Fahrbericht Opel Astra Sports Tourer 1.6 CDTI Exklusiv : Mit ein paar Pferdchen mehr

Pferdeflüsterer? Nein, Flüsterdiesel! Den Opel Astra Sports Tourer 1.6 CDTI gibt es in zwei Leistungsstufen. Wir haben mal beim Stärkeren zugegriffen und konnten ein paar Vergleiche mit der 110-PS-Variante ziehen. Der Praxistest mit dem Kompakt-Kombi-Veteran.

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Sportlich on Tour: Dieses vage Versprechen kann der Opel Astra Sports Tourer nur teilweise erfüllen. Denn sonderlich sportlich ist der Rüsselsheimer erst mal nicht, auch wenn er gut motorisiert ist.
Sportlich on Tour: Dieses vage Versprechen kann der Opel Astra Sports Tourer nur teilweise erfüllen. Denn sonderlich sportlich ist...Foto: Markus Mechnich

Deutschland ist Kombi-Land, das zeigt sich auch beim Opel Astra Sports Tourer. Mehr als die Hälfte der hierzulande zugelassenen Kompakten mit dem Blitz bauen hinten weit aus. Ein wichtiges Modell also für die Rüsselsheimer, wie der Astra generell. Noch immer steht der Kompakte für 21,1 Prozent (laut Kraftfahrtbundesamt im Jahr 2014) der Zulassungen von Opel in Deutschland insgesamt. Nur der Corsa kann dem Modell das Wasser abgraben (25,2 Prozent). Alleine schon die Tatsache, dass diese beiden Modelle fast 50 Prozent des Absatzes hierzulande ausmachen zeigt, wie wichtig der Astra ist. Gleiches gilt freilich auch für den Kombi. Umso mehr, als Opel auf dem britischen Markt als Vauxhall mit der gleichen Modellpalette antritt. Und England ist der andere wichtige Kombimarkt in Europa. Den Rest interessieren eher die Limousinen.

Bei Opel heißen die Kombis nun Sports Tourer. Hört sich flotter an, ist aber erst mal nicht anderes. Wichtig für die Kombis sind vor allem die Diesel-Motoren, die weit über drei Viertel der Verkäufe ausmachen. Da hat Opel nun den Flüster-Diesel im Programm. Im Opel Zafira machte dieser bei unserem Praxistest einen guten Eindruck. Und auch die 110-PS-Variante im Astra Sports Tourer hat im Tagesspiegel-Test eine ordentliche Figur gemacht. Wer aber viel lädt, der braucht auch oft ein bisschen mehr Leistung. Daher haben wir auch der stärkeren Variante, dem Opel Astra Sport Tourer 1.6 CDTI mit 136 PS, auf den Zahn gefühlt. Und es gibt Unterschiede.

Außen und Innen

Der Opel Astra Sport Tourer ist mit 4,70 Metern der Kompaktklasse fast schon entwachsen. Zum großen Bruder, dem Insignia als Kombi, fehlen ihm gerade noch 21 Zentimeter. Zum kompakten Astra beträgt der Unterschied sage und schreibe 28 Zentimeter. Wenn das mal kein Aufschlag für einen Kombi ist. Und das bei einem Aufpreis für den Kombi von gerade mal 1000 Euro. Seit seinem Start im Jahr 2010 wurde der Astra mehrmals überarbeitet und zeigt sich optisch nicht so weit entfernt von den Neuen in Opels Modellprogramm, dem Adam oder dem brandneuen Corsa. Zu sehen ist es aber schon. Zum Beispiel bietet der Astra noch recht konventionelle LED-Tagfahrleuchten, die Scheinwerfer sind noch verhältnismäßig groß gezeichnet und die Linienführung ist klassisch gehalten.

Trägt noch Opel Klassik: Der Opel Astra Sports Tourer wurde immer wieder sanft überarbeitet und ist daher kein altes Modell. Aber an manchen Stellen ist dennoch zu sehen, dass die aktuellen Modelle gestalterisch etwas weiter sind.
Trägt noch Opel Klassik: Der Opel Astra Sports Tourer wurde immer wieder sanft überarbeitet und ist daher kein altes Modell. Aber...Foto: Markus Mechnich

Dass aber im kommenden Jahr ein neuer Astra am Horizont aufzieht lässt sich im Innenraum erkennen. Die Knöpfeflut in der Mittelkonsole hat Opel den neueren Modellen schon ausgetrieben, beim noch aktuellen Opel Astra Sports Tourer sind sie noch da. Das tut bei der Funktionalität aber keinen Abbruch, wohl aber bei der Auflösung des Displays. Hier bieten die Kleinen im Modellprogramm schon deutlich mehr. Die Verarbeitung des Opel Astra Sports Tourer bietet keinen Grund zur Beanstandung. Auch die Materialauswahl geht für diese Klasse in Ordnung. In der Exklusiv-Ausstattung findet sich sogar hier und da Chrom um Drehregler und Schalter.

