Praxistest Mazda CX-5 Skyactive D-175 : Anders reisen – und sogar besser?

Der Mazda CX-5 ist innerhalb weniger Jahre ein Bestseller für die Japaner geworden. Mit der stärksten Motorisierung empfiehlt sich das SUV auch als Gefährte für lange Reisen. Passt das zusammen? Der Praxistest.

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Hat gut lachen: Der Mazda CX-5 hat das größere SUV CX-7 fast vollkommen verdrängt und ist zu einem Aushängeschild der Japaner geworden.
Hat gut lachen: Der Mazda CX-5 hat das größere SUV CX-7 fast vollkommen verdrängt und ist zu einem Aushängeschild der Japaner...Foto: promo

Als der Mazda CX-5 vor gut zweieinhalb Jahren bei uns auf den Markt kam, war er der Hoffnungsträger. Nämlich das erste Modell der Japaner, das nach dem völlig neuen Konstruktionsprinzip Skyaktiv und in der neuen Designsprache Kodo entwickelt worden ist: markante Formen, leichtere Karosserie (100 Kilogramm weniger als beim Vorgänger), effizientere Motoren mit Euro 6 und Start-Stopp-Automatik (Benziner mit sehr hoher Verdichtung; Diesel mit sehr niedriger), moderne Fahrerassistenzsysteme.

Dieser neue Mazda CX-5 avancierte auf Anhieb zum Verkaufsrenner – und macht fortan dem Platzhirsch VW Tiguan heftig Konkurrenz. Nur dem Tiguan? SUV sind nicht ja nur auf Parkplätzen von Supermärkten zu Hause, sondern  auch auf Landstraßen und auf Autobahnen. Wir fuhren das absolute Topmodell, den Mazda CX-5 Skyactive 175 mit einem 175 PS starkem Diesel, Automatik und Allradantrieb. Ob der eine echte Alternative zu den Kilometerfresser-Kombis sein kann, klärt der Praxistest. 

Außen und Innen

Erst wenn man direkt vor dem CX-5 steht, erkennt man: Das ist schon eine stattliche Erscheinung. Dabei ist dieser SUV jeweils nur ein paar Zentimeter größer als der angepeilte Hauptkonkurrent VW Tiguan. Vor allem der gegenüber dem Niedersachsen zehn Zentimeter längere Radstand von 2,70 Metern des insgesamt 4,56 Meter langen Japaners zahlt sich aus: Im Fond herrschen fürstliche Platzverhältnisse. Da können sich auch Großgewachsene richtig bequem räkeln. So solide und zugleich sportlich, wie sich der Mazda CX-5 mit seinen geschwungenen Formen von außen gibt, so solide geht es auch im Innenraum zu. Satt schließen die Türen, und der Blick fällt nun auf ein Armaturenbrett mit hochwertigen Materialien und tadelsfreier Verarbeitung.  Alle Knöpfe und Schalter befinden sich da, wo man sie erwartet. Das neue Bediensystem lässt sich entweder direkt über den 5,8 Zoll großen berührungsempfindlichen Bildschirm, über Tasten am Lenkrad oder einen Multi-Dreh-Drücksteller nach Audi-Vorbild bedienen. Das funktioniert einfach und gut. Der Autor hat sich letztlich für die Lenkrad-Variante entschieden.

Sitzen und Laden

Dieser Mazda gehört zu jenen Crossover-Modellen, welche derzeit groß in Mode sind, weil man so bequem ein- und aussteigen kann und sich in seinem mobilen Hochsitz so in Sicherheit wähnt.  In dem von uns gefahrenen Topmodell Sports-Line bieten die elektrisch vielfach verstellbaren Vordersitze einen sehr guten Komfort. Die lange Sitzfläche stützt die Oberschenkel gut, und die Wangen sind so geformt, dass sie den Körper auch in mal schneller gefahrenen Kurven ordentlich abstützen. Auch im Fond gibt es keinen Anlass zu Klagen.

Der Mazda CX-5 Skyaktiv-D 17 Sportsline AWD ist das Spitzenmodell der Baureihe. Mit 175 PS und Allrad sorgt er für Fortkommen in allen Lebenslagen.
Der Mazda CX-5 Skyaktiv-D 17 Sportsline AWD ist das Spitzenmodell der Baureihe. Mit 175 PS und Allrad sorgt er für Fortkommen in...Foto: promo

