Fahren mit Behinderung : Der Weg ist das Ziel

Nicht alle Menschen sind in der Lage, Serienautos zu fahren. Mit individuellen Umbauten wird Menschen mit Mobilitätseinschränkung geholfen.

Eric Metzler

Wenn Stefan Hahn aus seinem Ford C-Max aussteigt, beginnt das Staunen: Der junge Mann ist tatsächlich selbst gefahren? Mit verstümmelten Armen? Hahn lächelt: „Ist doch kein Ding.“ In der Tat sitzen in Deutschland mehr behinderte Autofahrer am Steuer, als Nichtbehinderte annehmen. Weit mehr als eine Million „Menschen mit Mobilitätseinschränkungen“ nutzen die technischen Möglichkeiten, die im Zusammenspiel von Autoherstellern und Ausrüstern realisiert werden.

Im Falle von Stefan Hahn sind diese Möglichkeiten beeindruckend: Er steuert seinen Kompaktvan nicht über das Lenkrad, sondern über einen Joystick, der kleinste Drehungen in große Lenkbewegungen umsetzt. Andere Funktionen, für die Nichtbehinderte ihre Hände benutzen, löst Hahn über einen Bipper aus, einen Knopf, der mit dem linken Fuß gedrückt wird. Da Hahn nur am Oberkörper eingeschränkt ist, bremst und beschleunigt er ganz normal über die Pedale. Doch Lösungen gibt es natürlich auch für Behinderte, die von Geburt an, durch Krankheit oder nach Unfällen nicht mehr aus eigener Kraft laufen können: Handsteuerungen für Gas und Bremse zählen zu den gängigsten Angeboten – genauso wie automatische Verladehilfen für den Rollstuhl.

Die individuell beste Lösung finden die Betroffenen im Gespräch mit Ausrüstern, die sich darauf spezialisiert haben, geeignete Serienautos umzubauen – so wie der Mittelständler Paravent, der im schwäbischen Aichelau Hahns C-Max angepasst hat. Parallel dazu wurde der junge Mann in einem dreiwöchigen Training auf den Fahralltag vorbereitet. Paravent wächst seit Jahren, weil der Bedarf wächst; sei es wegen des medizinischen Fortschritts oder des demografischen Wandels. Wie Behinderte wollen auch ältere Menschen unabhängig und frei ihr Leben gestalten, so lange es geht. Und wenn es um den Beruf, soziale Kontakte und kulturelle Angebote geht, leistet das Autofahren oft den entscheidenden Beitrag zur Teilhabe.

So wie Stefan Hahn fahren zehntausende Menschen mit Behinderung mit dem Auto zur Arbeit – als Fahrer oder Beifahrer. Beides ist oft nur mit umgebauten Fahrzeugen möglich, und die kosten teils das Doppelte der Serienausführung. Deshalb hilft der Staat. Wie hoch die Zuschüsse im Einzelfall sind, entscheidet die Bundesagentur für Arbeit. Drei Voraussetzungen sind entscheidend: a) muss der behinderte Antragsteller dauerhaft auf einen Wagen angewiesen sein, um einen Beruf ausüben zu können; b) darf die Arbeitsstelle für den Behinderten auf anderem Wege nicht zu erreichen sein; und c) muss der Antrag gestellt werden, bevor die Umbauten in Auftrag gegeben werden. Bei Stefan Hahn hat die Förderung zum gewünschten Ergebnis geführt: Die Rechnung von Paravent wurde von der Arbeitsagentur komplett übernommen.

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