Fahrbericht Mitsubishi Outlander Hybrid : Der gibt mehr, als er nimmt

Einmalig ist er, der Mitsubishi Outlander Hybrid: Der Japaner ist das weltweit einzige Plug-in-Hybrid-SUV, kann dabei viel, aber nicht alles - und soll trotzdem vielen Nachahmern den Weg bereiten.

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Erster seiner Art: Beim Mitsubishi Outlander Hybrid handelt es sich um das weltweit einzige Plug-in-Hybrid-SUV. Foto: Promo
Erster seiner Art: Beim Mitsubishi Outlander Hybrid handelt es sich um das weltweit einzige Plug-in-Hybrid-SUV.Foto: Promo

Schon fast zwanghaft schweift der Blick immer wieder kurz von der Straße ab auf den Bordcomputer: 3,8 Liter?! Dabei sind wir nicht auf einer Schleichfahrt unterwegs, um einen neuen Rekord aufzustellen. Nein, wir schwimmen ganz einfach im Landstraßenverkehr bei Tempo 100 mit. Zuvor waren wir auf der Autobahn noch flott unterwegs.

Doch wir fahren keinen Kleinwagen, sondern ein ausgewachsenes SUV. Allerdings ein ganz besonders Exemplar dieser Gattung, das derzeit einmalig ist. Es handelt sich nämlich um das weltweit einzige Plug-in-Hybrid-SUV. Es gibt wohl Hybrid-SUV, auch Plug-in-Hybrid-Pkw. Aber noch keine Kombination aus SUV und Plug-in-Hybrid wie den Mitsubishi Plug-in-Hybrid Outlander. Dieses spezielle Modell, das sich vom normalen kaum unterscheidet, vereint scheinbar Widersprüchliches: Es bietet fünf Personen viel Platz, hat einen Kofferraum von 463 bis 1472 Liter Volumen,  kann 1,5 Tonnen an den Haken nehmen, soll aber laut NEFZ-Verfahren nur 1,9 Liter verbrauchen! Es hat drei Motoren an Bord: einen 60 kW (82 PS) starken E-Motor vorn, einen gleich starken E-Motor hinten. Dazu vorn noch einen 70 kW (95 PS) starken Generator  sowie einen 121 PS starken Vierzylinder-Benziner.

Fünf Stunden an der Steckdose

Ein klassisches Getriebe besitzt der Outlander nicht; der Benziner überträgt seine Kraft an die Vorderräder in einer einzigen Übersetzungsstufe, die in etwa einem fünften Gang entspricht. Ohne Hilfe der E-Motoren wäre der Benziner nicht in der Lage, den Outlander auch nur einen Zentimeter zu bewegen. Sie sorgen für Anfahren und Beschleunigen. Hinter dem Lenkrad befinden sich zwei Paddel, doch die dienen nicht dem Gangwechsel, denn dieser Hybrid hat ja gar kein Getriebe. Links regelt man damit das regenerative Bremssystem in sechs Stufen, rechts die Segelfunktion, wenn das Auto einfach dahin rollen soll. Bremsen muss man in der Stadt mit diesem System selten.

Energie: Die gut 200 Kilogramm schwere Batterie zwischen den Achsen ist an einer Haushaltsteckdose nach fünf Stunden aufgeladen. Foto: Promo
Energie: Die gut 200 Kilogramm schwere Batterie zwischen den Achsen ist an einer Haushaltsteckdose nach fünf Stunden aufgeladen.Foto: Promo

Die gut 200 Kilogramm schwere Batterie zwischen den Achsen ist an einer Haushaltsteckdose nach fünf Stunden aufgeladen, an einer Schnellladesäule nach 30 Minuten zu 80 Prozent wieder voll. Zwischen Vorder- und Hinterachse gibt es keine mechanische Verbindung, dennoch ist dieser Outlander ein waschechter Allradler, mit dem man sogar ins Gelände fahren kann. Beide E-Motoren werden von der Super All Wheel Control aus dem Rallyeauto Lancer Evolution gesteuert. Dieser Outlander fährt stets elektrisch an und bis Tempo 120 bleibt der Verbrenner auch bis zu 52 Kilometern außen vor.

