Fahrbericht Audi A3 Sportback 1.2 TFSI : Nicht nur für Asketen

Der Audi A3 Sportback fährt zwar in der Kompaktklasse, reizt aber mit einem hochwertigen Interieur inklusive optionaler Oberklasse-Ausstattung. Zu diesem Menü passen potente Motoren, aber es gibt auch Schmalkost. Reichen die 105 PS des kleinsten Benziners? Wir haben es getestet.

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Mehr Verzicht wagen: Der Audi A3 Sportback 1.2 TFSI lässt seine Kunden nicht im Regen stehen, was Fahrleistungen angeht.
Mehr Verzicht wagen: Der Audi A3 Sportback 1.2 TFSI lässt seine Kunden nicht im Regen stehen, was Fahrleistungen angeht.Foto: Markus Mechnich

Wer sich in den aktuellen Audi A3 setzt, der hat den Golf schnell vergessen. Das haben die Ingolstädter mit der kompletten Überarbeitung der Baureihe im Jahr 2012 richtig gut hingekriegt. Der Vorgänger litt schlicht unter einer zu großen Nähe zum Wolfsburger Kassenschlager, was dem ein oder anderen Audi-Kunden doch etwas schlecht aufstieß. Gemeinsame Plattform ok, aber eine optische Nähe steht dem Ingolstädter nicht so gut. Man geht schließlich nicht zum Maßschneider um einen, wenn auch noch so gut angepassten Anzug vom Kaufhaus mitzunehmen. Nicht das der VW Golf sonderlich viel billiger wäre. Das haben wir bei einem Vergleich der beiden Brüder schon mal festgestellt. Aber für die Kundschaft ist es eben doch ein Unterschied.

Das bedeutet aber nicht, dass die Audi-Kunden mit Geld um sich schmeißen. Auch hier im Premiumbereich und gerade bei den kompakteren Modellen wächst das Bewusstsein, dass es für die Fahrt zum Shopping oder zum Sportverein nicht unbedingt einen 250 PS starken Motor braucht. Für das gemeine Kompaktmodell sind das nun mal die typischen Anwendungen. Die wenigsten hätten was gegen so viel Leistung, aber die Anzeigetafeln der Tankstellen und der Blick auf die Unterhaltkosten sprechen selbst für gut situierte Kundschaft eine eindeutige Sprache: Mäßige Dich!

Verzicht tut beim Audi A3 Sportback nicht weh

Die gut geölte Marketingmaschinerie der Automobilindustrie hat für die Schlussfolgerungen das schöne Wort Downsizing erfunden. Man nehme ein etabliertes Modell und baue einen kleineren Motor mit möglichst gleicher Leistung ein. Ergebnis: Der Verbrauch sinkt und wenn das Paket gut abgestimmt ist sollte der Fahrkomfort und die Fahrleistungen nicht allzu sehr darunter leiden.

Soweit die Theorie. Wenn bei einem Oberklassemodell der Sechszylinder gegen einen potenten Vierzylinder austauscht, dann gibt es in der Regel nicht allzu viel zu meckern. Gut, PS-Junkies werden die Nase rümpfen, aber für die breite Masse ist das ok. Bei einem Kompaktmodell wie dem Audi A3 ist das schon diffiziler. Der Vierzylinder-Motor ist in der Kompaktklasse noch weitgehend ohne Alternative. Die Zweizylinder, die beispielsweise Fiat bei kleineren Modellen einsetzt, können dort schon nicht restlos überzeugen. Für den Audi A3 ist ein solcher Motor eher schwer vorstellbar. Auch die Dreizylinder müssen sich überhaupt erst mal etablieren. Momentan ebenfalls noch keine Alternative.

Da bleibt nur die Reduzierung des Hubraums. Volkswagen hat das mit dem1,4 Liter großen Benziner ganz ordentlich hinbekommen. Der wichtigste Otto-Motor im Sortiment, der die klassischen 1,6 Liter großen Aggregate vor sechs Jahren ersetzte, ist ein Standard in vielen weiteren Modellen neben dem Golf und steht auch bei Audi im Angebot. Die Leistungscharakteristik ist ausgewogen, dank Turboaufladung entfaltet er sein Drehmoment wie ein Diesel und ist in Leistungsstufen von 120 bis 140 PS zu haben. Vor allem aber soll er den Spagat schaffen und in der Stadt sparsam bleiben und auf Überlandfahrten ausreichend Kraft entfalten.

