Fahrrad-Messen in Berlin : Schöner radeln

Berlin ist für eine Woche die Nabe der Rad-Welt: Am Montag starteten „Bicycle-Week“ und „Fahrradschau“ mit großem Programm.

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Schauen, was läuft. Die Bicycle Week präsentiert die vielfältige Rad-Szene.
Schauen, was läuft. Die Bicycle Week präsentiert die vielfältige Rad-Szene.Foto: Promo

Urbane Radkultur in all ihren Facetten zu zeigen – dies Ziel hat sich die „Berliner Fahrradschau“ gesetzt. Weil dafür in einer Stadt wie Berlin ein Messewochenende kaum genügt, versammelten die Macher im vergangenen Jahr kurzerhand alle Gleichgesinnten unter dem Dach der Berlin Bicycle Week, einem einwöchigen Festival rund ums Rad und die Leute, die es lieben. Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr geht das Format nun am Montag mit mehr als 60 Veranstaltungen in seine zweite Runde.

Ausstellungen, Workshops, Filme und Showeinlagen sollen zeigen, dass das Fahrrad mehr ist als nur ein Fortbewegungsmittel. Mehrere Teststrecken und Geschicklichkeits-Parcours laden das Publikum zum Schauen und Ausprobieren ein. Bei ungewöhnlichen Rennformaten wie den Singlespeed-Cyclocross-Europameisterschaften oder dem legendären „Rad Race“ kommen vor allem Radsportfans voll auf ihre Kosten. Sogar internationale Radprofis geben sich bei den Berliner Wettkämpfen die Ehre und wer will, kann sich mit ihnen messen.

Den Höhepunkt markiert natürlich die „Berliner Fahrradschau“, die am kommenden Freitag um 18 Uhr ihre Pforten öffnet. Die Fahrrad- und Lifestyle-Messe in der Station am Gleisdreieck gilt als Trendbarometer der Branche und Pflichttermin für Rad-Enthusiasten. Im vergangenen Jahr lockte sie fast 20 000 Besucher. Mehr als 300 Aussteller warten nun auf den Ansturm, darunter internationale Firmen wie Specialized und Cannondale, aber auch Trend-Manufakturen wie Schindelhauer, Brooks und van Moof.

In sechs „Areas“ können die Besucher Räder, Accessoires und Komponenten kaufen oder auf dem Fahrradflohmarkt nach seltenen Ersatzteilen stöbern. Die Messebereiche widmen sich dem Radsport (Ambition), der Fahrradmode (Velo Couture), dem Pedelec-Hype (E-Mobility), Trends und Innovationen (Urban Lifestyle) und dem Radtourismus (Travel & Tour). Freunde des Handwerks kommen in der Kategorie „Handmade“ auf ihre Kosten. Hier zeigen mehr als 30 Rahmenbauer – viele aus der Region – ihre jüngsten Kreationen. Eine Experten-Jury verleiht Preise für die besten Arbeiten.

Die Fahrradmesse geht bereits in ihre siebte Runde, versucht aber, ihr alternatives Image zu bewahren. Vom Comeback des Hochrads bis zum konspirativen Fahrradrennen in Altbauwohnungen – an verrückten Ideen mangelt es in der Fahrrad-Community offenbar nie. Die Berlin Bicycle Week bringt sie zusammen.

"Testival" auf dem Tempelhofer Feld

Los ging es am Montag mit der Eröffnungsparty im Gestalten-Verlag, der zu diesem Anlass eine Designerrahmen-Ausstellung organisiert hat und den Bildband „Velo 3rd Gear“ präsentiert, in dem es um Fahrradkult aus aller Welt geht.

Die lange Nacht der Bike-Shops dagegen zollt vor allem der Berliner Szene Tribut, die von vielen leidenschaftlichen Fachleuten mitgeprägt wird. Viele Geschäfte und Werkstätten sind nicht mehr aus ihren Kiezen wegzudenken. In Zeiten des Online-Handels müssen sie jedoch ums Überleben kämpfen. Mehr als 20 Läden verlängern während der Berlin Bicycle Week ihre Öffnungszeiten und locken die Kundschaft mit Sonderangeboten und Veranstaltungen in ihre Räume.

