Fahrbericht Mercedes V-Klasse : Schluss mit Bus

Mercedes hat seinen Großraum-Van komplett neu aufgesetzt und ihm einen neuen, alten Namen verpasst. Dabei wird die V-Klasse ihrem Premium-Anspruch gerecht - nur bei den Motoren wurde abgespeckt.

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Alles neu: Optisch rückt die V-Klasse näher an C- und E-Klasse. Vorbei ist es mit der schräg abfallenden Front.
Alles neu: Optisch rückt die V-Klasse näher an C- und E-Klasse. Vorbei ist es mit der schräg abfallenden Front.Foto: Markus Mechnich

Das mit den Namen ist ja so eine Sache. Einerseits sind sie Schall und Rauch, aber andererseits enorm wichtig, gerade in der Autobranche. Was nutzt das tollste Modell, wenn man sich nicht an den Namen erinnern kann. Nun rühren bei den Autoherstellern ja viele Köche im Brei der Namensgebung herum, allen voran die besonders kreativen Marketingstrategen. Das macht den Brei nicht unbedingt schlecht, aber manchmal etwas schwer verständlich, pardon bekömmlich.

Rundumschlag mit Großraum-Van

So ein Schicksal erlitt der Viano von Mercedes. Viano bedeutet "der Lebhafte", eigentlich eine nette Idee. Bei den Kunden verfing das allerdings nicht so recht. Wenn in Gesprächen der Name des Personentransporters mit dem Stern fiel, dann tauchten meist erst mal Fragezeichen auf: "Viano, was ist das denn? Ach der Vito, ja den kenne ich." Nun definierte sich der Vito aber als Nutzfahrzeug, während der Viano den Business-Van geben sollte. Für eine Marke wie Mercedes, die sich so sehr als Premiumhersteller definiert, war das kein haltbarer Zustand.

Nun haben die Schwaben zum Rundumschlag ausgeholt und ihren Großraum-Van in das strenge Klassensystem ihrer übrigen Pkw eingegliedert. Der Neue heißt jetzt V-Klasse und wurde von vorne bis hinten umgekrempelt, um den hohen Ansprüchen für Mercedes-Pkw zu genügen.

Premium: Mit verschiedensten Fahrassistenzsystemen ist die neue V-Klasse auf dem aktuellsten Stand.
Premium: Mit verschiedensten Fahrassistenzsystemen ist die neue V-Klasse auf dem aktuellsten Stand.Foto: Markus Mechnich

Dass dabei kaum ein Stein auf dem anderen blieb zeigt schon der erste Blick auf die neue V-Klasse. Vorbei ist es mit der schräg abfallenden Front, die eine gewisse Anlehnung an die alte A-Klasse darstellte. Der Neue trägt wuchtig eine richtige Haube vor sich her, zwar kurz gehalten, aber mit breitem Grill und weit umlaufenden Scheinwerfern. Optisch rückt er so in die Nähe von C- und E-Klasse, was ja durchaus Sinn und Zweck des Ganzen war.

Innenraum wie in der C-Klasse

Nach hinten raus bleibt die V-Klasse aber Bus, mit Schiebetüren, bei Bedarf auch links (854 Euro) und auf beiden Seiten elektrisch (je 880 Euro) und einer großen Klappe als Abschluss. Neu ist hier, dass sich das Scheibe einzeln aufklappen lässt. Eine feine Sache, die BMW schon länger in Kombis so baut. Auch bei der V-Klasse ist das sehr praktisch, selbst wenn die Ladekante mit einer Höhe von geschätzt etwas mehr als einem Meter für kleinere Menschen schon recht hoch ausfällt. Dafür verbirgt sich dahinter ein zweiter Ladeboden, unter dem zwei Einkaufskörbe Platz finden. Sehr praktisch, kostet aber im Gesamtpaket noch mal 952 Euro extra.

Alle Gedanken an einen Bus verschwinden allerdings, wenn hinter dem Steuer Platz genommen wird. Das Design des Innenraums wurde von der neuen C-Klasse übernommen und hat so gar nichts mehr mit einem Nutzfahrzeug gemein. Das entsprechende Kleingeld vorausgesetzt lässt sich hier eine Wohnzimmeratmosphäre schaffen, die den Luxus-Limousinen von Mercedes in kaum etwas nachsteht. Ein Schwung von einem Armaturenbrett zieht sich von rechts nach links. Dekoreinlagen, zum Beispiel in Holz- oder Karbonoptik mit Chromeinfassungen  und minimalistisch gehaltenen Bedienelementen unterstreichen den Anspruch auf keinen Fall mehr Transporter sein zu wollen.

