Fahrbericht Dacia Duster TCe 125 4x2 : Günstig ist nicht gleich billig

"Billigmarke" ist Geschichte: Der neue Dacia Duster überzeugt mit zeitgemäßem, trendigen Look, guter Verarbeitung - und einem Extra unter der Haube.

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Auffällig: Wuchtig kommt der 4,32 Meter lange Duster mit seiner auffälligen Chromnase daher
Auffällig: Wuchtig kommt der 4,32 Meter lange Duster mit seiner auffälligen Chromnase daherFoto: Promo

Das nennt man Karriere: Vor zehn Jahren beim Start noch verlacht und nun schon fast Kult. Renaults Tochter Dacia hat alles richtig gemacht. Vor allem der bullige Duster, erst jüngst von einer Frischzellenkur zurück, hat sich zum Superstar unter den Dacia-Modellen entwickelt. Optisch voll auf der Höhe, technisch immer etwas besser geworden, gab es noch Nachholbedarf  beim Antrieb. Die alten Triebwerke aus dem Gen-Spender Renault Clio mussten bis dato reichen. Doch nun hat der Duster bei der Modellpflege im Januar 2014 den modernsten Benziner von Renault bekommen – einen Vierzylinder-Benzin-Direkteinspritzerturbo mit 125 PS. Wie verträgt sich dieses Hightech-Triebwerk mit der bewährten Technik aus dem Clio? Das beantwortet unser Praxistest.

Außen und Innen

Wuchtig kommt der 4,32 Meter lange Duster mit seiner auffälligen Chromnase daher. Das Gefühl täuscht nicht, denn mit 1,82 Metern ist er so breit wie ein großer BMW Siebener und mit 1,70 Metern Höhe überragt er den BMW X3 gleich um neun Zentimeter. Selbstbewusst prangt bei dem von uns gefahrenen Topmodell Prestige der Schriftzug Duster auf der Dachreling. Die breit ausgestellten Kotflügel signalisieren optisch Dynamik; das Heck mit den neu gestalteten Leuchten offeriert eine große ladefreundliche Klappe. Und die 21 Zentimeter Bodenfreiheit sind nicht zu übersehen. Gut für leichtes Gelände, aber nicht mit unserem lediglich frontgetriebenen Modell. Innen zeigt sich der Duster praktisch-nüchtern. Das viele Hartplastik macht keinen billigen Eindruck, es ist ordentlich verarbeitet. Nichts knarzt oder klappert.

Überraschend hochwertig: Der Lenkradkranz aus Leder sieht nicht nur gut aus, er fasst sich auch so an.
Überraschend hochwertig: Der Lenkradkranz aus Leder sieht nicht nur gut aus, er fasst sich auch so an.Foto: Promo

Das geht alles in Ordnung, denn von einem 15000-Euro-Auto kann man nun mal keine Audi-Qualität eines 40000-Euro-Autos erwarten. Die großen Instrumente sind gut abzulesen; der sieben Zoll große Berührungsbildschirm (serienmäßig beim Topmodell Prestige!)  befindet sich allerdings zu weit unten in der Mittelkonsole, um optimal abgelesen werden  zu können. Doch es gibt ja noch die Sprachausgabe für die Navi-Ansage, und auch beim VW Golf ist der Bildschirm ähnlich tief positioniert. Nach der Modellpflege findet man die Schalter für die vier elektrischen Fensterheber endlich dort, wo sie hingehören: im Türbereich. Versteckt hat Dacia dafür die Bedienung der elektrisch verstellbaren Außenspiegel – unter dem Handbremshebel! Zum Glück reicht in aller Regel das einmalige Einstellen der Spiegel. Der Lenkradkranz aus Leder sieht nicht nur gut aus, er fasst sich auch so an. Im Fond geht es luftig zu.

Sitzen und Laden

Die konturlosen, im Falle der Prestige-Version mit anthrazitfarbenem Leder bezogenen Vordersitze dürften nicht jedem Hinterteil zusagen. Zunächst erscheinen sie etwas zu weich geraten zu sein. Doch auch nach einer fast fünfstündigen Nonstop-Fahrt meldet der Rücken: Alles noch im grün-gelben Bereich. Letztlich muss jeder für sich selbst bei einer Probefahrt herausfinden, ob er mit diesem Gestühl leben kann. Unser Tipp: Der Duster ist so praktisch und so günstig, dass sie ihm und sich etwas Gutes tun können: Lassen Sie (gebrauchte) Recaro-Sitze einbauen – und der Duster mutiert gefühlt zum Range Rover. Den fetten Chromgrill hat er ja bereits.

Der Dacia ist ein Lademeister: 475 bis 1636 Liter Fassungsvermögen sind in dieser Klasse ein guter Wert. Die geteilt umklappbare Lehne, Serie beim Topmodell,  ergibt zwar keine ebene Ladefläche. Aber es geht. Die Hecktür ist zwar gut einen Meter breit, doch die Ladekante mit fast 76 Zentimetern auch ziemlich hoch. Zudem ist sie ungeschützt und somit anfällig für Kratzer. Im Zubehör bei Renault gibt es einen praktischen Ladekantenschutz sowie eine Kofferraumschale.