Sitzen und Laden

Aus der üppigen Länge des Fahrzeugs macht Opel erst mal wenig. Vorne sitzt es sich sehr kommod, aber auf der Rückbank stoßen die Knie schnell an die Vordersitze. Zumindest, wenn das vordere Gestühl weiter nach hinten geschoben ist. In der Summe passt das schon, es sei denn eine Basketballmannschaft möchte hier reisen. Die bräuchten dann aber ohnehin zwei Autos, denn schon der fünfte Sitz hinten in der Mitte ist eher Notnagel denn Alternative.

Langgestreckt: Mit 4,70 Metern Länge ragt der Opel Astra Sports Tourer fast über sein Segment hinaus.
Langgestreckt: Mit 4,70 Metern Länge ragt der Opel Astra Sports Tourer fast über sein Segment hinaus.Foto: Markus Mechnich

Seine Stärken spielt der Opel Astra Sports Tourer ohnehin im Kofferraum aus. Im Normalfall ergibt sich hier schon eine Tiefe von 1,05 Meter. Vor allem die Breite von 1,02 Meter ist sehr praktisch und Opel bietet hier ein seitlich positioniertes Schienensystem, sowie Verzurrösen. Ganz praktisch angelegt, dieses Gepäckabteil. Auch die kleine Kante, die sich ergibt, wenn die Rückbank umgelegt wird, lässt sich verkraften. In der Länge werden daraus dann 1,81 Meter. Ein Wert den selbst deutlich größere Kombis oft nicht schaffen. In Zahlen ausgedrückt ist der Opel Astra Sports Tourer dann aber dem VW Golf Variant (605 Liter) mit 500 Litern dann doch unterlegen. Beim maximalen Volumen fällt der Unterschied mit 1550 Litern (VW Golf Variant: 1620 Liter) nur noch gering aus.

Fahren und Tanken

136 PS aus einem 1,6 Liter großen Motor – noch vor Jahren hätte da kaum jemand dran geglaubt, respektive ein solches Auto gekauft. Aber Opel hat mit dem neuen Selbstzünder im Downsizing-Format endlich eine gute Alternative zu den rumpeligen Zwei-Liter-Dieseln, die es bisher hauptsächlich gab und dem ebenfalls in die Jahre gekommenen 1.7 CDTI. Flüster-Diesel? Gut, im Vergleich zu den Vorgängern ist er schon leise. Aber seine Arbeit verrichtet er dennoch deutlich wahrnehmbar.  Im Innenraum flüstert es schon eher. Das liegt an der guten Dämmung, die Opel dem Modell mitgegeben hat. Auch der Unterboden des Motorraums ist verkleidet, freilich auch aus aerodynamischen Gründen.

Während das Cockpit angenehm aufgeräumt ist, zeigt sich die Mittelkonsole unübersichtlich. Das kann Opel mittlerweile besser.
Während das Cockpit angenehm aufgeräumt ist, zeigt sich die Mittelkonsole unübersichtlich. Das kann Opel mittlerweile besser.Foto: promo

Der Leistungsunterschied zum kleineren „Einsechser“ machen sich vor allem an der PS-Zahl fest. 136 Pferdestärken gegenüber 110, das macht sich schon bemerkbar. Beim Drehmoment fällt der Unterschied mit 320 zu 300 Newtonmeter etwas geringer aus. Und da beim stärkeren Flüsterer das maximale Drehmoment erst bei 2000 Umdrehungen pro Minute statt bei 1750 anliegt ist der Unterschied beim Anfahren marginal. Aber in der Summe fährt der stärkere der beiden Diesel dem schwächeren schon davon. Der subjektive Eindruck wird durch die Beschleunigungswerte unterstützt. Für den Sprint auf die 100 Stundenkilometer braucht die 136-PS-Version 10,3 Sekunden, während der 110er nach zwölf Sekunden die Marke erreicht. Schließlich kommt er bei der Spitzengeschwindigkeit auf die flotte 200 km/h.

