Fahrbericht Bentley Continental GT Speed : Der britische Hulk

Rational ist was anderes: Der Bentley Continental GT Speed ist der Hooligan im Modellprogramm der Briten. Er hat durchaus Stil, ist aber vor allem ein brachiales Stück Auto mit Leistung im Überfluss.

625 PS und 330 km/h Spitze: Rational gesehen ist der Bentley Continental GT Speed ein Wahnsinn auf vier Rädern.
625 PS und 330 km/h Spitze: Rational gesehen ist der Bentley Continental GT Speed ein Wahnsinn auf vier Rädern.Foto: Markus Mechnich

Dieses Auto ist eine Kampfansage auf vier Rädern. Breit, tief und fast schon übermäßig stark. Ist Bentley schon eine fahrerorientierte Luxusmarke, dann ist der GT Speed so etwas wie der Hulk in der Modellpalette. Wehe, wenn er losgelassen wird.

Aber von Anfang an. Unser erstes Rendezvous mit dem Bentley Continental GT Speed beginnt ganz unspektakulär in einer Halle am Salzufer. Als das Tor aufrollt kommt der erste "Aha"-Effekt. In Ferrari-Rot steht er das und zeigt uns den breiten Bentley-Kühlergrill wie ein freches Grinsen. Fast als wollte er sagen: "Na, traust Du dich?" Wir trauen uns, auf jeden Fall und so stechen wir an diesem Montagnachmittag direkt los in Richtung Brandenburg. So ein Biest braucht Auslauffläche. Doch wir haben die Rechnung ohne den Berufsverkehr gemacht. Schon auf der Avus wird es zum ersten Mal zäh und kurz vor Potsdam fahren wir einem Stauende entgegen. Gerade noch rechtzeitig finden wir eine Ausfahrt. Wer will denn schon stehen.

Carbon und Leder in Innenraum

Während wir hier so vor uns hinzuckeln und versuchen dem abendlichen Stress auf der Straße zu entkommen gibt es immerhin Zeit sich das Interieur mal genauer anzusehen. Das lohnt, denn beim Bentley Continental GT Speed hat Bentley an nichts gespart. Feinstes Leder umspannt Sitze, die Innenseiten der Türen und sogar den Dachhimmel. Klar, das in einem Auto der 200 000-Euro-Klasse kein Hartplastik verbaut wird. Aber selbst für dieses Niveau ist der Bentley Continental GT Speed noch opulent ausgestattet. Beispiele gefällig? Großflächige Carboneinlagen auf beiden Seiten der Mittelkonsole sollen die sportlichen Ansprüche unterstreichen, rote Ziernähten in Wagenfarbe kontrastieren das schwarze Leder und ein Knauf aus Aluminium schmiegt sich in die Handinnenflächen, wenn der Wählhebel der Automatik bewegt wird. Einzig der acht Zoll große Bildschirm des Infotainment- und Navigationssystems lässt Experten erahnen, dass Bentley zum VW-Konzern gehört. Ansonsten ist das hier ganz klar British Upper Class.

Mit seinem bärenstarken Zwölfzylinder ist der Bentley Continental GT Speed fast konkurrenzlos auf der Straße.
Mit seinem bärenstarken Zwölfzylinder ist der Bentley Continental GT Speed fast konkurrenzlos auf der Straße.Foto: Markus Mechnich

Der Stau löst sich auf und wir nähern uns der A10. Schon bei der Auffahrt ziehen wir den Wählhebel von "D" auf "S". Damit wird die Gaskennlinie, die Getriebeabstimmung verändert und die Dämpfer straffer abgestimmt. Was das bewirkt macht ein sanfter Tritt aufs Pedal deutlich. Der Bentley frisst sich regelrecht in die Kurve der Auffahrt, zieht wie ein wilder Hengst auf den Beschleunigungsstreifen und rennt Richtung linke Spur. Das fordert natürlich die üblichen Platzhirsche dort heraus. Schon kurz nach der Auffahrt meldet sich ein 5er BMW hinten Ansprüche an und auch ein Audi A6 gesellt sich dazu. Als die Geschwindigkeitsbegrenzung aufgehoben wird stellt der Bentley die Kräfteverhältnisse schnell klar. BMW und Audi werden immer kleiner im Rückspiegel und geben die Jagd auf den englischen Edel-Renner bald auf.

