Fahrbericht Toyota Verso Diesel : Wenn Weißwurst auf Sushi trifft

Besser als erwartet: Für den neuen Verso nutzen die Japaner einen BMW-Diesel. Der Familienvan überrascht mit guten Fahreigenschaften - auch wenn der Motor kein Leisetreter ist.

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Premiere: Der Toyota Verso Diesel ist das erste Auto der Japaner mit BMW-Motor.
Premiere: Der Toyota Verso Diesel ist das erste Auto der Japaner mit BMW-Motor.Foto: Promo

Toyota ist nach wie vor der weltgrößte Autohersteller. Und doch hat der Riese zumindest in Europa ein Problem. Weder zu Hause in Japan noch auf dem wichtigsten Exportmarkt USA wird der Diesel geschätzt. Geliebt, wie in Europa, schon gar nicht. Aber Geländewagen und Vans ohne Selbstzünder sind in Europa undenkbar und so nur schwer verkaufbar. 75 Prozent aller Vans in Europa fahren mit einem Selbstzünder unter der Haube.

Zusammenarbeit mit BMW

Bei Toyota beträgt der Anteil der Ölbrenner gerade 32 Prozent. Denn die selbst entwickelten Diesel sind zwar passabel, aber nicht Spitze und nur mit großem Aufwand Euro-6-tauglich zu machen. Doch ab 1. Januar 2015 müssen alle neu zugelassenen Autos mit einem Selbstzünder unter der Haube die Euro-6-Abgasnorm erfüllen. Dafür sind aufwendige Veränderungen nötig. Viele Diesel werden diese Abgasnorm nur mittels eines zusätzlichen Reinigungssystems erfüllen, bei dem elektronisch gesteuert vor einem zusätzlichen Katalysator eine Harnstoffwasserlösung (AdBlue) in den Abgasstrom eingespritzt wird.

Durch eine Hydrolysereaktion entstehen hier Ammoniak und Kohlendioxid. In diesem zusätzlichen Katalysator reagiert dieses sozusagen an Bord erzeugte Ammoniak mit den im Abgas befindlichen giftigen Stickoxiden und wandelt diese in ungiftigen Wasserstoff und Stickstoff um. Der Dieselfahrer von morgen hat also eine kleine Chemiefabrik unter sich. Klingt kompliziert, ist es auch – und macht die Entwicklung künftiger sauberer Diesel teurer.

Vom Mini bis zum großen C
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Vierzylinder zum Start im März

Ein Teufelskreis für die ehrgeizigen Japaner. Also suchten sie sich einen ebenso ehrgeizigen Partner, um Entwicklungskosten zu senken. Bereits im Juni 2012 hatten sich Toyota und BMW – damals nur wenig beachtet – auf eine langfristige strategische Partnerschaft geeinigt. Diese umfasst neben der gemeinsamen langfristigen Entwicklung eines Brennstoffzellen-Autos bis 2020 sowie eines gemeinsamen Sportwagens auch die Kooperation bei Dieselmotoren, wo BMW stark ist sowie bei Hybridantrieben, wo die Japaner einen technologischen Vorsprung haben.

Das erste Ergebnis dieser Zusammenarbeit steht am 15. März beim Toyota-Händler. Als erstes Auto der Weltmarke besitzt der Familienvan Toyota Verso einen BMW-Diesel unter der Haube. Es handelt sich um einen 1,6 Liter großen Vierzylinder mit 112 PS. Laut Toyota haben rund 200 Ingenieure über zwei Jahre daran gearbeitet, dieses BMW-Triebwerk mit dem Toyota-Van zu verheiraten. So gibt es ein neues Zweimassenschwungrad, geänderte Antriebswellen und eine spezielle Luftführung im Motorraum.

Außerdem wurden die Anbindung an das Getriebe und die Start-Stopp-Automatik sowie das Geräuschniveau optimiert. Dieser 1,6 Liter große 112-PS-Diesel ersetzt die 124-PS-Maschine von Toyota mit zwei Liter Hubraum. Das Drehmoment von 270 Newtonmetern liegt beim Neuen zwischen 1750 und 2250 Touren  an. Der Verbrauch soll um 0,3 Liter auf nun 4,6 Liter pro 100 Kilometer sinken. Die Werte: Höchstgeschwindigkeit 186 km/h und 12,7 Sekunden für den Sprint von Null auf Tempo 100. So weit die Theorie.

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