Die zusätzliche Leistung kann der Opel Astra Sports Tourer schon gebrauchen. Mit einem Gewicht von 1518 Kilogramm ist der etwas in die Jahre gekommene Kompakt-Kombi weit weg von federleicht. Einen Unterschied zur schwächeren Variante gibt es hier übrigens nicht. Die Leistungssteigerung der baugleichen Motoren wird alleine über Softwaresteuerung vorgenommen. Aus dem Drehzahlkeller schlüpft dieser Opel schnell und wird auch dank guter verteilter Spitzenleistung (liegt zwischen 3500 und 4000 Umdrehungen an) bei höherer Schlagzahl weiter ordentlich vorangetrieben. Keine Frage, der Opel Astra Sports Tourer fährt sich eine ganze Ecke agiler mit dem Leistungsplus.

Geblieben sind die Stärken, die sich auch beim „kleinen Bruder“ schon zeigten. Das Fahrwerk des Opel Astra Sports Tourer ist komfortabel ausgelegt und bietet gleichzeitig ausreichend Sicherheitsreserven. Ein sehr guter Kompromiss, der diesen Opel zu einem sehr guten Langstreckenauto macht. Auf der Landstraße in schnellen Kurven macht sich eine gewisse Hecklastigkeit bemerkbar. Hier wird die Fahrzeuglänge zum Ballast, der aber dem ansonsten narrensicheren Fahrverhalten keinen Abbruch tut. Und selbst das übelste Berliner Kopfsteinpflaster verarbeitet der Opel Astra Sports Tourer noch tadellos. Da können sich viele der Konkurrenten eine Scheibe von abschneiden.

An Assistenten herrscht für den Opel Astra Sports Tourer kein Mangel. Das Auto lässt sich technisch aufrüsten wie ein neues Modell.
An Assistenten herrscht für den Opel Astra Sports Tourer kein Mangel. Das Auto lässt sich technisch aufrüsten wie ein neues...Foto: Markus Mechnich

Mit fast schon sensationellen 3,9 Litern steht der Opel Astra Sports Tourer 1.6 CDTI im Katalog. Das ist natürlich in der Praxis nicht zu erreichen. Nach rund 500 Testkilometern haben wir einen Schnitt von 6,2 Litern gemessen. Wenn man mal ehrlich ist, dann ist bei normaler bis etwas flotterer Fahrt ein sehr guter Wert. Viele Konkurrenten schaffen einen solchen Wert nicht mal auf dem Papier. Und er schlägt damit auch den VW Golf Variant in unserem Praxistest. Dennoch sind die Praxiswerte jetzt nicht die Meilensteine, welche die Normrunde verspricht.

Hören und Sehen

Rundumsicht? Machen wir es kurz: bescheiden. Die dicke D-Säule steht beim Blick nach hinten und schräg hinten einfach im weg. Schön, dass sich die hinteren Kopfstützen versenken lassen, aber das bringt nur wenig, wenn das Fenster hinten sehr hoch sitzt und in der Höhe eher bescheiden ist. Flüsterdiesel? Wie bereits beschrieben ist die neue Motorengeneration ein großer Sprung nach vorne. Der Einssechser arbeitet tatsächlich recht leise. Auch die Abrollgeräusche der 225er Reifen sind nicht weiter zu beanstanden.

Der stärkere der beiden 1,6 Liter großen, neuen Dieselantriebe macht die Fahrt mit dem Opel Astra Sports Tourer agiler und kostet dabei kaum mehr Treibstoff.
Der stärkere der beiden 1,6 Liter großen, neuen Dieselantriebe macht die Fahrt mit dem Opel Astra Sports Tourer agiler und kostet...Foto: Markus Mechnich

Wie bereits erwähnt ist das Infotainment des Opel Astra Sports Tourer etwas in die Jahre gekommen. Das gilt für die Bedienung und den Funktionsumfang. Smartphone-Apps wiedergeben, wie es das Infotainment im Adam kann, ist beim Astra-Kombi nicht möglich. Auch Nachrichten vom Mobiltelefon vorlesen lassen oder Sprachsteuerung ist nicht machbar. Dafür hat uns die Infinity-Soundanlage mit acht Lautsprechern außerordentlich gut gefallen.

