Fahrbericht BMW 528i : Aus sechs mach vier

Der 528i ist ein Klassiker der oberen Mittelklasse. Solide und potent war das Modell mit dem typischsten aller BMW-Motoren ausgestattet, dem Reihen-Sechszylinder. Heute werkelt da allerdings ein Vierzylinder unter der Haube. Reicht das für eine Business-Limousine?

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In BMWs 5er Baureihe haben früher die klassischen Reihensechszylinder dominiert. Eine Ära, die allerdings vorbei zu sein scheint. Wie auch die Konkurrenz gibt es bei BMW auch in dieser Baureihe immer mehr Vierzylinder. Downsizing ist das Stichwort und die Logik ganz einfach: Weniger Zylinder und weniger Hubraum gleich weniger Kraftstoffkonsum.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Markus Mechnich
26.01.2012 12:26In BMWs 5er Baureihe haben früher die klassischen Reihensechszylinder dominiert. Eine Ära, die allerdings vorbei zu sein scheint....

Unsere Testfahrt beginnt mit dann doch mit etwas Nostalgie. Die ist aber schnell verflogen, sobald hinter dem Lenkrad Platz genommen wurde. So schön der neue 5er außen auch geworden ist, innen wirkt er an der ein oder anderen Stelle etwas überkandidelt. Noch eine funktionslose Linie in der Seitenverkleidung, noch eine Lichtkante auf dem Armaturenbrett und noch ein Schwung in der Mittelkonsole. Man vermisst etwas die klassische Schlichtheit, die früher mal die Innenräume von BMW ausgezeichnet hat.

Allerdings ist das Ganze natürlich auch Geschmacksache, denn die Ergonomie des Cockpits des Münchners ist wirklich hervorragend. Das Armaturenbrett ist bis einschließlich der Mittelkonsole klassischerweise um wenige Grad zum Fahrer geneigt. Alle wichtigen Informationen und Funktionen sind gut einsehbar und leicht zu erreichen. Und wer sich einmal mit dem Bedienkonzept iDrive angefreundet hat wird es nicht mehr missen wollen. Kein Wunder, dass es die Konkurrenz mittlerweile flächendeckend ähnlich macht.

Gefühlte Oberklasse

Aber auch ohne die offensichtlichen ergonomischen Vorzüge des 5ers wird überschwemmt, wer hinter dem Lenkrad Platz nimmt. In unserem Testwagen findet sich eine Sammlung feinster Sonderausstattungen, die das Modell von seinem ohnehin schon beachtlichen Grundpreis von 45.000 Euro bequem auf das Niveau eines BMW 7er hochschießen dürfte. Tatsächlich ist dadurch das Gefühl jedenfalls Oberklasse, denn es dauert etwa eine halbe Stunde sich auch nur oberflächlich mit den im Auto versammelten Features vertraut zu machen. Ob all diese Helfer und Informationen jetzt tatsächlich gebraucht werden ist allerdings eine andere Sache. Aber ein 5er mit technischer Vollausstattung zeigt sich wie eine neue Kamera oder ein neues Handy: Man muss einfach erst mal alles ausprobieren.

Fahren kann er schließlich aber auch noch. Und das wollen wir auf der Strecke von Berlin nach Hamburg ausprobieren. Auf eine ausführlich Beschreibung aller Assistenten und Systeme wollen wir an der Stelle mal verzichten, denn grundsätzlich lässt sich sagen: Alles was drin ist funktioniert auch sehr ordentlich.

Begeistert hat aber besonders der sehr fein justierbare aktive Tempomat, der sich bequem über Tasten auf dem Lenkrad bedienen lässt. Damit vergehen die ersten 80 Kilometer der Strecke, auf denen die Geschwindigkeit auf 130 km/h limitiert ist, wie im Flug. Und vor allem strafzettelfrei. In der adaptiven Version reguliert der schlaue Münchner auch noch den Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen selbst und so lässt es sich fast eine Stunde fahren ohne einmal den Fuß auf den Pedalen zu haben. Bequemer geht es auf der Autobahn kaum und zum Reisen ist es nahezu perfekt. Allerdings sollte dabei niemals die Konzentration auf den Verkehr nachlassen!

Turbo-Motor zeigt Muskeln

Nach dem Dreieck Wittstock/Dosse geht es endlich ohne Geschwindigkeitsbegrenzung weiter und der Vierzylinder im Bug des Autos darf sich nun austoben. Das Ansprechverhalten des Antriebs und die Kraftentfaltung überzeugen sowohl im höheren Drehzahlband, als auch bei untertouriger Fahrweise. Bei der Beschleunigung von Tempo 80 heraus, zum Beispiel nach Baustellen, zeigt der 5er besonders viel Vortrieb. Da zeigt der turboaufgeladene Motor seine Stärken. Aber auch bei höheren Geschwindigkeiten hat er noch Kraftreserven. Das Fahrwerk ist, typisch für BMW, sehr straff ausgelegt. Die Unterschiede zwischen den drei Stufen, die das adaptive Fahrwerk bietet, sind jedoch eher marginal.

Weniger ist mehr - Diesem Motto folgt man auch bei BMW und baut nun beim 528i einen Vierzylinder ein.
Weniger ist mehr - Diesem Motto folgt man auch bei BMW und baut nun beim 528i einen Vierzylinder ein.Foto: Markus Mechnich

Im Vergleich zum Sechszylinder des Vorgängers zeigt sich der Vierer in keiner Disziplin bis dahin wirklich unterlegen. Bei Geschwindigkeiten zwischen 80 und 140 km/h kommt subjektiv etwas marginal weniger Druck aus dem Drehzahlkeller und bei Geschwindigkeiten über 200 km/h dreht der kleinere Vierzylinder höher und ist damit lauter. Allerdings kommt aufgrund der guten Dämmung des Fahrzeugs davon im Innenraum fast gar nichts an.

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