 fünf PS mehr als bisher leistet. Dank seines kräftigen Drehmoments aus dem Keller (215 Newtonmeter ab 1750 Touren) eignet er sich als souveräner Antrieb. Bei unserer Testfahrt zeigte der Bordcomputer sehr gute 4,9 Liter, ganz nahe an der Werksangabe von 4,6 Liter. Eine ideale Paarung, wenn das liebe Geld nicht wäre. Nur jeder zwanzigste Käufer in Deutschland entscheidet sich für den Selbstzünder, weil der nämlich 1250 Euro teurer als der 125-PS-Benziner ist.

Los geht es beim „neuen“ Ford EcoSport in der Basisversion Trend bei 17 990 Euro für die Version mit 112-PS-Benziner. Bereits diese deckt mehr als nur die automobile Grundversorgung ab: ESP, Radio, Klima, Alarmanlage, vier elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung, sieben Airbags und Nebelscheinwerfer. Ford bietet für dieses Basismodell einen Aktionspreis an: nur 14 990 Euro!

Bei Ford geht man davon aus, dass in den kommenden fünf Jahren sich der Bedarf nach SUV um 25 Prozent steigern wird, bei Kompakt-SUV in Europa gar verdoppelt. Deshalb machen die Kölner 2016 zum SUV-Jahr. Der beliebte Kuga wird überarbeitet und bekommt einen selbstbewussten Chromgrill sowie neue Assistenzsysteme.. Ebenfalls 2016 startet das Oberklasse-SUV Edge, das Audi Q5 und BMW X5 Konkurrenz machen soll. Und auch der EcoSport erhält attraktiven Zuwachs: Anfang 2016 startet der EcoSport mit einem auf 140 PS gepuschten Dreizylinder-Turbo. Und ab März 2016 setzen die Kölner noch mal eins drauf mit einer S-Version des EcoSport. Die bietet eine schärfere Optik mit sieben Außenfarben, dazu Dach, Außenspiegel, und 17-Zoll-Leichtmetallräder in schwarzer Lackierung sowie schwarz getönte hintere Scheiben. Dazu gibt es ein sportlicher kalibriertes ESP, straffere Dämpfer und eine direkter ausgelegte Lenkung. Zusätzlich werden spezielle Goodyear Efficient Grip-Reifen moniert, welche die Fahrdynamik zusätzlich verbessern sollen. Damit gibt sich der EcoSport S quasi als neue AMG-Version von Ford.

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