Auf dem „Testival“ auf dem Tempelhofer Feld haben die Besucher ab kommendem Freitag zudem die Möglichkeit, ein breites Angebot an Rädern aller Preisklassen und Gattungen ausgiebig zu testen.

Der Tourismus-Spezialist „Berlin on Bike“ bietet in Kooperation mit verschiedenen Pedelec-Herstellern außerdem täglich geführte E-Bike-Touren entlang der Berliner Mauer an. Für 19 Euro können sich die Teilnehmer von dem Fahrgefühl moderner Pedelecs elektrisieren lassen.

Zum ersten Mal beschäftigt sich die Berlin Bicycle Week in diesem Jahr am Rande auch mit den gesundheitlichen Vorzügen und Herausforderungen der unmotorisierten Fortbewegung. Unter der Überschrift Holistic Cycling – was ganzheitliches Radfahren bedeuten soll – gibt BMX-Star Timo Pritzel einen Yogakurs und es finden Meditations- und Ernährungs-Workshops statt.

In den Messehallen regieren derweil Sport und Action. Beim Pump Battle etwa jagen die Fahrer ihre BMX- und Mountain-Bikes über Bodenwellen und durch enge Kurven. Beim Bike Trials Cup wiederum müssen die Wettkämpfer ihr Rad über einen anspruchsvollen Parcours steuern. Auf Hinter- oder Vorderrad balancierend springen die Athleten von Hindernis zu Hindernis und rollen über schmale Balken, ohne den Fuß vom Pedal zu nehmen. Auf dem Bike-Polo-Feld daneben liefern sich Teams aus ganz Deutschland einen Schlagabtausch der besonderen Art.

Velo-Messe startet erst am 16. April

Auch professionelle Rad-Artisten zeigen in ihren Showeinlagen, dass man mit einem Rad mehr als nur fahren kann. Die Break-MX-Show von Chris Böhm und Sebi Jaeger etwa verbindet BMX-Akrobatik mit Breakdance-Choreografien. Am nächsten Sonntag um 15 Uhr will Böhm einen Weltrekordversuch unternehmen. Aus der Fahrt will der junge Mann in den Kopfstand übergehen und 30 Headspins in 30 Sekunden hinlegen.

Bei den Ritterspielen „Bärlin Pedäl Bättle“ sind Regelwerk, Disziplinen und Begleitprogramm an die mittelalterlichen Turniere angelehnt. Beim Tjosten, dem Lanzenreiten, versuchen sich die Kämpen gegenseitig vom Stahlross zu stoßen. Das ist natürlich alles nur Show. Und danach können sich die Zuschauer selbst einmal in einer harmloseren Disziplin wie dem Ritzelstechen versuchen, während der Nachwuchs eine Runde im Streitwagen dreht.

Mit ihrem „Kinderkiez“ macht sich die Fahrradschau jedes Jahr bei jungen Familien beliebt. In dieser Halle können die Kleinen unter professioneller Betreuung toben, spielen und natürlich Rad fahren. Dieses Jahr wird schon zum zweiten Mal ein Pokal für den schnellsten Laufrad-Champion vergeben.

In der vergangenen Saison musste sich die „Berliner Fahrradschau“ ihr Publikum noch mit der Konkurrenzmesse Velo teilen. Dass beide Veranstalter denselben Termin wählten, hatte viele Aussteller verärgert. Denn vor allem kleine Unternehmen mussten daraufhin auf einen Messeauftritt verzichten. Dieses Jahr erhielt nun die Fahrradschau den Vortritt. Sobald die Radsaison dann etwas an Fahrt aufgenommen hat, ist die Zeit reif für die Velo. Berlins zweite große Fahrradmesse startet am 16. April.

Alle Infos: www.berlinbicycleweek.com und www.berlinerfahrradschau.de

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Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


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