Das Kofferraumvolumen (503 bis 1620 Liter) übertrifft das des VW Tiguan beträchtlich. Der bietet nur 470 bis 1510 Liter. Überraschung: Der wuchtig erscheinende CX-5 ist nicht schwerer als ein vergleichbarer VW Passat Variant! Überdurchschnittlich hoch fällt die Zuladung aus: 630 Kilogramm. Das reicht für alle Transportfälle. Das Gepäck muss zwar über eine 75 Zentimeter hohe Ladekante gewuchtet werden, doch dafür entschädigt ein schlaues Verstausystem, welches die Japaner Karakuri nennen: Ein Griff im Kofferraum genügt,  und die 40:20:40 geteilte Rücksitzanlage klappt per Federspannung automatisch so nach vorn, dass im Nu eine ebene Ladefläche entsteht. Automatisch schwingt zudem mit der Heckklappe auch die Gepäckraumabdeckung nach oben und ist so beim Laden nicht im Wege. Viel besser geht es nicht. Dank seiner möglichen Anhängelast von 2000 Kilogramm zieht der Allradler locker einen Pferdeanhänger.

Fahren und Tanken

Einen Rekord kann der CX-5 bereits vor dem Fahren verbuchen: Die Bedienungsanleitung ist stattliche 923 Gramm schwer und gut 1000 Seiten dick! Traut Mazda seinen Kunden so wenig zu? Denn die Bedienung des Autos erschließt sich einem auch ohne diese Bibel. Null Probleme. Trotz der  serienmäßig montierten 19-Zoll-Räder rollt der Mazda viel eleganter ab als ein zuvor getesteter Nissan Qashqai, bei dem die 19-Zoll-Räder zu einem hölzernen Anfedern führten. Der hohe und gewichtige Mazda fährt sich so handlich wie ein flacherer Pkw. In der Spezies der SUV gehört dieser Mazda zu den agilsten Vertretern. Dazu passt der drehmomentstarke Diesel, der auch ohne zusätzlichen Harnstoff-Katalysator die Euro-6-Abgasnorm erfüllt. Einen Fahrspaß der besonderen Art liefert der kultivierte 175-PS-Bulle dank seines stämmigen Drehmoments von 420 Newtonmetern: Er beeindruckt mit einem ebenso sämigen wie nachdrücklichen Durchzug in allen Lebenslagen. Und die Sechsstufenautomatik wechselt die Gänge ruckfrei, bedarfsgerecht und so unauffällig wie ein guter englischer Butler. Selbst bei Tempo 150 legt der Mazda CX-5 noch druckvoll an Fahrt zu: unspektakulär, kultiviert, engagiert. So fährt man flott und dennoch recht sparsam. Zum Sparen trägt ebenfalls das schnelle Start-Stopp-System i-stop bei. Es hat eine Besonderheit. Nur wenn fest auf das Bremspedal getreten wird, stellt i-stop den Motor ab. Lässt man ein wenig los, springt sofort der Motor an. Den Dreh hat man schnell raus.

Alles am rechten Fleck: An Cockpit und Interieur gibt es wenig auszusetzen. Bedienung, Materialien und Verarbeitung passen.
Alles am rechten Fleck: An Cockpit und Interieur gibt es wenig auszusetzen. Bedienung, Materialien und Verarbeitung passen.Foto: promo

Der reale Verbrauch in diesem hohen Auto hängt stark vom rechten Fuß ab. Wer sich zurück hält, selten über Landstraßentempo 100 fährt, wird mit sehr guten Verbrauchswerten von 5,5 Litern belohnt. Wer hingegen auf der Autobahn, noch dazu mit voller Zuladung, deutlich über 150 km/h fährt, muss in diesem Auto mit seiner großen Stirnfläche von 2,6 Quadratmetern und seinem stattlichen Gewicht von 1,5 Tonnen schon mit Werten um die neun Liter rechnen. Dennoch ist dieses SUV ein höchst veritables Autobahn-Langstreckengefährt der anderen Art, aus dem man auch nach 500 Kilometern so entspannt aussteigt wie unsere Vorfahren nach einer 25-Kilometer-Fahrt aus einer bequemen Kutsche. Im Schnitt kamen wir auf der insgesamt 1700 Kilometer langen Testfahrt mit forschen Autobahnstücken auf einen Praxisverbrauch von 6,8 Litern Diesel, 1,3 Liter über dem unrealistischen Normwert von 5,5 Litern.

Hören und Sehen

Der CX-5 gehört zu den Leisen unter den SUV. Mit den Abrollgeräuschen der 19-Zoll-Räder kann man im Alltag sehr gut leben. Erstaunlicherweise wird dieses Auto immer leiser,  je schneller gefahren wird. Den kultiviert laufenden Diesel überlagern auf der Autobahn ab 120 km/h die Windgeräusche, welche sich jedoch stets erfreulicherweise im Rahmen halten. Bei diesem Selbstzünder benötigt man nur selten die Kickdown-Funktion; gleichmäßig, aber mit Nachdruck schiebt er den Mazda CX-5 an – und bleibt dabei stets zurückhaltend im Ton. Selbst beim Ausdrehen,  was er sogar mag, bleibt der Vierzylinder auf der kultivierten Seite. Locker dreht dieser Selbstzünder bis auf 5000 Touren hoch. Da triff es sich gut, dass die im Testwagen serienmäßige Bose-Soundanlage mit neun Lautsprechern exzellent klingt. Vorausgesetzt, man hat auch die passenden CDs oder den richtigen USB-Stick für die Reise eingepackt.

