Fahrbericht BMW M235i : Einfach konkurrenzlos

Die neue Zweier-Reihe der Bayern macht gleich mächtig Dampf: Der M235i mit 326 PS ist mehr als nur das Nachfolgemodell des Einsers - und bietet BMW pur.

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Power unter der Haube, sportlich-erwachsener Look: Der BMW M235i ist das Topmodell der neuen 2er-Reihe.
Power unter der Haube, sportlich-erwachsener Look: Der BMW M235i ist das Topmodell der neuen 2er-Reihe.Foto: promo

Sie erinnern sich sicherlich. Vor drei Jahren hatte es die Bundeskanzlerin geschafft, eine Wahl zu gewinnen, die sie wohl lieber verloren hätte: Merkel siegte beim Unwort des Jahres mit ihrem Begriff "alternativlos", der von Ihr im Zusammenhang mit der Griechenlandhilfe gebraucht wurde. Die Marketing-Mannschaft von BMW dürfte sicher an diesen Moment gedacht haben, als sie den Begriff "konkurrenzlos" für ein neues Modell wählte, das Mitte März auf den Markt kommen wird.

Nachfolger des 1er-BMW - mit Historie

Es ist das Topmodell der Zweier-Reihe. 2er? Ja, Sie haben richtig gelesen. Die Münchner Zahlenspiele gehen weiter. Aus 1 mach nun 2. Aus 3 dann 4. Und vorher bereits aus 5 mach 6. Jeweils etwas größer, exklusiver, emotionaler – und natürlich teurer. Der Preissprung vom mittlerweile eingestellten Einser Coupé zum künftigen Zweier Coupé beträgt gut 3000 Euro. Clever gemacht. Schon vor 41 Jahren hatte BMW sich einer ähnlichen Strategie bedient – quasi beim Urahn des heutigen sportlichen Zweitürers; dem zweitürigen Topsportler BMW 2002 turbo.

Inspiration: Der BMW 2002 turbo mit 170 PS und 211 km/h Höchstgeschwindigkeit.
Inspiration: Der BMW 2002 turbo mit 170 PS und 211 km/h Höchstgeschwindigkeit.Foto: Hersteller

Kenner der Szene werden sofort wissen, was es damit auf sich hat. Schon 41 Jahre zuvor war der BMW 2002 turbo so schnell wie ein Porsche 911: In nur 6,9 Sekunden (!) sprintete der 1080 Kilogramm leichte BMW aus dem Stand auf Tempo 100. Ihm gebührt übrigens die Ehre, das erste Auto in ganz Europa gewesen zu sein, das serienmäßig mit einem Abgasturbolader ausgerüstet war. Also seiner Zeit weit voraus. Aber provokant: Auf dem XXL-Frontspoiler prangte in Spiegelschrift 2002 turbo, damit jeder wusste: Jetzt musst Du Platz machen!

Erwachsener Look

Heute im Zeitalter der kleinvolumigen Turbobenziner ist dieses damals neuartige Turbinenaggregat zur Zwangsbeatmung aus dem modernen Motorenbau nicht mehr wegzudenken. Das 170-PS-Monster fuhr 211 km/h; damals ein Traumtempo. Der 2002 turbo hätte ein Erfolg bei den Fans werden können.

Doch das Auto kam zur falschen Zeit – während der Ölkrise, den damit verbundenen Sonntagsfahrverboten und der allgemeinen Ablehnung aller Spritfresser. Zudem war der 2002 turbo teuer (rund 20000 Mark) und unverschämt durstig (unter 15 Liter ging selten etwas). Folge: Es wurden nur 1672 Autos gebaut. Dem hochmodernen Ur-Enkel dieses 2002 turbo dürfte dieses Schicksal erspart bleiben, denn da stimmt das Gesamtpaket. Das M235i Coupé ist mit seinen 4,43 Metern sieben Zentimeter länger als der Vorgänger und gar elf Zentimeter länger als das aktuelle Einser Schrägheckmodell. Dazu hat der Neue drei Zentimeter mehr Radstand und eine um vier Zentimeter vergrößerte Spurbreite. Er steht einfach satter auf der Straße und hat zudem den Babyblick des Vorgängers abgelegt.

