Fahrbericht Peugeot 308 SW Allure PureTech 130 GT-Line : Flotter Dreier

Dreizylinder halten immer mehr Einzug in die Kompaktklasse, so auch beim Peugeot 308 SW. Geht das auch bei einem Kombi, der zum Schleppen gemacht ist?  Der Praxistest.

von
Mit dem Peugeot 308 SW haben die Franzosen ihrer Kompaktlimousine auch einen schönen Kombi zur Seite gestellt. Foto: Hersteller
Mit dem Peugeot 308 SW haben die Franzosen ihrer Kompaktlimousine auch einen schönen Kombi zur Seite gestellt.Foto: Hersteller

Endlich wieder auf der Höhe der Zeit! Als vor zwei Jahre auf der IAA der Peugeot 308 sein Debüt feierte konnten die Franzosen endlich mal wieder einen echten Golf-Jäger auf die Straße stellen. Technisch konkurrenzfähig, optisch ansprechend und immer noch stark beim Nutzwert. Das passt.

Bei den Verkaufszahlen steht der Durchbruch allerdings noch aus. In seinem ersten vollen Verkaufsjahr 2014 kam der neue 308 in Deutschland auf knapp 12 000 Zulassungen. Etwas weniger als der Vorgänger in seinem letzten vollen Verkaufsjahr 2012. Die Gründe, warum der Peugeot 308 noch nicht so richtig zündet, bleiben etwas unklar. Von der Presse erhielt der Kompakte viel Lob. Ein gutes Auto, so ziemlich einhellig die Meinung.

Die Dreizylinder-Benziner hat Peugeot im vergangenen Jahr nachgeschoben. Der Turbo-Benziner mit 1,2 Liter Hubraum steht mit einem für Benziner rekordverdächtigen Verbrauch von 4,7 Liter in der Normrunde im Prospekt. Bei einem Rekordversuch auf einer spanischen Rennstrecke ist ein 308 mit diesem Motor schon mal 1810 Kilometer mit einer Tankfüllung gefahren. Der Verbrauch lag bei 2,85 Liter. Mit der Realität freilich haben solche Werte bekanntermaßen nichts zu tun. Grund genug den Peugeot 308 SW 1.2 PureTech mal Alltag auf die Probe zu stellen.

Außen und Innen

Länger und breiter, aber flacher – so steht der Peugeot 308 SW seit dem Modellwechsel da. Der Radstand ist auf beachtliche 2,73 Meter gewachsen. Der Optik kommt das schon mal zugute, ebenso wie die breitere Spur (1,55 Meter) und der flachere Rücken. So steht er auch als Kombi gut da. Der Nachteil des flotten Auftritts ist die relativ tiefe Sitzposition, wo beim Einstieg schon etwas auf den Kopf geachtet werden muss. Das gilt hinten noch etwas mehr.

Unser Testwagen war mit der im letzten Jahr vorgestellten GT-Line (1800 Euro extra) ausgestattet. Die bringt einen großen Chrom-Löwen im Kühlergrill mit sich. Daneben sind die Außenspiegel in schwarz gehalten, die Endtöpfe erscheinen ebenso in Chrom und die Heck- sowie die Seitenscheiben sind getönt. Damit sieht der Franzose wirklich schick aus. Gleiches gilt für das Interieur, wo rote Ziernähte die Sitze, Lenkrad, Schalthebel und die Innenverkleidung der Türen verzieren.

Ist man drinnen, dann begrüßt einen auf der Fahrerseite das mittlerweile Peugeot-typische kleine Lenkrad, wo der Blick auf die Instrumente über den Lenkradkranz geht. Die Mittelkonsole ist aufgeräumt und wird von dem riesigen Touchscreendisplay im Format 9,7 Zoll. Der Preis für den Purismus der Mittelkonsole ist eine etwas umständliche Bedienung mancher Funktionen, wie etwa der Klimaanlage. Darüber wurde bereits beim Fahrbericht zum Steil-Heck 308 berichtet.