Vom komplizierten Zusammenspiel spürt der Fahrer nichts. Trotz spektakulärem Antrieb fährt sich dieses Auto völlig unspektakulär. Anders als reine Elektroautos mag es keine Ampelsprints, sondern setzt sich eher gemächlich in Bewegung. Insgesamt fährt der Mitsubishi sich sehr leise. Drückt man Charge, lädt der Motor über den Generator bei Bedarf die Batterie auch während der Fahrt; im Stand dauert das Aufladen gut 40 Minuten bei rund 1200 Touren. Drückt man Save, behält die Elektronik sozusagen den aktuellen Ladezustand der Batterie bei, so dass man sicher sein kann, genügend Saft für rein elektrisches Fahren am Nachbargrundstück vorbei zu haben.

Keine eierlegende Wollmilchsau

In der Regel fährt das Auto elektrisch, so oft es geht. Bei uns waren es bei der Testfahrt über 50 Prozent. Mit leerer Batterie, was eigentlich kaum vorkommt, liegt der theoretische Verbrauch dann bei 5,8 Litern auf 100 Kilometer. Selbst das wäre ein sehr guter Wert für diesen 1,9-Tonner.

Pendlerauto: Der Mitsubishi Outlander Hybrid ist das ideale Auto für 40-km-Pendler. Foto: Promo
Pendlerauto: Der Mitsubishi Outlander Hybrid ist das ideale Auto für 40-km-Pendler.Foto: Promo

Viel Technik, hoher Preis? Wie man’s nimmt. Die günstigste, schon ordentlich ausgestattete Version gibt es für 39 990 Euro. Dann folgen noch zwei weitere Modelle in 5000er Schritten bis zu 49 900 Euro. Andere einfache Hybrid SUV sind fast doppelt so teuer. Mehr noch als bei anderen Autos sollte vor dem möglichen Kauf dieses speziellen Hybriden klar sein, welches Fahrprofil man hat. Sonst ärgert man sich ständig über seinen teuren Fehlkauf.

Dieser Outlander kann sehr viel, aber eine eierlegende Wollmilchsau ist er nicht. Er ist das ideale Auto für 40-km-Pendler, die in einem Haus wohnen, möglichst mit Solardach. Dann fahren sie in der Woche nahezu kostenlos bis zu 52 Kilometer rein elektrisch. Und am Wochenende mit der Familie verzichtslos bis zu 827 Kilometer ohne Tanken. Wer hingegen viele Autobahnkilometer frisst und ständig flott unter Zeitnot fährt, für den ist dieses Plug-in-Hybrid-SUV das völlig falsche Auto. Bei maximal 170 km/h wird ohnehin elektronisch abgeriegelt.

Fahrbares "Notstromaggregat"

Dieses äußerlich eher unscheinbare Plug-in-Hybrid-SUV ist eigentlich viel mehr als nur ein einzigartiges Auto mit einem neuartigen Antriebskonzept und derzeit noch gar nicht voll ausgenutzten Möglichkeiten. Nein, es könnte in vielen Tausend Exemplaren, auch von Nachahmern, sogar der Türöffner zu einer wirklich nachhaltigen Elektromobilität werden. Die Nachfolger des ASX sowie des Pajero werden auch als Plug-in-Hybriden kommen. Bis 2020 soll jeder fünfte Mitsubishi ein umweltfreundliches Elektro-, Hybrid- oder Plug-in-Hybird-Modell sein. Künftig sollen dem Kunden sinnvolle Dienstleistungen rund um die E-Mobilität angeboten werden, bis hin zu Zugang in europäische Ladenetzwerke, verbunden mit einfacheren Abrechnungsmodellen. „Green Mobility“ nennen die Japaner diese gesamtheitliche Sicht.

Gemächlich: Trotz spektakulärem Antrieb fährt sich dieses Auto völlig unspektakulär. Foto: Promo
Gemächlich: Trotz spektakulärem Antrieb fährt sich dieses Auto völlig unspektakulär.Foto: Promo

Was aber hat der Mitsubishi Plug-in-Hybrid Outlander mit der Energiewende bei uns zu tun? Nichts, werden die meisten denken. Sehr viel, sagen die Kundigen. Denn dieser neuartige Hybrid kann etwas, was derzeit außerhalb Japans kein anderer Plug-in-Hybrid zu leisten vermag: Er kann als fahrbares „Notstromaggregat“ fungieren; übernimmt quasi die Funktion eines mobilen Pufferspeichers. Bidirektionales Laden nennt Mitsubishi diese Fähigkeit des Plug-in-Hybrid Outlander und neuerdings auch des überarbeiteten Electric Vehicle (die Weiterentwicklung des früheren i-MiEV), Strom, der in das Fahrzeug eingespeist wurde, jederzeit und überall wieder abzugeben.

