Facelift Skoda Yeti : Doppelt in die Verlängerung

Der erste Yeti war ein Volltreffer für Skoda. Jetzt macht die tschechische Marke gleich mal zwei daraus. Ansonsten ist man beim Facelift des Skoda Yeti allerdings zurückhalternd geblieben. Vielleicht zu zurückhaltend.

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In die Verlängerung: Der Skoda Yeti ist ein Bestseller für die Tschechen geworden.
In die Verlängerung: Der Skoda Yeti ist ein Bestseller für die Tschechen geworden.Foto: Hersteller

So ist das nun mal im Leben; man kann es keinem recht machen. Die einen werden den niedlichen Kulleraugen im etwas pummeligen Gesicht nachweinen, die anderen dagegen sagen: Nach endlich. Nach gut vier Jahren hat Skoda seinen erfolgreichen Yeti (immerhin 260000 weltweit verkaufte Exemplare bislang) aufgefrischt und der aktuellen Designlinie angepasst. Weg von der Pummeligkeit, hin zu kraftstrotzender Ernsthaftigkeit. Das mögen vor allem die Chinesen, die nun erstmals den überarbeiteten Skoda Yeti kaufen können.

Auffälligste Änderung neben der neuen Front ist die Verdopplung des überarbeiteten Yeti. Erstmals gibt es zwei Versionen: City und Outdoor; fürs Feine und fürs Grobe. Wobei das Ganze eher ein Marketing-Gag ist, denn geländegängig sind beide – mit gleicher Bodenfreiheit von 18 Zentimetern und gleicher Wattiefe von 30 Zentimetern und beide mit optionalen Offroadassistenten für 80 Euro extra. Der Offroadlook kostet 200 Euro; wer es mag.

Basisbenziner gefragt

Mögen wird man diesen Erfolgstypen nach wie vor; auch wenn technisch nur wenig verändert wurde. Warum auch? Innen gibt es ein neues Lenkrad und andere Dekore, aber nach wie vor das veraltete Navi Columbus mit langsamer Reaktion und pixeligem Display, das je nach Modell bis zu 1980 Euro extra kostet. Geblieben ist die sympathische unaufgeregte Art, wie der allerdings recht straff abgestimmte Yeti Straßen und leichtes Gelände unter die Räder nimmt. Wie ein normaler Pkw; man sitzt nur höher und freut sich an der guten Übersicht des kastigen Autos. Und am vergleichsweise großen Innenraum mit der beispielhaften serienmäßigen Variabilität der drei Fondsitze: verschieben, umlegen oder ausbauen (405 bis 1760 Liter Volumen). Da haben zwei Fahrräder locker Platz. 60 Prozent aller Yeti fahren mit Frontantrieb; und die meisten davon mit dem Basisbenziner.

Den sind wir auch gefahren – und haben wenig zu meckern. Der kleine Motor reicht aus, wenn man normal von A nach B kommen will. Das ordentliche Drehmoment des 1,2-Liter-Vierzylinders von 175 Nm liegt bereits bei 1550 Touren an, so dass er sich schaltfaul fahren lässt. Nur beim selten notwendigen Ausdrehen klingt er kernig, sonst agiert er erstaunlich leise. Statt der versprochenen 6,1 Liter waren es dann schließlich 7,2 Liter, aber auch das ist in Ordnung. Nun, zum Preis: 18 990 Euro für den Active klingen zunächst gut, doch da sind weder Klima noch Radio an Bord. Die gibt es erst in der nächsten Ausstattungsstufe Ambition – für dann schon 21 790 Euro.