Sitzen und Laden

Kombis von Peugeot haben sich schon immer durch ein großzügiges Platzangebot ausgezeichnet. Da macht auch der Peugeot 308 SW der neuen Generation keine Ausnahme. 610 Liter passen in den Kofferraum, wenn der Platz ausgereizt wird, werden daraus 1660 Liter. Rund 50 Liter des Ladevolumens verstecken sich in einigen Fächer und Ablagen im Heck des 308. Ganz schön praktisch, dieser Franzose. Zumal serienmäßig auch Verzurrösen aus Metall an Bord sind und sich die asymmetrisch geteilte Rückbank mit einem Zug im Kofferraum vollständig umlegen lässt. Damit entsteht eine fast ebene Ladefläche.

Mittelkonsole und Cockpit sind beim Peugeot 308 sehr aufgeräumt. In der Mitte ersetzt das Infotainmentsystem zahlreiche Knöpfe, was nicht immer die Bedienung erleichtert. Foto: Hersteller
Mittelkonsole und Cockpit sind beim Peugeot 308 sehr aufgeräumt. In der Mitte ersetzt das Infotainmentsystem zahlreiche Knöpfe,...Foto: Hersteller

Das Platzangebot vorne ist absolut ausreichend, selbst für Sitzriesen. Und trotz des großen Kofferraums geht es auch im Fond noch sehr luftig zu. Das ist möglich, weil man den Radstand im Vergleich zur Limousine um 11 Zentimeter verlängert hat. Hinten könnte es für Menschen über 1,90 Meter dann auch schon mal Kontakt mit dem, bei der GT-Line schwarzen, Fahrzeughimmel bekommen. Dennoch ist das Angebot an Raum für einen Kompakten ausgesprochen großzügig.

Fahren und Tanken

130 PS aus 1,2 Liter Hubraum – das hört sich erst mal ambitioniert an. Im Lichte der CO2-Reduzierung werden wir uns an solche Eckdaten allerdings gewöhnen müssen. Und das muss ja auch nicht schlecht sein, denn auch die übrigen Werte hören sich ganz gut an. 230 Newtonmeter generiert der Otto-Motor an Drehmoment, in glatten zehn Sekunden soll er die 100 km/h erreichen. Und dabei einem Normverbrauch von 4,7 Liter und Euro-6-Konformität.

Also, einsteigen und losfahren. Der Stadtverkehr bringt den ersten Schluss, dass sich der Peugeot 308 SW mit dem Dreizylinder agil bewegen lässt. An der Ampel zieht der Franzose zügig weg, auf der Stadtautobahn zieht er von 80 auf 120 anständig durch und er lässt sich spritsparend auch untertourig ganz gut bewegen. Dabei hilft es, dass 95 Prozent des maximalen Drehmoments zwischen 1500 und 3500 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung stehen. Wird der Dreizylinder gefordert, dann ist er stets zur Stelle.

Die für Dreizylinder typische Unruhe konnte Peugeot dem Motor recht gut abtrainieren. Brummig wird der Antrieb nur bei höheren Drehzahlen, vor allem auf der Autobahn. Ab Drehzahlen jenseits der 4000 mutiert der Antrieb zum rauhen Gesellen. Alles aber noch in sehr moderaten Maßen, denn im Innenraum kommt davon relativ wenig an. Wir reden dann auf der Autobahn über Geschwindigkeiten jenseits der 160 km/h. Dann wird es auch zäh mit Vortrieb. Die Spitzengeschwindigkeit von 199 km/h ist absolut drin, fordert aber etwas Geduld.