Im großen Mazda genießt man einen freien Blick nach vorn über die gut einsehbare Motorhaube zum Peilen bei Rangiermanövern. Schräg nach hinten ist die Sicht etwas schlechter, doch das kompensiert  die sehr gute Rückfahrkamera mit den hilfreichen Einparklinien.

Wählen und zahlen

Los geht es beim Mazda CX-5 bereits bei 23990 Euro für das frontgetriebene Modell mit 165-PS-Benziner und Basisausstattung Prime-Line,  die eigentlich alles Nötige an Bord hat. Das entsprechende Diesel-Modell mit 150-PS-Selbstzünder ist allerdings gleich 2100 Euro teurer. Empfehlenswert ist die mittlere Ausstattungslinie Center-Line. Erst für sie können verschiedene Fahrerassistenzsysteme sowie der elektronische geregelte Allradantrieb mit einem klassenüblichen Aufschlag von 2000 Euro geordert werden. Die günstigsten Allradversionen beginnen beim Benziner bei 28 990 Euro und beim Diesel bei 31 090 Euro. Kaum eine Wahl mehr gibt es bei dem von uns gefahrenen CX-5 mit dem großen 175 PS starken Diesel. Den gibt es nämlich nur in der Topversion Sports-Line und nur in Verbindung mit Allradantrieb. Mit Schaltgetriebe ab 36 290 Euro, mit der neuen Sechsstufenautomatik 2000 Euro teurer. Da ist dann aber alles schon an Bord, was gut und bei anderen teuer ist, bis hin zu Ledersitzen, Navigationsgerät, 19-Zoll-Alurädern, City-Notbremsassistent, Spurwechselassistent, Bose-Anlage mit neun Lautsprechern und, und, und...Eigenartigerweise aber keine Bi-Xenon-Hauptscheinwerfer. Die kosten im Paket 1100 Euro. Und LED-Tagfahrlicht gibt es auch nur gegen Aufpreis; ab 400 Euro. Serienmäßig sind nicht mehr zeitgemäße Funzellampen.

Gutes und Schlechtes

Nach unserem Praxistest über gut 1700 Kilometer steht fest: Das Japan-SUV ist eine interessante Alternative zum Kombi. Man bekommt das nostalgische Gefühl, in einer neuzeitlichen Kutsche zu fahren und über den Dingen zu sitzen. In der zweiten Etage reist es sich irgendwie freier. Der Mazda CX-5 lässt lange Reisen zu einer richtig angenehmen Angelegenheit werden. Und für ein Crossover-Modell ist der CX-5 sehr sportlich ausgelegt, ohne dass man deswegen große Komforteinbußen in Kauf nehmen muss. Der Mazda CX-5 kann in der Tat der etwas andere Reise-Kombi sein.

Stärken

Toller Antrieb

Sehr handlich für ein SUV

Hohe Zuladung

Schwächen

Kleiner 58-Liter-Tank

Großer Wendekreis

Wartung alle 12 Monate

Die Konkurrenz

VW Tiguan

Ford Kuga

Jeep Cherokee

Technische DatenMazda CX-5 Skyaktiv-D 17 Sportsline AWD
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe) 4,55/1,84/1,71 Meter
Leergewicht

1656 Kilogramm

Kofferraumvolumen

503 Liter

Maximale Zuladung

630 Kilogramm

Sitzplätze5
Tankvolumen

58 Liter

MotorVierzylinder-Diesel-Turbo-Motor mit zwei oben liegenden Nockenwellen, Kettenantrieb, Start-Stopp-Automatik
Hubraum

2191 Kubikzentimeter

Getriebe6-stufiges Wandlergetriebe
Leistung (kW/PS)

129/175

Drehmoment

420 Newtonmeter bei 2000 Umdrehungen/Min

Beschleunigung 0 - 100 km/h

9,4 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit

204 km/h

Verbrauch laut Hersteller (innerorts / außerorts / kombiniert)

6,4/4,9/5,5 Liter

CO2-Emissionen/Effizienzklasse

144 g/km / B

Verbrauch im Test

6,8 Liter

Typklassen (KH/VK/TK)

17 / 23 / 23

Preis als Basisfahrzeug

35 990 Euro

Preis des Testwagens

39 840 Euro

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