Fahrbericht Skoda Fabia : Der clevere VW Polo oder: Der fröhliche Skoda Fabia

Emotionaler, schlanker, fröhlicher: Der neue Skoda Fabia präsentiert sich in neuer Frische und in einem Bereich sogar als Klassenbester - wenn da nicht die Zusatzkosten wären...

Rainer Ruthe
Alles neu: Mit der neuen Form - flacher, breiter, scharfe Kanten - wirkt der knapp vier Meter lange Fünftürer nicht mehr so pummelig wie sein rundlicher Vorgänger.
Alles neu: Mit der neuen Form - flacher, breiter, scharfe Kanten - wirkt der knapp vier Meter lange Fünftürer nicht mehr so...Foto: Promo

Wie sich doch die Zeiten auch bei den Tschechen ändern. Praktisch war der Skoda Fabia schon immer. In seiner dritten Generation darf er nun auch sportlich und stylisch sein. Skoda macht seinem Slogan simply clever alle Ehre und passt sich dem aktuellen Trend an, indem man dem  Neuen einen gehörigen Schuss Emotion verpasst. Praktisch zu sein reicht heutzutage allein nicht mehr – und so darf der neue Skoda Fabia jetzt auch fröhlich sein. Sowohl innen als auch außen kann er individualisiert werden. Dach, Felgen oder Außenspiegel sind in verschiedenen Kontrastfarben lieferbar. Auch innen dürfen neue Farbkombinationen und Applikationen einziehen. Insgesamt sollen 105 Kombinationen möglich sein.

Und es geht sogar noch weiter: Wer will, kann sich und seine Lieben fotografieren und gegen kleines Geld auf eine Folie bringen und im Cockpit verewigen lassen. Der Praktiker wird zum Lifestyler. Wer hätte das vor diesem neuen Modell von einem Skoda gedacht?

Technisch ein großer Sprung für den Skoda Fabia

Im Gegensatz dazu erfreut das Cockpit dennoch etwas weniger. Es ist zwar aufgeräumt, übersichtlich, sehr gut verarbeitet, aber es besteht nur aus Hartplastik, selbst in der Topversion Style, die wir gefahren sind. Da durfte der technisch neuere Fabia wohl dem etwas älteren Polo haptisch nicht zu nahe auf die Pelle rücken.

Doch die Show ist nur die eine Seite. Auch technisch hat der Skoda Fabia einen großen Sprung gemacht. Die Tschechen durften beim Fabia dafür als Erster im großen VW-Konzern ran. Nämlich an den neuen Modularen Querbaukasten (MQB) des Konzerns für Kleinwagen, der viele neue Möglichkeiten bietet. Na ja, genau genommen ist es noch ein Mix aus neuem MQB und alter Skoda-Technik. Dennoch überrascht das Ergebnis. Der Skoda Fabia tritt selbstbewusst mit der neuen Formensprache des neuen Chefdesigners Josef Kaban auf: kantig, reduziert, aber markant.

Etwas lieblos: Der Innenraum des Skoda Fabia ist zwar aufgeräumt, übersichtlich, sehr gut verarbeitet, aber es besteht nur aus Hartplastik.
Etwas lieblos: Der Innenraum des Skoda Fabia ist zwar aufgeräumt, übersichtlich, sehr gut verarbeitet, aber es besteht nur aus...Foto: Promo

Neues Motorenangebot

Und mit ganz neuen Proportionen: Der neue Skoda Fabia wird 8 mm kürzer, aber 90 mm breiter und 31 mm flacher als der Vorgänger. Mit der neuen Form - flacher, breiter, scharfe Kanten - wirkt der knapp vier Meter lange Fünftürer nicht mehr so pummelig wie sein rundlicher Vorgänger. Weil er drei Zentimeter flacher wurde, griffen die Entwickler zu einem Trick: Die Vordersitze rutschten 2,5 Zentimeter nach unten. Schade, das einem SUV ähnliche bequeme Einsteigen ist nun passé. Da die Achsen nur um fünf Millimeter weiter auseinander gerückt sind – Radstand 2,47 Meter – blieben die Platzverhältnisse in etwa gleich. Doch schon der alte Fabia bot ja mehr Raum als andere Kleinwagen. Gewachsen ist der Kofferraum. Er bietet nun üppige 330 Liter Volumen. Neuer Klassenbestwert. Zum Vergleich:  Das sind nur fünf Liter weniger als ein viel größerer Volvo V40 zu bieten hat. Durch Umlegen der Rücksitzlehne lässt sich der Fabia-Kofferraum auf 1.150 Liter erweitern. Leider entsteht eine störende, sieben Zentimeter hohe Stufe.

Die neue MQB-Basis hat einen weiteren Vorteil: Der neue Skoda Fabia speckte um 65 Kilogramm ab, wiegt als Einstiegsmodell weniger als 1000 Kilogramm! Der überarbeitete Opel Corsa ist dreieinhalb Zentner schwerer. Zusammen mit den effizienteren Motoren ergibt das unterm Strich bis zu 17 Prozent weniger Verbrauch gegenüber dem Vorgänger. Unter der Haube stecken neu- oder weiterentwickelte Drei- oder Vierzylindermotoren. Vier Benziner von 60 bis 110 PS und zwei Diesel mit 90 und 105 PS. Alle mit Start-Stopp-System und Euro-6-Abgasnorm. Eine Siebengang-Doppelkupplungsautomatik ist jedoch nur für den 110-PS-Benziner  und für den 90-PS-Diesel für jeweils 1400 Euro lieferbar.