Die größte Stärke des Peugeot 308 SW Allure PureTech 130 ist der hohe Nutzwert. Schienensystem und Verzurrösen gibt es serienmäßig. Die Rückbank ist geteilt. Wird sie umgelegt werden aus 610 Liter dann ganze 1660 Liter Ladevolumen. Foto: Hersteller
Die größte Stärke des Peugeot 308 SW Allure PureTech 130 ist der hohe Nutzwert. Schienensystem und Verzurrösen gibt es...Foto: Hersteller

Natürlich baut man Dreizylinder vor allem deshalb, um den Verbrauch im Rahmen zu halten. Tanken wir also nach der schnellen Runde wieder voll und fahren gemächlich weiter. Der Bordcomputer zeigt bei Autobahntempo 130 im Mittel sparsame fünf Liter an. Das sorgt erst mal für Freude. In der Stadt lassen sich die Verbrauchswerte von 5,9 Liter auf dem Papier dann aber weniger nachvollziehen. Hier steigt der angezeigte Werte schnell mal auf mehr als acht Liter trotz zurückhaltender Fahrweise. Die bekannte Schwäche von Turbomotoren, die nun mal extrem sensibel auf den Hub des Gaspedals reagieren.

In der Summe messen wir einen Verbrauch für die gemäßigte Testrunde von 7,2 Liter. Der Stadtanteil lag hier bei rund 40 Prozent, während Landstraße und vor allem Autobahn auf die restlichen 60 Prozent kommen. Das ist ein akzeptabler Wert, der aber einmal mehr die alte Weisheit auf den Punkt bringt, dass der Verbrauch ganz wesentlich vom Gefühl im Gasfuß abhängt. Die Stärke des Dreizylinders ist sicherlich, dass er beide Welten ganz gut beherrscht. Wer flott voran kommen möchte, der wird sich mit dem Peugeot 308 SW 1.2 PureTech nur selten untermotorisiert fühlen. Umgekehrt lässt sich mit viel Geduld auch ein Verbrauch von rund sechs Litern realisieren, je nach Geläuf.

Von den Fahreigenschaften her zeigt sich der Peugeot 308 SW 1.2 PureTech 130 unauffällig. Das Schaltgetriebe mit seinen sechs Gängen arbeitet sauber und die Gänge lassen sich trotz des langen Schaltstocks sauber durchschalten. Weiche Fahrwerke aus Frankreich gehören schon länger der Vergangenheit an. Bei der Limousine ist die Aufhängung sportlich knackig. Gleiches gilt auch für den Kombi, vielleicht sogar noch einen Tick mehr. Um die eher dürftige Zuladung von 420 Kilogramm zu realisieren ist die Federung der Hinterachse stramm ausgelegt. Gleichwohl untersteuert der Peugeot 308 SW brav, zeigt nur geringe Hecklastigkeit und zeigt sich auch in schnellen Kurven stabil.

Hören und Sehen

Die Rundumsicht ist beim Peugeot 308 SW recht ordentlich. Zwar lässt sich auch hier die Motorhaube kaum einsehen, aber der Rundumblick bringt doch ausreichend Aufschluss über die Umgebung. Nach hinten raus wird es dünn. Die Heckscheibe sitzt relativ hoch und das Auto lässt sich schwer in seiner Länge abschätzen. Eine akustische Parkhilfe ist absolut empfehlenswert. Nach hinten seitlich geht es etwas besser.

Mit der GT-Line bekommt der Peugeot 308 SW getönte Scheiben und viel Chrom rundum. Foto: Hersteller
Mit der GT-Line bekommt der Peugeot 308 SW getönte Scheiben und viel Chrom rundum.Foto: Hersteller

Das Multimediasystem ist auf der Höhe der Zeit. Mit der höchsten Ausstattungslinie Allure kommt das Navigationssystem Plus mit, dass mit ordentlicher Auflösung und guter Bedienung überzeugen kann. Zusätzlich bietet Peugeot einige hilfreiche Apps an, die zum Beispiel den Weg zur günstigsten Tankstelle, Wetterberichte oder Verkehrsinformationen bereit halten. Dazu wird ein USB-Stick für die Internetverbindung benötigt. Eine suboptimale Lösung. Besser wäre es sicher, den Sim des Sticks vernünftig im Armaturenträger zu verbauen. Funktioniert aber einwandfrei.