Opulent: Der Innenraum ist gestaltet wie bei der C-Klasse.
Opulent: Der Innenraum ist gestaltet wie bei der C-Klasse.Foto: Markus Mechnich

Das setzt sich auch im Fond fort, wo sich serienmäßig vier Einzelsitze finden. Die können auch gegen zwei Dreierreihen ausgetauscht werden, welche die V-Klasse dann zu einem Achtsitzer machen. Wer mit den sechs Sitzen auskommt, der erlebt ein außergewöhnlich großzügiges Raumgefühl. Die Sitze mit Armlehnen, neigbarer Rückenlehne und Tischfunktion stehen sich entweder gegenüber oder können auch gedreht und damit hintereinander fahren. Je nachdem, wie sich der Platzbedarf im Kofferraum gestaltet – normalerweise bietet der 1030 Liter an Ladevolumen, ohne die Fondsitze bis zu 4630 Liter -  bleibt hier eine Menge Freiraum. Extra bestellt werden muss weiterhin der Tisch (654 Euro), der sich zwischen den Sitzen auf eigenen Schienen bewegt.

Umfangreiche Elektronik

Das hochauflösende Display im Format von 8,4 Zoll thront über der Mittelkonsole und zeigt sich inhaltlich komplett runderneuert. Vorbei mit der Gediegenheit in Beige. Dafür wischen die Optionen jetzt im Apple-Stil über den Bildschirm, es werden Satellitenbilder gezeigt und die Qualität der 3D-Navigation hat ein mehr als zeitgemäßes Level erreicht. Ebenso wie in der neuen C-Klasse wird das ganze mit einem haptisch sehr wertig anmutendem Bedienelement mit Touchpad-Oberfläche gesteuert. Inklusive Gestensteuerung und natürlich auch Sprachsteuerung. Das Gesamtpaket namens "Comand Online" schlägt mit 3510 Euro zu Buche. Wer sich dann noch mit 15 Lautsprechern und Bassreflexbox von Burmester beschallen lassen möchte, der muss 922 Euro extra überweisen. Für weniger Geld (238 Euro) gibt es aber auch ein CD-Radio und dazu eine Garmin-Navigation (595 Euro), die sicherlich auch unterhaltsam ans Ziel führt.

Es glänzt und dampft in Genf
Es geht rund in der Schweiz. Dort auf dem Autosalon zeigt die Autobranche, was sie an Neuigkeiten zu bieten hat. Die Welt dreht sich um das Thema Automobil am Lac Leman.Weitere Bilder anzeigen
1 von 41Foto: dpa
05.03.2014 10:54Es geht rund in der Schweiz. Dort auf dem Autosalon zeigt die Autobranche, was sie an Neuigkeiten zu bieten hat. Die Welt dreht...

Wer heute auf Premium macht, der kommt nicht um Fahrassistenzsysteme herum. Das fängt bei der V-Klasse mit der serienmäßigen adaptiven Dämpfung an, hört aber damit noch lange nicht auf. Das System namens "Agility Control" bietet vier Modi zwischen Komfort und Sport an und regelt entsprechend den Wünschen auch die Gaskennlinie, die Motorsteuerung und das Getriebe. Mercedes verweist zurecht auf die Einzigartigkeit dieses Systems unter den großen Vans hin.

Ein Seitenwindassistent soll dann das 1,88 Meter hohe Fahrzeug gegen windige Kräfte schützen, die das Auto aus der Spur bringen könnten. Dazu greift die Elektronik bei Geschwindigkeiten jenseits der 80 km/h über das ESP auf der windabgewandten Seite mit Bremseingriffen dem Fahrer beim Gegensteuern unter die Arme. Daneben gibt es optional noch fast ein Dutzend weitere Helferlein, die auf der Liste der Sonderausstattungen stehen. Erwähnenswert, weil besonders hilfreich bei einem Auto 5,14 Metern Länge in der Lang- und 4,90 Meter in der Kurzversion: Die 360-Grad-Kamera als Einparkhilfe. Hat Mercedes jetzt nicht neu erfunden, ist aber ziemlich gut gemacht, wie sich die Bilder der vier Kameras hier zu einem Bild von oben zusammensetzen.

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