Geschmeidig: Der Dreizylinder gefällt mit seiner Laufruhe.
Geschmeidig: Der Dreizylinder gefällt mit seiner Laufruhe.Foto: Promo

Im Innersten fröhlich

Trotz seiner neuen ernsthaft wirkenden Kantigkeit, die dem Auto richtig gut steht, hat der Fabia im Innersten ein neues fröhliches Wesen bekommen. Denn er vermag es nun sehr gut, viel Spaß zu bereiten. Das Fahrwerk wurde grundlegend überarbeitet: tieferer Schwerpunkt, um drei Zentimeter verbreiterte Spur, geränderte Radaufhängungen und sorgsame Feinabstimmung. Laut Vlatislav Kozub vom tschechischen Entwicklerteam sind über 50 Stoßdämpferkombinationen gestestet worden,  bis die optimale gefunden wurde. So verlor der neue Fabia auch seine alte Schwäche. Jetzt federt er so elegant wie er soll und jetzt zeigt er eine Handlichkeit, die man zuvor nicht kannte. Und die neu entwickelte elektromechanische Lenkung vermittelt dem Fahrer exakt jene Präzision, die VW-Konzernautos noch immer ihrer koreanischen Konkurrenz voraus haben. So handlich-sportlich und dennoch so ausgewogen-komfortabel war noch kein Skoda Fabia zuvor. Das ist neuer Klassenstandard. Vorsicht Polo, Corsa und Co!

Selbst mit dem von Skoda neu entwickelten 75 PS starken Saugbenziner macht der Fabia viel Spaß. Dieser Dreizylinder (ab 12490 Euro), den wir gefahren sind, überrascht. Er ist zwar nichts für Sprintfetischisten, denn  von Null bis Tempo 100 lange 14,7 Sekunden, doch für den Alltag reicht dieses Triebwerk völlig aus, wenn man denn keine falschen Erwartungen hat. Gut,  bei langen Steigungen muss  aus dem fünften in den vierten Gang zurückschaltet werden, um  nicht zum Verkehrshindernis werden. Aber das war es dann schon.

Lenkung mit guter Rückmeldung an den Fahrer

Der Dreizylinder gefällt mit seiner Laufruhe, dreht geschmeidig hoch, wird nicht mal laut – und lässt sich sogar recht sparsam fahren. Er wird mit 4,8 Litern auf 100 Kilometern angegeben. Auf dem Bordcomputer stand am Ende ein Wert von 5,5 Liter. Sehr gut. Wer es flotter möchte, wählt den 90 PS starken 1.2er TSI. Mit seinem maximalen Drehmoment von 160 Nm, die konstant von 1400 bis 3500 Touren anliegen, ist ein kraftvoller Antritt gegeben. Mit diesem Vierzylinder sprintet dieser Fabia (ab 13740 Euro) in 10,9 Sekunden von 0 auf 100 und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 182 km/h. Und wie fährt sich der 90-PS-Fabia? Sehr gut.

Das trifft auch auf die Abstimmung des manuellen Fünfganggetriebes und der Lenkung zu, welche dem Fahrer eine gute Rückmeldung zur Straße gibt. Und wieviel genehmigt sich der 1.2 TSI? Am Ende der Testfahrten zeigte der Bordcomputer einen Verbrauch von 6,1 Litern an, angesichts unserer flotteren Fahrweise ein anständiger Wert.

Der Gesamtpreis kann steil ansteigen

Bei den Preisen sieht es zunächst auch sehr gut aus: Das neue Basismodell Fabia 1.0 MPi Active mit 60 PS und fünf Türen kostet mit 11.790 Euro nur 150 Euro mehr als der Vorgänger. Betrachtet man jedoch die verbesserte Ausstattung (jetzt Kopfairbags, Start-Stopp-System und 15-Zoll-Räder serienmäßig) ist der Neue sogar etwas günstiger geworden. Dafür hat man an anderer Stelle zugeschlagen. Nur noch Uniblau gibt es ohne Aufpreis; sogar die weiße Lackierung kostet nun 150 Euro extra.

Und je weiter man in seinen Ansprüchen nach oben geht (Leistung, Ausstattung) desto überproportional steiler steigt der Gesamtpreis an: Panoramadach, Touchscreen für Mirrorlink (das aber derzeit nur mit einem HTC-Smartphone funktioniert?!), Airbags fünf und sechs, Doppelkupplung (nur 110-PS-Benziner und 90-PS-Diesel) oder ein stärkerer Motor, oder... Im Nu landet man so jenseits der 22000-Euro-Schwelle  – und ist verdutzt. Auch in dieser Beziehung ist der neue Fabia eben ein echter Volkswagen geworden. Doch zum Konzernbruder Polo sind es noch immer einige Tausend Euro Respektabstand. Der neue Fabia ist also der clevere Polo.

PS. Nächstes Jahr geht es weiter: Dann folgt mit dem 75 PS starken 1,4-Liter-Diesel in der Green-Line-Version  der sparsamste Antrieb: nur 3,1 Liter. Mitte  2015 startet wieder eine LPG-Version mit dem 87 PS starken 1,4-Liter-Benziner, mit der man 100 Kilometer für nur fünf Euro fahren können wird. Billiger geht es kaum noch. Und im ersten Quartal 2015 kommt mit dem Fabia Combi der Knaller. Ein in dieser Klasse konkurrenzloses Auto mit stimmigem Design und einem unbezahlbaren Alleinstellungsmerkmal: extra viel Platz (530 bis 1395 Liter Volumen).

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