Facelift für den Audi R8 : Automatisch schneller

Audi hat sein Spitzenmodell überarbeitet. Jetzt ist auch der R8 mit Doppelkupplungsgetriebe unterwegs.

Äußerlich hat sich wenig getan. Zu erkennen ist der neue R8 vor allem an den LED-Scheinwerfern vorne.
Äußerlich hat sich wenig getan. Zu erkennen ist der neue R8 vor allem an den LED-Scheinwerfern vorne.Foto: Hersteller

Die Emilia Romagna ist nicht nur für ihren Balsamico-Essig und Parmakäse bekannt. Aus der norditalienischen Region stammen Leckereien, die vor allem Sportfahrern schmecken: Neben Ferrari sind hier unter anderem auch Maserati und Lamborghini beheimatet. Mit denen will sich der hier präsentierte und überarbeitete R8 wieder messen – und vor allem bei einer neuen Motorvariante dürfte der Supersportwagen gar nicht so schlecht aussehen. Dabei ist der ab Ende des Jahres verfügbare Zweisitzer mit 113 500 Euro deutlich günstiger als die edlen Mitbewerber, wenn auch 2400 Euro teurer als bisher.

Äußerlich hat sich beim Mittelmotorsportwagen allerdings wenig getan. Nur Fans werden das neue Modell an den LED-Scheinwerfern erkennen. Auch die Feinheiten des an den oberen Ecken abgeschrägten Kühlergrills, der modifizierten Stoßfänger oder der dynamischen Blinker am Heck, die durch 30 nacheinander geschaltete LED einen Wischeffekt erzeugen, offenbaren sich nur Kennern als Neuheit. Nett anzusehen, macht den Sportwagen aber nicht schneller.

Drei Wellen für schnelle Wechsel

Wichtiger ist ein genauer Blick unter die Glasscheibe, die als Motorhaube fungiert. Dort kann man das neue Getriebe zwar nicht direkt erkennen, aber zumindest erahnen. Audi hat seine alte Sechsgang-Automatik ins Regal verbannt und seinem stärksten Serienmodell ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe spendiert. Beim „Einstiegsbenziner“ 4,2-Liter-V8 mit 316 kW/430 PS kostet das Schaltwunder 4900 Euro Aufpreis, bei den stärkeren V10-Varianten mit 5,2 Liter mit 386 kW/525 PS (ab 154 600 Euro) und dem neuen 404 kW/550 PS Plus-Kraftwerk (ab 173 200 Euro) gehört es zur Serienausstattung. Gleiches gilt bis auf das Plus-Modell für die offenen Spyder-Versionen, die jeweils 11 300 Euro teurer sind als die Coupés.

Der Schaltautomat passt zum Mittelmotor. Denn die Automatik mit drei Wellen kann jeden Gang direkt anwählen, normale DSG-Automaten müssen mit zwei Wellen auskommen und alle Gänge nacheinander durchschalten. Der R8 spart nicht nur Zeit, sondern auch Kraftstoff, der Verbrauch sinkt dank des neuen Getriebes um bis zu 22 Prozent.

Bis zu 317 km/h sind drin

Noch nie hat Spritsparen so viel Spaß gemacht. Ist das mächtige Bollwerk erst mal auf Temperatur, umklammern die Hände ehrfürchtig das Wildlederlenkrad und machen sich bereit für einen Sturm. Derweil will der Fuß das rechte Alu-Pedal unweigerlich an die Bodengruppe nageln. Auf der freien Rennstrecke Misano World Circuit bei Rimini ist das ungefährlich, weshalb man diesem Drang einfach nachgehen kann.

Dann stemmen sich die Kolben des V10 gegen den Druck im Brennraum und dank permanentem Allradantrieb krallen sich die vier Reifen in den warmen Asphalt. In 3,5 Sekunden schnellt der Tachozeiger über die 100-Marke, die Gänge peitschen dabei durch die Gasse wie Zorros Markenzeichen zu seiner besten Zeit. Ein Wimpernschlag länger liegt Tempo 200 an und die erste Kurve naht, sonst wären bei der Plus-Version 317 km/h drin. Gierig wie hungrige Löwen beißen die Beläge in den Bremsscheibe und verzögern den Sportler sicher. Kein Wanken, kein Wackeln, der Audi bleibt weiter auf Spur. Und wird es dennoch mal eng, greift das ESP beherzt ein. Egal ob im Automatik- oder manuellen Modus, mit etwas Streckenkenntnis liegt immer der richtige Gang an und hält den Motor im oberen Drehzahldrittel, dort, wo er am besten im Futter steht.

Sonderfarbe und Karbon für das Spitzenmodell

Mit der Überarbeitung hat der Audi R8 nun ein sehr sportliches Doppelkupplungsgetriebe an Bord. Durch drei Wellen werden die Gänge besonders schnell gewechselt.
Mit der Überarbeitung hat der Audi R8 nun ein sehr sportliches Doppelkupplungsgetriebe an Bord. Durch drei Wellen werden die Gänge...Foto: Hersteller

Damit sorgt das stärkste Modell für einen internen Machtkampf mit dem Lamborghini Gallardo, auch wenn es noch 10 PS schwächer als der Bulle aus Sant'Agata Bolognese ist. Optisch differenziert sich die nur als Coupé angebotene Top-Version unter anderem durch den großzügigen Einsatz von Karbon-Teilen an Sideblades und Diffusor von den anderen V10- und V8-Varianten. Auch die Sonderfarbe mattblau ist dem Spitzenmodell vorbehalten. Wichtiger ist aber das Leistungsplus von 25 PS gegenüber dem normalen Zehnzylindermodell. Der 5,2 Liter große Saugmotor kommt damit auf ein maximales Drehmoment von 540 Newtonmeter, das nach bester Hochdrehzahlmanier erst bei 6500 Touren anliegt. Der Durchschnittsverbrauch von 12,9 Liter auf 100 Kilometer ist damit aber nicht zu halten, was aber nur die wenigsten der schon ansonsten wenigen Kunden interessieren wird: Vergangenes Jahr wurden in Deutschland gerade einmal 549 Fahrzeuge neu zugelassen, dieses Jahr waren es bis September 507.

Abseits der Rennstrecke im Stadtverkehr ist der R8 kein rückenmordender Brutalo-Sportler, sondern eher ein sehr sportlich abgestimmter Gran Tourismo und ein ideales Fahrzeug zum Flanieren auf einer Prachtmeile. Wer es nicht eilig hat, deaktiviert den Sportmodus und gleitet im Automatik-Betrieb über die Landstraßen – und zwar völlig unaufgeregt und zur Freude einiger Sportwagenfans am Straßenrand. Die recken allerdings schnell die Daumen und animieren zum Kick-Down. Damit könnte der Ingolstädter seinen Konkurrenten Lamborghini Gallardo (ab rund 165.000 Euro), Porsche 911 Turbo (rund 150.000 Euro) und Ferrari 458 (194.000 Euro) rein akustisch garantiert das Wasser reichen. Nicht nur in der Emilia Romagna. (sppr)

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