Facelift für den VW Polo : Mutti wird ihn lieben

Nach vier Jahren bekommt der VW Polo eine Modellauffrischung. Doch statt auf Effekthascherei setzen die Wolfsburger auf Oberklassetechnik in eleganter Verpackung.

Sven Jürisch
Runderneuerung nach vier Jahren: Der neue Polo auf der offiziellen VW-Präsentation.
Runderneuerung nach vier Jahren: Der neue Polo auf der offiziellen VW-Präsentation.Foto: Sven Jürisch

Wenn Volkswagen einen neuen Polo präsentiert, blieben spektakuläre Überraschungen in der Vergangenheit weitgehend aus. Seit die Wolfsburger 1975 den kompakten Fronttriebler auf den Markt brachten, mauserte sich der Polo in fünf Generationen zur konstanten Größe in der Kleinwagenklasse. Die Kundschaft liebt, genau wie beim Golf, das zurückhaltende Design. Mit einem Polo macht man nichts verkehrt, mit einem Polo fällt man nicht auf. Im Guten wie im Schlechten.

Keine Experimente

Diesem Grundsatz folgt auch der von VW etwas hochtrabend angekündigte "neue Polo". So neu ist der - in seinen Ausmaßen nahezu unverändert auftretende - Kompakte jedoch nicht. Man muss schon genau hinsehen, um die marginalen Modifikationen an der Karosserie zu bemerken. Diese beschränken sich auf neue Schürzen an Front und Heck sowie Scheinwerfer und Rückleuchten, die jetzt optional in LED-Technik erhältlich sind.

Zurückhaltend auch die Änderungen im Innenraum. Ein neues Kombi-Instrument, sowie einige - billig wirkende - Blenden rund um die neu gestaltete Heizungsbetätigung fallen kaum auf, waren aber auch nicht nötig, denn so richtig unansehnlich war der Vorgänger in dieser Beziehung nicht.

Der VW Polo: Seit 1975 der Kleinwagenkönig in Deutschland
Mit 75 PS war der Polo seinerzeit ein echter Eckenfeger.Weitere Bilder anzeigen
1 von 15Foto: promo
29.01.2014 11:40Mit 75 PS war der Polo seinerzeit ein echter Eckenfeger.

Neuheiten unter dem Blech

Unter dem Blech hat VW dagegen nahezu alles auf links gedreht. Im Polo der neuesten Generation findet sich High-Tech vom Feinsten. Angefangen bei den deutlich sparsameren Motoren, die nun alle die Euro-6-Norm erfüllen, über eine elektromechanische Servolenkung bis hin zu einem verstellbaren Sportfahrwerk bietet der Polo Golf-Technik in kleinerer Verpackung. Neues auch bei den Motoren.

Aus dem Konzern-Baukastensystem entstand ein Dreizylinder-Common-Rail-Dieselmotor mit gewichtsoptimiertem Aluminiumkurbelgehäuse und wassergekühltem Ladeluftkühler. Mit 1,4 Litern Hubraum leistet der Selbstzünder zwischen 75 und 105 PS. Dazwischen rangiert eine Version mit 90 PS, die vermutlich den größten Verkaufsanteil haben wird.

Sportmodelle in Planung

Neben aller Wirtschaftlichkeit spielte bei den Polo-Kunden seit Generationen aber auch die Sportlichkeit eine wichtige Rolle. War es zu Beginn der Karriere noch ein 75 PS starker Polo GT, der die Söhne den Polo-Schlüssel aus dem Schlüsselkasten stibitzen ließ, so steigerte VW in den 90er Jahren das Feuer unter der Haube auf 113 PS. Der Polo G40 avancierte damals zum heißesten Gerät seiner Klasse.

Optisch wurde die 2014er Version des Verkaufsschlagers nur dezent verändert - unter der Motorhaube aber zieht VW alle Register.
Optisch wurde die 2014er Version des Verkaufsschlagers nur dezent verändert - unter der Motorhaube aber zieht VW alle Register.Foto: Sven Jürisch

Zwei Jahrzehnte später bietet Volkswagen ab Sommer mit dem Polo GTI das neue Spitzenmodell an - mit nun sogar 192 PS. Und auch der GT Blue motion wird in erstarkter Form zurückkehren. Statt bisher 140 PS lässt Volkswagen dann 150 PS auf die Vorderräder los. Ob auch der Allradantrieb 4motion in diesem Modell zum Einsatz kommen wird, ist derzeit noch nicht klar, wenngleich auch der auf identischer Plattform gebaute Audi S1 zu Spekulationen einlädt.

Sicherheit auf Phaeton-Niveau

Die eigentliche Überraschung des neuen Polo liegt im Bereich der Elektronik verborgen. Hier hat Volkswagen den vorwiegend im Stadtverkehr eingesetzten Kleinwagen mit den neuesten Sicherheits- und Assistenzsystemen ausgestattet, die der Konzern derzeit zu bieten hat. Serienmäßig gehört dazu die Multikollisionsbremse, die den Polo nach einem registrierten Crash selbstständig abbremst.

Müdigkeits- und Regensensor gibt es optional, ebenso wie das unfallverhindernde Front Assist, das mittels Radarsensor den vorausfahrenden Verkehr kontrolliert, im Ernstfall die Bremse "vorspannt" und so einer verspäteten Reaktion des Fahrers die Gefährlichkeit nimmt. Zu diesem Feature gehört auch die City-Notbremsfunktion, mit der der Polo bis 30 km/h bei einer verzögerten Reaktion des Fahrers im Kollisionsfall selbstständig zum Stehen kommt.

Die Apps an Bord

Sicher ist der Polo also, doch wie steht es um den Lifestyle? Hier musste VW bislang der Konkurrenz das Feld überlassen, die - wie im Opel Adam - mit modernen Radiogeräten den Kunden die Möglichkeit boten, ihre Mobiltelefone samt Apps problemlos ins Fahrzeug zu integrieren. Damit ist jetzt Schluss, denn ein App-fähiges Radiosystem in verschiedenen Ausbaustufen schafft den Anschluss an die Konkurrenz. Wenn gewünscht, sorgt ein hochauflösender Touch-Bildschirm mit zahlreichen Funktionen für zeitgemäße Unterhaltung und Navigation. Dazu kann das Gerät ausgesuchte Apps abbilden, die sich dann am Radio bedienen lassen. Das funktioniert derzeit zwar nur mit Android-Geräten, doch bei VW arbeitet man auch an Lösungen für Apple-Produkte.

So gerüstet steht der Polo gut da, in Europas wichtigstem Marktsegment auch zukünftig die Rolle des Marktführers zu übernehmen. Das Update gibt es zudem kostenlos, denn der Grundpreis des ab Frühjahr erhältlichen Polo bleibt mit 12 450 Euro unverändert. Eine Tatsache, die - neben der hohen Wertstabilität - nicht nur Mutti an dem Polo lieben wird.

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