Der Vierzylinder-Turbo leistet gute Arbeit: Schon ab 2000 Touren geht es munter vorwärts; ab 4500 Umdrehungen gibt sich der 1,2-Liter etwas zäher.
Der Vierzylinder-Turbo leistet gute Arbeit: Schon ab 2000 Touren geht es munter vorwärts; ab 4500 Umdrehungen gibt sich der...Foto: Promo

Fahren und Tanken

Der neue Turbobenziner ist ohne Frage ein echter Gewinn für den Duster. Für den Rumänen durfte das Renault/Nissan-Triebwerk sogar stärker werden: plus zehn PS und plus 15 Newtonmeter. Mit dem für seine Klasse 1277 Kilogramm leichten SUV kommt der Vierzylinder-Turbo gut zurecht. Schon ab 2000 Touren geht es munter vorwärts; ab 4500 Umdrehungen gibt sich der 1,2-Liter etwas zäher. Doch diesen Bereich sucht man ohnehin recht selten auf, denn Motor, Fahrwerk wie das Auto überhaupt mögen es nicht so sportlich. Muss ja auch nicht sein bei einem SUV mit diesem hohem Aufbau. Das neue Sechsgang-Schaltgetriebe begleitet die Gangwechsel zwar immer mit einem leichtem Klacken, aber es funktioniert exakt. Nur der sechste Gang ist sehr lang übersetzt. An Steigungen muss man runterschalten.

Der Hersteller gibt einen EU-Normverbrauch von 6,3 Litern an. Wir kamen auf den gut 1900 KiIometern Testfahrt auf einen realen Verbrauch von 7,2 Litern. Ordentlich für ein Auto mit dieser großen Stirnfläche. Tipp für die Autobahn-Kilometerfresser: Nehmen Sie den dCi 110 4x2. Der kostet zwar 900 Euro mehr, rechnet sich jedoch für Langstreckenfahrer. Der Schalter für den serienmäßigen Tempomat sitzt zwar ganz unten in der Mittelkonsole, doch man braucht ihn eigentlich nur einmal. Alles anders lässt sich mit den Knöpfen am Lenkrad bedienen – das funktioniert sehr gut. Und das nach kurzer Zeit lernt man diese Hilfe sehr schätzen.

Hören und Sehen

Günstig muss auch nach lange nicht hellhörig sein wie bei billigen Wohnungsneubauten. Die verwendeten Dämmstoffe reichen offenbar aus, um für ein bekömmliches Geräuschniveau zu sorgen. Überdies fallen die Abrollgeräusche der 16-Zoll-Räder überraschend gering aus. Und der neue Turbobenziner von Renault läuft sehr schön kultiviert, kennt keine Vibrationen und wird selbst beim (sehr selten notwendigen Ausdrehen)  nicht ungebührlich laut. Kompliment!

Auffällig sind dagegen die Windgeräusche der hohen Karosserie bei Autobahntempo 140. Doch damit lässt sich leben, zumal man ja schon aus Rücksicht auf die Haushaltskasse Geschwindigkeiten oberhalb von 130 km/h besser meidet.

Lademeister: 475 bis 1636 Liter Fassungsvermögen bietet der Dacia Duster im Laderaum.
Lademeister: 475 bis 1636 Liter Fassungsvermögen bietet der Dacia Duster im Laderaum.Foto: dpa

Wählen und Zahlen

Viel zu wählen gibt es beim Duster nicht. Und das ist im positiven Sinne gemeint,  denn das Meiste an Nötigem ist schon, anders als in vielen anderen Autos,  serienmäßig an Bord.  Bereits ab 14890 Euro ist der günstigste Duster mit dem neuen 125-PS-Turbo zu bekommen, dann in der mittleren Ausstattung Laureate. Nach einem aufmerksamen Blick in die überschaubare Aufpreisliste stellt man jedoch fest, dass sich die 800 Euro Aufpreis lohnen: Navi, 16-Zoll-Aluräder, Dachreling, Unterfahrschutz, Ledersitze, Fensterheber hinten gibt es dafür. Was es jedoch nicht gibt, ist eine Automatik. Mit Ausnahme des Basisbenziners und des Autogas-Modells übernimmt die Kraftübertragung stets ein Sechsgang-Schaltgetriebe.

Schade, dass der tolle 125-PS-Turbo auch nicht mit einem Allradantrieb gekoppelt werden kann. Die vier angetriebenen Räder (der Allradantrieb stammt vom Spezialisten Nissan) gibt es nur in Verbindung mit dem müden 105-PS-Saugbenziner (ab 15490 Euro) oder dem 109 PS starken Diesel (ab 17690 Euro). Der von uns gefahrene Duster TCe 125 4x2 Prestige kostet mit allen Extras (Einparkhilfe hinten, Tempomat, Metalliclack, Ersatzrad, Kartenmaterial für Europa) schlanke 16689 Euro. 

Gutes und Schlechtes

Mehr SUV für so wenig Geld geht nicht! Für diesen Preis bekommt man bei VW gerade mal einen VW Polo mit schmalen 75 PS. Ein beruhigendes Ruhekisten sind überdies die drei Jahre Werksgarantie bis 100000 Kilometer Laufleistung. Davon können die Deutschen mit ihren zwei Jahren nur träumen! Gut, es gibt Autos, die fahren sich eleganter, sportlicher und auch komfortabler. Und in denen sitzt es sich zudem besser. Doch die kosten dann auch locker 10000 Euro und noch viel mehr. Außerdem hat kein anderes Modell hat einen so geringen Wertverlust. Auch das sollte man im Hinterkopf haben.

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