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Typisch: Die vier Rundleuchten und der breite Kühlergrill sind Kennzeichen der Marke.
British Hulk - Der Bentley Continental GT Speed

Die Spitzengeschwindigkeit reizen wir besser nicht aus

Das Kraftwerk unter der Haube spielt definitiv in einer anderen Liga. Der Zwölfzylinder stammt ursprünglich aus dem Hause Audi, wird aber Crewe, dem Stammsitz der Marke, nachgeschärft. Es bleiben die brachialen 800 Newtonmeter Drehmoment, aber im Bentley Continental GT Speed kommt der Zwölfender auf 625 PS. Wenn die losgelassen werden, dann rattern die Gänge der Achtgangautomatik nur so durch. Erst bei 330 Stundenkilometer ist dann Schluss. Ein Wert, den wir auf unserer Probefahrt besser nicht ausreizen. Bei etwas mehr als 300 km/h nehmen wir den Fuß vom Gas und glauben den angegebenen Wert unbesehen. In 4,2 Sekunden sprintet der flotte Brite von 0 auf 100. Das sind Werte, die ihn in die Liga der Supersportwagen bringt.

Typisch: Die vier Rundleuchten und der breite Kühlergrill sind Kennzeichen der Marke.
Typisch: Die vier Rundleuchten und der breite Kühlergrill sind Kennzeichen der Marke.Foto: Markus Mechnich

Dass er da auch zurecht mitspielen darf, dafür sorgt die Luftfederung, die im Bentley GT Speed verbaut wurde. Die beachtlichen 2350 Kilogramm Leergewicht werden durch das zusätzlich über eine Wahltaste abstimmbare Fahrwerk sehr gut mit der Straße verbunden. Zwar hat der Bentley den Motor ganz normal unter der Haube. Dennoch ist die Gewichtverteilung mit 58:42 zwischen vorne und hinten recht gut austariert. Dabei hilft, das die Version Speed nochmals zehn Millimeter tiefer gelegt ist im Vergleich zum normalen Continental GT. Über die geschwindigkeitsabhängig gesteuerte, elektromechanische Lenkung lässt sich der rote Brite wieder gut einfangen.

Er schluckt die Schlaglöcher wie ein Staubsauger

Das wird uns auch morgen bewegen

Der Angeber

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Schon der Blick auf die Uhr ist strafbar

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Das Auf und Ab des Trident

Nach etwa einer Stunde auf der Autobahn nähern wir uns wieder den Grenzen der Stadt. Wir schieben den Wählhebel wieder auf „D“, die Dämpfer wieder auf Normal und aus unserer roten Furie wird ein recht gemütliches Auto. Die üblen Schlaglöcher der A114 Richtung Pankow schluckt der Brite jetzt wie ein großer Staubsauger. Das Auto hat seine Charakteristik mit drei Tastendrücken vollständig verändert. Nur die 625 PS sind immer noch da, das zeigt ein vorsichtiger Tritt auf das Pedal. Aus Mr. Hyde wird wieder Dr. Jekyll, zumindest innen.

Zurück am Salzufer bleibt uns zu resümieren, was dieser Spaß so kostet. Der Grundpreis des Bentley Continental GT Speed liegt bei 173 600 Euro. Wichtigster Kostentreiber bei den Sonderausstattungen ist die Keramik-Bremsanlage, die mit 10 405 Euro zu Buche schlägt. Mit Audiosystem und zahlreichen weiteren Dingen steht am Ende die Summe von 204 695 Euro auf dem Papier. Auch in diesem Sinne ist der Bentley Continental GT Speed ein echter Supersportler.

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