Wählen und Zahlen

Mindestens 28 700 Euro werden für den Opel Astra Sports Tourer 1.6 CDTI mit 136 PS fällig. Der Preisunterschied zur schwächeren Variante beträgt exakt 1600 Euro. Im Vergleich zu der Wolfsburger Konkurrenz nimmt sich der Astra-Kombi fast als Schnäppchen aus. Da liegt er rund 3000 Euro günstiger bei vergleichbarer Motorisierung. Und das gilt erst mal für den Astra in der Ausstattung Exklusiv, bei der schon viele schöne Dinge dabei sind. Zieht man den Vergleich mit der Basisausstattung, dann fällt der Preisunterschied (Opel: 23 340 Euro; VW: 28 250 Euro) aus.

Bis zu 200 Stundenkilometer schafft der Astra Kombi mit dem "Flüsterdiesel". in 10,3 Sekunden kommt er auf 100 km/h.
Bis zu 200 Stundenkilometer schafft der Astra Kombi mit dem "Flüsterdiesel". in 10,3 Sekunden kommt er auf 100 km/h.Foto: Markus Mechnich

Natürlich geht auch bei Opel noch so einiges bei den Sonderausstattungen. Das ist aber letztlich eine Frage des persönlichen Geschmacks und des Geldbeutels. Immer wieder eine Empfehlung wert und im Grunde bis heute konkurrenzlos ist das integrierte Fahrradträgersystem FlexFix (790 Euro). Schade, dass für das nützliche Schienensystem noch 125 Euro fällig werden. Mit Netz sind es dann 220 Euro. Ebenfalls empfehlenswert sind die besseren Sitze mit Gütesiegel, die es bei Exklusiv für nur noch 285 Euro zusätzlich gibt.

Gutes und Schlechtes

1600 Euro, das ist gut angelegtes Geld. So lautet das Kurzfazit des Vergleichs der beiden Varianten des neuen Dieselantriebs. Wer wirklich mal mit voller Besatzung und Gepäck unterwegs ist, der wird sich über die Leistungsreserven freuen. Aber auch alle, die den zusätzlichen Laderaum eines Kombi nur selten oder nie für schwere Dinge nutzen, sollten einen Gedanken an die stärkere Variante verschwenden. Der Opel Astra Sports Tourer 1.6 CDTI fährt sich harmonischer, agiler und konsumiert dabei kaum mehr Kraftstoff. Das ist der Aufpreis im Grunde schon wert.

Und der Vergleich mit der Konkurrenz? Auch der noch aktuelle Astra-Kombi braucht den Vergleich mit den auf dem Markt befindlichen Kompakt-Kombis nicht zu scheuen. Mag sein, dass das Infotainment nicht mehr taufrisch ist oder das Gewicht zu hoch. Aber in der Summe wird sich der Opel Astra Sports Tourer bei den meisten Vergleichen mehr als achtbar aus der Affäre ziehen. Er ist zwar kein Preisbrecher, bietet aber auch auf dem Kostensektor einen guten Kompromiss. Wenn Opel jetzt bei der kommenden Generation noch die richtigen Schlüsse gezogen hat, dann muss der Neue ja ein Erfolg werden.

Stärken

Leiser, recht sparsamer Motor

Gute Federung

großer, praktischer Kofferraum

Schwächen

Relativ wenig Platz im Fond

unübersichtliche Bedienung auf der Mittelkonsole

Eingeschränkte Sicht nach hinten


Konkurrenz

VW Golf Variant

Ford Focus Turnier

Hyundai i30 Kombi

Skoda Octavia Combi

Technische Daten

Opel Astra Sports Tourer 1.6 CDTI  Exklusiv

Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)

4,70/1,81/1,54 Meter

Leergewicht

1518 Kilogramm

Kofferraumvolumen / umgelegte Rückbank

500 / 1550 Liter

Maximale Zuladung

582 Kilogramm

Sitzplätze

5

Tankvolumen

56 Liter

Motor

Reihen-Vierzylinder-Diesel-Motor mit Direkteinspritzung und Abgasturbolader, Start-Stopp-Automatik serienmäßig  

Hubraum

1598 Kubikzentimeter

Getriebe

6-Gang-Handschaltgetriebe

Leistung (kW/PS)

100/136

Drehmoment

320 Newtonmeter bei 2000 Umdrehungen/Min

Beschleunigung 0 - 100 km/h

10,3 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit

200 km/h

Verbrauch laut Hersteller (innerorts / außerorts / kombiniert)

4,6/3,6/3,9 Liter

Verbrauch im Test

6,2 Liter

CO2-Emissionen / Effizienzklasse

104 g/km / A

Typklassen (KH/VK/TK)

18/20/19

Preis als Basisfahrzeug

23 340  Euro

Preis des Testwagens

ca. 31 000 Euro

 

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