BMW pur: Das Interieur ist fahrerorientiert, mit Sportsitzen, puristischem Armaturenbrett und optimaler Sitzposition.
BMW pur: Das Interieur ist fahrerorientiert, mit Sportsitzen, puristischem Armaturenbrett und optimaler Sitzposition.Foto: promo

326 PS unter der Haube - BMW pur innen

Trotz der gewachsenen Maße wurde das 2er Coupé gegenüber dem 1er Coupé nicht schwerer. So hat der schon bekannte, famose und für den Einsatz im Zweier nochmals optimierte aufgeladene Reihensechszylinder mit seinen nun 326 PS und 450 Newtonmetern Drehmoment leichtes Spiel mit dem 1545 Kilogramm schweren Kompaktcoupé.

Innen findet man BMW pur vor, heißt: fahrerorientiertes Armaturenbrett, beste Sportsitze sowie eine optimale Sitzposition. Los geht es. Der aufgeladene Reihensechser, wahrscheinlich das beste Triebwerk seiner Leistungsklasse, grummelt dumpf vor sich hin, meldet sich dann hörbar aber nicht nervend, als er per Gaspedal zur Arbeit aufgefordert wird. Und das neue M235i Coupé spielt prächtig mit. Geradeaus schnell fahren, das kann jeder mit einem richtig gut konstruierten Auto. Doch der M235i lebt erst richtig auf, wenn er Biegungen jeder Art durcheilen darf. Dazu adeln ihn, auch wenn es abgegriffen klingen mag, Glanzleistungen deutscher Ingenieurskunst wie eine ideale Achslastverteilung von 50:50, eine sorgsam abgestimmte elektromechanische variable Sportlenkung, die ein Muster an Präzision und Rückmeldung ist, ein Sportfahrwerk, das seinen Namen verdient – und ein Antriebsstrang, der mit zum derzeit Besten gehört, was man unterhalb reinrassiger Sportwagen von der Stange kaufen kann.

Herausragendes Fahrverhalten

Hallo, wo ist die nächste Kurve?! Das Fahrverhalten ist nahezu idiotensicher; selbst im Sport-Plus-Modus, in dem der elektronische Schleuderschutz deaktiviert ist, wacht im Hintergrund das DSC weiter, um im Fall der Fälle blitzschnell einzugreifen. Auch die elektronische Differentialsperre bleibt aktiv, um beim Herausbeschleunigen aus Kurven das durchdrehende Antriebsrad abzubremsen und so die Kraft auf das andere zu leiten. Und der Fahrkomfort? Der geht  mit den optionalen elektronisch geregelten Dämpfern trotz des strammen Sportfahrwerks noch in Ordnung. Eine Sänfte kann und will dieser Sportler gar nicht sein.

46 000 Euro für ein zweitüriges Coupé? Verdammt viel Geld. Dafür bekäme man auch einen ausgewachsenen Fünfer BMW. Und doch lohnt sich diese Ausgabe für alle, die genügend Geld und viel Sinn fürs Auto haben. Denn dieser Top-2er ist einzigartig, aber nicht artig. Quasi ein M3 im Miniformat mit den Fahrleistungen eines Porsche Cayman S. Auch wenn diese beiden Autos nicht direkt vergleichbar sind; eines haben sie gemeinsam: Sie sind Fahrmaschinen, mit denen nicht nur Könner ihren Spaß haben sollten.