Das Pflichtenheft für den 1,2 Liter großen Turbo-Direkteinspritzer, den Audi für sein Kompaktmodell führt sieht ganz ähnlich aus, nur der Weg ist noch etwas extremer als beim Golf. Mit der Premiere des neuen Audi A3 Sportback ist der letzte Saugmotor aus dem Angebot für den fünftürigen Kompakten verschwunden. Ersetzt hat ihn der nur 1,2 Liter große Direkteinspritzer, der die gleiche Leistung bei weniger Hubraum aufbringen soll. Grund genug den Sparmeister mal zum Test einzuladen.

Draufschauen:

Über die äußerlichen Reize des Audi A3 Sportback wollen wir uns an der Stelle nur kurz auslassen. Sportlichere Optik, auch mit fünf Türen ein attraktives Auto, ohne dabei überzeichnet zu wirken – Das sind kurz und knapp die Signale, mit denen der kompakte Ingolstädter auf Kundenfang geht. Vor allem aber hat er diese kaum übersehbare Verwandtschaft mit dem Golf abgelegt, die dem Vorgänger noch anhing. Wer das Design grundsätzlich mag, der wird sich auch mit der fünftürigen Version des A3 anfreunden können.

Reinschauen:

Was für außen gilt, das ist innen nicht großartig anders. Das Ambiente ist durchaus hochwertig und lässt sich, je nach Gusto und Geldbeutel, bis auf Oberklasseniveau aufrüsten. Dabei sitzt alles am richtigen Platz, Bedienstöcke, Regler und Schalter sind leicht zu finden und machen das, was sie sollen.
In dieser Klasse sicher ein Highlight ist der Drehknopf, mit dem das Multimedia-System zu bedienen ist. Nicht nur haptisch ist der Aluminium-Drehknopf ein Genuss. Durch die sensitive Oberfläche, mit der per Gesten Buchstaben und Zahlen gezeichnet werden können, mutet auch die Bedienung fast wie beim großen A8 an. Das macht Spaß und geht gut von der Hand. Wer weniger gerne zeichnet, der kann natürlich auch per Sprachsteuerung Eingaben machen oder klassisch am Rad drehen.

Losfahren:

Wie fährt sich denn nun der kleinste Benziner, den Audi im Angebot hat? Wir steigen ein und absolvieren erst mal einige Kilometer in der Stadt, dem natürlichen Lebensraum des Sparmeisters. Hier profitiert der aufgeladene Benziner natürlich von seinen breiten Drehzahlband, das den mangelnden Hubraum weitestgehend kompensieren kann. Aus dem Drehzahlkeller kommt er so recht flott heraus. Verteilt er doch sein Drehmoment von 1400 bis zu 4000 Umdrehungen pro Minute gleichmäßig.

In der Praxis zeigt sich aber, dass ein zu untertourige Fahrweise dem Audi A3 Sportback 1.2 TFSI nicht sonderlich behagt. Am liebsten hat er Drehzahlen ab 2000 aufwärts. Dann entfaltet er auch souverän seine Kraft, die dann bei 5000 Umdrehungen ihren Höhepunkt in den besagten 105 PS finden. Das haben die Ingenieure gut mit dem Drehmomentverlauf abgestimmt. So ergibt sich eine ausgewogene und über den größten Teil des Drehzahlbandes verfügbare Leistung. Ein Sportler ist er logischerweise nicht, aber für die verfügbare Leistung lässt es sich mit dem Audi A3 Sportback 1.2 TFSI flott und angenehm unterwegs sein.

Optisch ist dem Modell die kleinste Motorisierung nicht anzusehen.
Optisch ist dem Modell die kleinste Motorisierung nicht anzusehen.Foto: Markus Mechnich

Heraus kommt dabei ein flüssig und agil zu fahrendes Auto. Wer leicht ruppige Gasannahme im unteren Drehzahlbereich vermeidet wird einen Diesel oder einen potenteren Benziner kaum vermissen. Aus der Stadt heraus zeigt die kleinste Motorisierung auch auf der Autobahn wenig Schwächen. Nur der sehr lang übersetzte Gang macht den Ingolstädter in manchen Lebenslagen etwas antriebsschwach. Die Übersetzung würde reichen für Geschwindigkeiten bis zu 280 km/h. Das ist dann doch ein bisschen viel und macht sich beim Fahren bemerkbar. Es ist zwar verständlich, dass Audi sich hier für den Motor keine eigene Getriebeabstimmung leistet. Das würde in der Produktion reichlich Kosten mit sich bringen. Wünschenswert wäre es dennoch.