Beim Facelift des Skoda Yeti haben es die Tschechen behutsam angehen lassen.
Beim Facelift des Skoda Yeti haben es die Tschechen behutsam angehen lassen.Foto: Hersteller

Vor dem Sparen – nur 4,6 Liter Diesel Verbrauch auf 100 Kilometer – ist auch beim 1.6 TDI Greenline mit 105 PS das größere Geldausgeben angesagt: mindestens 24990 Euro. Dafür gibt es nur ein lang übersetztes Fünfgang-Schaltgetriebe, das die begrenzte Dynamik des Vierzylinder-Selbstzünders nochmals einschränkt. Dazu eine um 25 Millimeter tiefer gelegte Karosserie mit eingeschränktem Fahrkomfort und Start-Stopp sowie Bremskraftrückgewinnung für niedrigen Praxisverbrauch. Wir kamen auf 5,9 Liter, was in dieser Klasse auch klasse ist. Weniger gefallen hat uns der raue Lauf dieses Selbstzünders, der erst bei gleichmäßiger Fahrt auf der Autobahn reisetauglich wird. Das muss jeder Spar-Interessent am besten selbst "erfahren".

Unter der Haube nicht viel Neues

Apropos Antrieb. Dass es sich bei der jüngsten Auffrischung um eine eher überschaubare Aktion handelt, bei der es mehr um Optik und Ausstattung geht, erkennt man am besten beim Motorenangebot. Zwar gibt es nun den sparsamen 105-PS-TDI auch mit Siebengang-Direktschaltgetriebe (1800 Euro), doch gehört dieses Triebwerk nicht mehr zu den taufrischesten im VW-Konzern. So steht es auch um die anderen Triebwerke. Weil der Yeti noch nicht wie der Anfang des Jahres gestartete Octavia auf dem neuen modernen Modularen Querbaukasten aufbaut, sondern auf der älteren Plattform des Skoda Roomster, steckt unter dem Blech weitgehend die "alte" Motorengeneration: vier Benziner mit 105, 122 und 160 sowie 152 PS bei der Automatikversion sowie vier Diesel mit 105, 110, 140 und 170 PS. Beim meistverkauften Modell mit dem 105 PS starken TSI handelt es sich aber nicht um den neuen Motor mit dem wartungsfreien Zahnriemen (240 000 Kilometer) und Vierventilkopf, sondern um das bisherige Zweiventil-Triebwerk mit der in der Vergangenheit störungsanfälligen Steuerkette.

Das Navigationssystem ist nicht mehr unbedingt aktuell, der Rest des Interieurs weitgehend vom Vorgänger bekannt.
Das Navigationssystem ist nicht mehr unbedingt aktuell, der Rest des Interieurs weitgehend vom Vorgänger bekannt.Foto: Hersteller

Auch erfüllt noch kein Triebwerk die ab nächstem Jahr gültige Euro-6-Abgasnorm. Dafür ist bei den Allradmodellen die neue Haldex-Kupplung an Bord, die 1,4 Kilo leichter und wartungsärmer geworden ist sowie schneller reagiert. Gut: Der stärkste Diesel darf nun mit 645 Kilogramm 25 Kilogramm mehr zuladen und  jetzt 2,1 Tonnen an den Haken nehmen; 100 Kilo mehr. Und erstmals bei Skoda überhaupt bietet nun der Yeti auch eine Rückfahrkamera; dazu kommt der Parklenkassistent der zweiten Generation, der sowohl längs als auch quer einparken kann. Debüt feiert beim neuen Skoda auch ein schlüsselloses Zugangssystem. Moderne Assistenzsysteme wie Kollisionswarner oder Spurwechselassistent wird es erst in der nächsten Yeti-Generation geben, die in etwa drei Jahren folgt.

Ab 7. Dezember steht die zweite Generation des Yeti bei den Händlern. Vorerst in der eleganteren City-Version. Die technisch gleiche Outdoor-Version folgt Anfang 2014. Bestellt werden können beide Yeti-Versionen jedoch ab sofort. Los geht es bei 18990 Euro für den 1,2-Liter-TSI mit 105 PS, Frontantrieb und karger Ausstattung, und es endet bei 35690 Euro für den 2.0-Liter-TDI mit 170 PS, Allradantrieb und der Luxusausstattung Laurin&Klement. Ohne Extras! Ja, Skoda ist selbstbewusster geworden; im Auftritt und bei den Preisen.

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