Fahrdynamik: Der M235i lechzt nach Kurven und kann dort seine hervorragenden Fahreigenschaften besonders gut ausspielen.
Fahrdynamik: Der M235i lechzt nach Kurven und kann dort seine hervorragenden Fahreigenschaften besonders gut ausspielen.Foto: promo

Stärker als der Porsche Cayman S

Und plötzlich trifft das Unerwartete zu: Dieses bayrische zweitürige Coupé sticht den zweitürigen Sportler aus: Mit 326 PS ein PS stärker als der Cayman S, mit der Zeit von 4,8 Sekunden für den Sprint von Null bis Tempo 100 einen Wimpernschlag (0,1 Sekunden) schneller, mit einem größeren Kofferraum (390 Liter) als der VW Golf VII. Der des Cayman ist nicht der Rede wert. Und mit vier Sitzplätzen: vorn so luftig wie im Dreier und hinten noch so, dass zwei mittelgroße Erwachsene leidlich untergebracht sind. Beim Porsche müssten sie mit dem Zug nachfahren.

Und zu allem Überfluss ist das BMW M235i Coupé, das gegenüber dem Porsche Cayman S ohne Ohrenschmerzen langstreckentauglich ist, auch noch 20 000 Euro günstiger als dieser. Weder Audi noch Mercedes haben derzeit solch ein Modell im Programm.

220i kommt im März

Gute Nachricht für die Freunde eines gepflegten sportlichen Hinterradantriebs.  Während der Einser Schrägheck beim Modellwechsel in zwei Jahren von Hinterrad- auf Frontantrieb umgestellt wird, bleibt dem nächsten Zweier eine solche Kastration erspart.  Schmunzelnd ließ der Projektleiter des 2er durchblicken, dass bei diesem Sportcoupé auch künftig am dynamischen Heckantrieb festgehalten werde.

Ein Spitzensportler wie das M235i Coupé reicht jedoch nicht für dauerhafte Spitzenplätze; entscheidend ist der Breitensport. Auch bei BMW. Und so wird aus der neuen Zweier-Reihe ein ganzes Modell-Programm entstehen. Los geht es zum Marktstart am 15. März mit dem 220i; der den bekannten Vierzylinder-Benziner mit 184 PS unter der Haube hat. Mit seinem Preis von 29 950 Euro bleibt er knapp unter der magischen Grenze. Mit diesem Motor, Euro 6, ist der 220i immerhin bis zu 235 km/h schnell und soll nicht mehr als 6,1 Liter verbrauchen.

M-Serie beginnt bei 43 750 Euro

Zum nächsten Benzinermodell, dem M235i Coupé, ist es eine Weltreise: 326 PS und erst ab 43 750 Euro zu haben. Wir sind dieses Spaßgerät mit der Achtgang-Sportautomatik gefahren, welche mindestens 46000 Euro kostet. Die Lücke dazwischen wird noch ausgefüllt. Noch kärglicher sieht das Angebot zum Marktstart bei den Dieselmotoren aus. Vorerst gibt es nur das 220d Coupé, mit dem bekannten Vierzylinder-Diesel mit 184 PS, der die Euro-6-Norm erfüllt, 230 km/h schnell ist und 4,2 Liter verbrauchen soll. Kurz nach dem Marktstart sollen der 225d mit 218 PS und der 218d mit 143 PS folgen. Preise noch unbekannt. Bekannt hingegen ist der Preis für den M235i Racing: Für 59 500 Euro verkauft BMW ihn an private Rennteams: 333 PS, Sperrdifferential, Überrollkäfig, ohne Straßenzulassung. Für den Einsatz in verschiedenen Rennserien.

Doch, auch wenn dies die BMW-M-Fraktion noch nicht offen zugibt. Es wird einen M2 geben; mit mindestens 370 PS und jeder Menge Suchtgefahr. Und für alle, die sich beim flotten Fahren noch den Wind ungefiltert um die Nase wehen lassen möchten: Dem geschlossenen Zweier wird binnen Jahresfrist ein 2er Cabrio folgen. Erste Prototypen sind bereits gesichtet worden.

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