Fahrassistenzsystemen : Aber sicher doch

Fahrfehler und Fußgänger: BMW hat die häufigsten Unfallarten analysiert und forscht an Assistenzsystemen, die sie in Zukunft verhindern sollen. Mit zunehmendem Erfolg.

BMW arbeitet an Systemen, die Autos sicherer machen sollen. Einige davon haben wir uns angeschaut.

Kurveninfo gegen Schleuderunfälle

42 Prozent der Verkehrstoten und 20 Prozent der Verletzten werden Opfer eines Unfalls, bei dem das Auto ins Schleudern geraten ist. Eine Ursache hierfür ist, dass der Fahrer insbesondere auf der Landstraße von einer engen Kurve überrascht wird. Deshalb entwickelt BMW ein Kurveninformationssystem. Es setzt ein Navigationssystem voraus, das die Kurvenradien zur Verfügung stellt. Der Fahrer stellt in drei Stufen ein, welche Kurvengeschwindigkeit er noch akzeptabel findet. Ist das dann gefahrene Tempo für die vorausliegende Kurve zu hoch, bekommt er eine Warnung über ein Head-Up-Display.

Warnung vor Geisterfahrern

Die zweithäufigste Ursache für Verkehrstote sind Unfälle im Längsverkehr, also frontale Zusammenstöße zum Beispiel beim Überholen sowie Auffahrunfälle. Ein Teil dieser Crashs geht auf Geisterfahrer zurück. Um die zu stoppen und andere Verkehrsteilnehmer zu warnen, entwickelt BMW eine Geisterfahrerinformation. Aufgrund der Navi-GPS-Daten erkennt der Assistent, wenn der Fahrer in die falsche Richtung in eine Straße einfährt – und der Falschfahrer wird akustisch und optisch vor dem Weiterfahren gewarnt. Darüber hinaus werden über eine Fahrzeug-Fahrzeug-Kommunikation (Car2Car-Kommunikation) auch entgegenkommende Autos gewarnt, die von dem Geisterfahrer gefährdet werden könnten.

Kreuzungsunfall I: Ampelassistent

Das dritthäufigste Unfallszenario bezüglich der Verkehrstoten ist der Kreuzungsunfall. Beim „Ampelassistenten“ kommuniziert ein WLAN-Chip in der Ampel mit dem Fahrzeug. Über das drahtlose Kommunikationssystem ruft die Ampel im Prinzip: „Ich bin grün, schalte aber in drei Sekunden auf Gelb um. Die Haltelinie liegt drei Meter vor mir.“ Beim Prototypen wird der Bereich von null bis 50 Stundenkilometer im Tacho rot gefärbt, um dem Fahrer mitzuteilen, dass er die Grünphase nicht mehr erreicht, wenn er Tempo 50 oder weniger fährt. Zunächst könnten Ampeln an Unfallschwerpunkten mit WLAN-Technik ausgestattet werden, was wohl nicht mehr als ein paar Hundert Euro kosten dürfte.

Kreuzungsunfall II: Querverkehrsassistent

Der „Querverkehrsassistent“ sammelt via WLAN Informationen über das aktuelle Verkehrsumfeld und tauscht diese mit anderen Fahrzeugen aus. Gewissermaßen so, als rufe ein Auto dem anderen zu: „Achtung, ich komme mit 60 km/h von rechts.“ Daraus errechnet das eigene Fahrzeug dann, ob eine Kollision droht. So erkennt der Querverkehrsassistent beispielsweise ein Fahrzeug, das sich der Kreuzung nähert, auch wenn es für den Fahrer wegen verdeckter Sicht noch nicht zu erkennen ist.

Fußgänger auf der Fahrbahn

Die vierthäufigste Unfallart bei den Crashs mit Todesfolge sind sogenannte Überschreitungsunfälle. Das sind Unfälle, bei denen ein Fußgänger, der die Fahrbahn überquert, vom Fahrzeug erfasst wird. In Japan stellt dieser Unfalltyp sogar die häufigste Art tödlicher Unfälle dar. Hier könnte neben dem bei BMW bereits angebotenen Nachtsichtgerät ein neues Sicherheitssystem helfen. Es soll bevorstehende Kollisionen mit Fußgängern erkennen. Um die Gefahr vorherzusehen, braucht das System verschiedene Sensoren: eine Infrarotkamera, einen Radar und einen Laserscanner. Aufgrund der verschiedenen Eigenschaften der Sensoren kann das System zwischen Fußgängern, Fahrzeugen und weniger gefährlichen Objekten wie etwa Pappschachteln unterscheiden. Zum Beispiel kann eine Infrarotkamera warme Objekte wie Fußgänger, Radfahrer oder Tiere besonders gut erfassen. Dagegen erscheinen relativ kalte Objekte wie Autos eher im Radar- und Laser-Bild. Sind das Objekt und seine Gefährlichkeit erkannt, berechnet das System, ob der Fahrer die Kollision noch vermeiden kann. Wichtig ist dabei auch die Bewegungsrichtung. So bedeutet ein Kind, das gerade zwischen zwei Autos verschwindet, keine so große Gefahr wie eines, das gerade zwischen diesen auf die Fahrbahn hinausläuft. Deshalb müssen mehrere Sensorbilder miteinander verglichen werden.

Gesucht: Das neue Bordnetz

Die Unmenge von Daten, die durch die vielen Sensoren und Multimediasysteme entsteht, muss im Auto in Echtzeit verarbeitet und weitergeleitet werden. Dafür reichen die heute eingesetzten Lösungen nicht mehr aus – auch hat sich durch die heute verwendeten Systeme eine Sprachvielfalt ergeben. BMW arbeitet jetzt an einem Standard und einem neuen Bordnetz auf Basis von Ethernet-Technik. Tsp

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