Wählen und Zahlen

Der günstigste Dreizylinder im Angebot ist die Stufe mit 110 PS, die es für 19 450 Euro gibt. Mit den 130 PS kostet der Peugeot 308 SW 1.2 PureTech 130 in der Austattung Allure 24 800 Euro. Damit ist der ladefreudige Franzose schon ziemlich gut ausgestattet. Besagtes Navi ist inklusive, ebenso die LED-Scheinwerfer, Leichtmetallfelgen im Format 17 Zoll, Rückfahrkamera und die ordentliche Audioanlage mit Bluetooth und USB-Verbindung. Die hübsche GT-Line kostet 1800 Euro extra, im Paket gibt es noch einen adaptiven Tempomaten, Notbremssystem und Kollisionswarner. Für 590 Euro lassen sich noch ein Komfort-Paket Sitzheizung, Lendenwirbelstütze und sogar eine Massagefunktion dazu buchen. Alles in allem kommt so unser Testwagen auf einen Gesamtpreis von 28 810 Euro. Damit ist der Peugeot 308 SW sicherlich sehr konkurrenzfähig.

Gutes und Schlechtes

Der Dreizylinder-Motor zeigte sich im Test als ein sehr ansprechender Antrieb für den Peugeot 308 SW. Lediglich unter Volllast wird der Antrieb etwas brummig, bei niedrigen Drehzahlen bleibt er kultiviert und leise. Das Versprechen mit dem Verbrauch kann nicht ganz erfüllt werden. Selbst bei langsamer Gangart ließ sich der Verbrauch nicht unter die sieben Liter im Alltag drücken. Das ist dann doch ein erheblicher Aufschlag. Gleichwohl ist der Peugeot 308 SW 1.2 PureTech 130 immer noch ein sparsamer Benziner.

In Sachen Fahrerverhalten lässt sich dem Franzosen nicht Schlechtes nachsagen. Antriebs-Abstimmung, Federung und Getriebe sind ordentlich gemacht. Das Auto macht Freude beim Fahren, auch wenn es kein Sportler ist. Das Raumangebot überzeugt, lediglich die tiefe Sitzposition hinten bereitet beim Aussteigen vielleicht etwas Mühe. Die Bedienung bleibt es etwas umständlich, auch wenn man sich durchaus daran gewöhnt.

Der Peugeot 308 SW ist in der Summe ein gutes Angebot, auch weil preislich recht attraktiv positioniert ist. Ein vergleichbarer Golf liegt im Listenpreis um mindestens 2000 Euro höher. Ein gutes Angebot, zumal der Franzose durch den kleinen Motor auch im Unterhalt recht günstig ist. Peugeot 308 Kombi und Dreizylinder, das passt.

Stärken
Großzügiger Kofferraum

Kultivierter, relativ sparsamer Dreizylinder

Ordentliches Preis-Leistungsverhältnis


Schwächen

Motor wird brummig bei Volllast

Gewöhnungsbedürftige Bedienung

Normverbrauch kaum erreichbar


Konkurrenz
VW Golf Variant

Ford Focus Turnier

Opel Astra Sports Tourer

Technische Daten

Peugeot 308 SW Allure PureTech 130 GT-Line

Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,58/1,80/1,46 Meter
Leergewicht1420 Kilogramm
Kofferraumvolumen 610 / 1660 Liter
Maximale Zuladung420 Kilogramm
Sitzplätze5
Tankvolumen52 Liter
Motor

Reihen-Dreizylinder-Otto-Motor mit Direkteinspritzung und Abgasturbolader samt Kompression

Hubraum1199 Kubikzentimeter
Getriebe6-Gang-Handschaltgetriebe
Leistung (kW/PS)96/130
Drehmoment230 Newtonmeter bei 1750 Umdrehungen/Min
Beschleunigung 0 - 100 km/h10,0 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit199 km/h
Verbrauch laut Hersteller (innerorts/außerorts/kombiniert)5,9 / 4,0 / 4,7 Liter
Verbrauch im Test7,2 Liter
CO2-Emissionen / Effizienzklasse109 g/km / A+
Typklassen (KH/VK/TK)16/20/21
Preis als Basisfahrzeug24 800 Euro
Preis des Testwagens28 810 Euro

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

1 Kommentar

Neuester Kommentar