In Japan spielt er diese wichtige Rolle bereits seit zwei Jahren, um im Bedarfsfalle ein Haus bis zu zehn Tage mit elektrischer Energie zu versorgen. Der Nissan Leaf ist dazu auch in der Lage, aber nur in Japan. Der Mitsubishi hingegen kann dies weltweit. Das funktioniert im Idealfall so:  Ein Hausbesitzer mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, speist den überschüssigen Strom in die 80-Zellen-Lithium-Ionen-Batterie mit 300 Volt und 12 kWh Leistung des Outlander ein. Damit kann der maximal 52 Kilometer weit rein elektrisch fahren. Und zwar ohne Stromkosten!

Umweltverträglich mobil

Und auch noch emissionsfrei, da die Energie ja aus einer erneuerbaren Energiequelle kommt. Wird der Outlander weniger als diese 52 Kilometer  bewegt oder in der Firma „aufgetankt“, kann er abends sauberen Strom in das Haus abgeben oder unterwegs, auf dem Campingplatz beispielsweise, als „Notstromaggregat“ fungieren. Viele, viele Plug-in-Hybride dieser Art als ins Hausnetz integrierte Pufferspeicher könnten dazu beitragen,  kleine intelligente Stromnetze zu schaffen, um mit der Immobilie Energie zu sparen und dennoch umweltverträglich mobil zu sein.

Bidirektionales Laden: Der Mitsubishi Outlander Hybrid kann den gespeicherten Strom jederzeit und überall wieder abgeben. Foto: Promo
Bidirektionales Laden: Der Mitsubishi Outlander Hybrid kann den gespeicherten Strom jederzeit und überall wieder abgeben.Foto: Promo

Für die Umwandlung des Gleichstroms aus dem Autoakkupack in Wechselstrom benötigt man eine sogenannte Power-Box, die Ende 2014 lieferbar ist. Sie soll etwa 1500 bis 2000 Euro kosten und sowohl als stationäre Wall-Box als auch als mobiles System ausgelegt sein – vielleicht für den Kühlschrank im Campinganhänger.

Übrigens: Es scheint ein Irrglaube zu sein, dass oftmaliges Laden und Entladen der Lithium-Ionen-Batterie schaden würde. Von den bislang 40000 verkauften i-MiEV Elektroautos von Mitsubishi haben die meisten nach fünf Jahren noch über 90 Prozent ihrer alten Batteriekapazität. Wenn dieser Akku also im „Wohlfühlbereich“ betrieben wird, altert er langsamer als gedacht. „Gesteuerte Entladung“, wie sie beim Direktionalen Laden vorgenommen wird,  soll sogar „Wellness“ für die Batterie sein, sagen die Mitsubishi-Techniker aufgrund ihrer Erfahrungswerte.

Mitsubishis Plug-in-Hybrid-System als potenzieller Vorreiter

Erinnern wir uns an dieser Stelle: Als Mitsubishi 1997 als Erster im Carisma GDI (Gasoline Direct Injection) einen Ottomotor mit  Benzindirekteinspritzung einsetzte, sprach die Fachwelt von einem Irrweg. Heute ist diese ausgereifte Technik nicht mehr aus dem modernen Motorenbau wegzudenken. Das neuartige Plug-in-Hybrid-System von Mitsubishi wird ebenfalls seinen Weg machen.

Übrigens: Im Nachbarland Niederlande wurden vom Plug-in-Hybrid Outlander binnen kurzer Zeit mehr als 10000 Stück abgesetzt. Und im Dezember 2013 war  er dort sogar das meistverkaufte Auto. Dank verschiedener Ökorabatte kostet er in den Niederlanden nämlich nicht mehr als ein gut ausgestatteter VW Golf.

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