Wer es auf die Spitze treiben will, für den ist bei 193 Stundenkilometer dann aber Schluss. Aber 160 km/h wird es aber auch schon zäher mit dem Vortrieb. Nichtsdestotrotz fährt sich der Audi A3 Sportback bis dahin agil und dynamisch. Das unterstreicht auch die typisch straffe Fahrwerksabstimmung, die sich in unserem Testwagen auch per Elektronik regeln ließ. Das dürfte für die typische Konfiguration der niedrigsten Ausstattungslinie "Attraction" eher ungewöhnlich sein. Bei der günstigsten Variante ist eine abgespeckte Version des adaptiven Fahrwerks von Audi an Bord.

Das ist nun aber mit dem Verbrauch? Schließlich soll sich der Verzicht auf Leistung ja an der Zapfsäule bezahlt machen. Mit kombiniert glatten fünf Litern ist der Audi A3 Sportback 1.2 TFSI angegeben, in der Stadt sollen es sechs, Überland dann 4,4 sein. Wir sind einen Testzyklus mit einem Stadtanteil von etwa 80 Prozent gefahren. Gemessen haben wir dafür einen Konsum von 6,4 Liter auf 100 Kilometern. Das ist dann doch ein erfreulich niedriger Wert, der den Einsatz des kleinen Benziners vollauf rechtfertigt.

Nachrechnen:

Natürlich sind die Kosten das entscheidende Argument sich für den kleinsten Benziner im Angebot zu entscheiden. Auf der Verbrauchsseite hat er seine Wahl ja schon ganz gut gerechtfertigt. Der Grundpreis liegt bei 21 900 Euro. Das ist natürlich ein günstiger Einstieg für den Audi A3 Sportback.- Aber der Preisunterschied zum größeren 1,4 Liter Benziner beträgt gerade mal 900 Euro in allen Ausstattungslinien. So gesehen hätte sich Audi vielleicht doch noch etwas mit dem Preis nach unten bewegen können.

Dafür ist die Serienausstattung beim Audi A3 Sportback 1.2 TFSI gar nicht mal so schlecht. Klimaautomatik, Sportsitze, Tempomat und Einparkhilfe – Was man auch gerade Audi immer nachsagt, dass sie ihre Geld gerne über die Ausstattung verdienen, stimmt beim A3 nur bedingt. Schon das Grundpaket des Sportback ist ordentlich. Natürlich lässt sich auch hier der Preis mit einer lockeren Hand bei den Sonderausstattungen auf erstaunliche Höhe treiben. Mit all den netten Sachen, die Audi so anbietet, sind 35 000 Euro und mehr locker drin.

Abwägen:

Der Audi A3 Sportback 1.2 TFSI hat eigentlich das Potenzial zum Geheimtipp in der Modellpalette. Mit dem Antrieb gelingt der Verzicht ohne Reue, die Fahreigenschaften des kleinen Benziners sind fast tadellos. Auch die Ausstattung geht in Ordnung. Der Haken ist der zu geringe Preisunterschied zum nächstgrößeren Motor. Für 900 Euro mehr bekommt der Kunde einen Motor mit mehr Leistung, aber kaum höherem Verbrauch. Diesen Aufpreis dürften dann doch viele Interessenten am Ende auf den Tisch legen. Das ist schade, denn der kleinste Benziner hat sich seinen Platz im Sportback redlich verdient. Ein sauberer Antrieb, ohne Wenn und Aber.

Stärken:

Sparsamer und dennoch agiler Antrieb, relativ gute Serienausstattung

Schwächen:

Ruppiger Vortrieb im unteren Drehzahlbereich, Grundpreis etwas zu hoch

Technische DatenAudi A3 Sportback 1.2 TFSI
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe) 4,31 / 1,79 / 1,43 Meter
Leergewicht1255 Kilogramm
Kofferraumvolumen normal/Rückbank umgelegt380 Liter
Maximale Zuladung485 Kilogramm
Sitzplätze5
Tankvolumen50 Liter
MotorVierzylinder Otto-Motor mit Abgasturboaufladung und Direkteinspritzung, zwei obenliegende Nockenwellen
Hubraum1197 Kubikzentimeter
Getriebe6-Gang Schaltegetriebe
Leistung (kW/PS)77 / 105
Drehmoment175 Newtonmeter bei 1400 bis 4000 Umdrehungen pro Minute
Beschleunigung 0 - 100 km/h10,5 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit193 km/h
Verbrauch laut Hersteller (innerorts / außerorts / kombiniert)5,9 / 4,4 / 4,9 Liter
CO2-Emissionen / Effizienzklasse114 g/km / B
Verbrauch im Test6,4 Liter
Typklassen (KH/VK/TK)16 / 17 / 17
Preis als Basisfahrzeug21 900 Euro
Preis des Testwagensca. 32 000 Euro

Autor

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

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