Das richtige Fahrrad für Senioren : Antrieb für die Gesundheit

Elektro-Fahrräder bieten Senioren neue Möglichkeiten für die Fortbewegung auf zwei Rädern. Vor allem sollte das Rad passen, damit der Spaß nicht zu schnell vergeht.

David-Emanuel Digili
Nur nicht am Bedarf vorbei kaufen. Sonst vergeht der Spaß mit Rad sehr schnell.
Nur nicht am Bedarf vorbei kaufen. Sonst vergeht der Spaß mit Rad sehr schnell.Foto: pd-f

Der Vater einer Bekannten war es, der mich neulich darauf hinwies: "Schau mal, mein neues Rad. Sportlich, oder?" Die Höflichkeit verbat es mir, den Nutzen eines sportlichen Fahrrads für einen Herrn Ende 70, in gesetztem Alter also, infrage zu stellen. Recht hatte er zwar, sportlich war es zweifellos, schien dann aber doch eher in den Bereich fitnessaffiner Junggroßstädter zu fallen. Die Vorstellung, dass der Vater meiner Bekannten auf dem Sportrad eine gute Figur abgeben könnte, lag mir eher fern. Der Herstellername wird an dieser Stelle aus Diskretionsgründen verschwiegen.

Dabei hätte es so viele Alternativen gegeben – der Fahrradmarkt für Senioren bietet so viele Möglichkeiten wie nie. Fad sahen sie früher aus, die Velos für fortgeschrittene Semester, fast schon bieder. "Das typische Seniorenrad in Form eines trägen City-Bikes mit tiefem Einstieg und wenig Innovation gibt es so kaum mehr auf dem Markt", bestätigt Fachbuchautor Gunnar Fehlau. "Im gleichen Maße, wie sich Lebensstil und Lebensgefühl der Senioren verändert haben, hat sich auch die Radtechnik diversifiziert." Die klassische Dreigang-Nabe muss es schon lange nicht mehr sein.

E-Bikes optimal für gleichmäßiges Training

Tatsächlich gibt es auf dem Fahrradmarkt verschiedenste Optionen, die auch speziellen Anforderungen gerecht werden. Dabei spielt gerade die vertraute Bedienung und ein gewohntes Umfeld eine besondere Rolle: "Speziell für Senioren kommen viele Fragen ins Spiel", sagt René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). Körperliche Einschränkungen zum Beispiel: Wer zum Aufsteigen das Bein nicht mehr so leicht über den Sattel schwingen kann, greift lieber auf einen Tiefeinsteiger zurück, denn bei denen fällt das Auf- und Absteigen leichter, erklärt der Fachmann. Außerdem helfe eine aufrechte Sitzposition die Übersicht im Verkehr zu behalten.

Technische Verstärkung: Der E-Motor kann helfen Hügel und Gegenwind ohne Überanstrengung zu überwinden.
Technische Verstärkung: Der E-Motor kann helfen Hügel und Gegenwind ohne Überanstrengung zu überwinden.Foto: pd-f

Zu viele Extras könnten dabei vermeidbare Probleme bedeuten. „Was nützt die beste Bremsanlage, wenn der Umgang ungewohnt ist oder gar abschreckt?", ergänzt Victoria Arnold vom renommierten Schweizer E-Bike-Hersteller Flyer. Ohnehin stünden Elektroräder bei Senioren hoch im Kurs. Die Vorteile liegen auf der Hand: Zusätzlicher Schub auf Wunsch, Entlastung in schwierigen Passagen, gemäßigter Reha-Einstieg für Rekonvaleszenten. "Selbst bei Gegenwind, in hügeligen oder bergigen Gegenden kann man mit E-Bikes im persönlich optimalen Belastungsbereich bleiben", erklärt Dr. Achim Schmidt von der Deutschen Sporthochschule Köln. Hersteller wie Felt, Riese und Müller oder auch Velotraum punkten gerade über Pedelecs – Räder, die Unterstützung durch einen zuschaltbaren Elektroantrieb bieten, mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern. "Wer über den Kauf eines Pedelecs nachdenkt, sollte allerdings beachten, dass das Gewicht deutlich höher ausfällt als bei herkömmlichen Rädern", merkt Filippek an. "Es sollte deshalb ein sicherer, ebenerdiger Abstellplatz zur Verfügung stehen." Es mache wenig Freude, die 25 bis 30 Kilogramm Treppen hoch- und runterzutragen.

Besuch beim Fachhändler lohnt sich

Bezeichnend, dass gerade in der Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen der Bekanntheitsgrad von Elektrorädern am höchsten ist: 97 Prozent der Befragten im "Fahrrad-Monitor 2013" äußerten sich positiv, 58 Prozent waren an einem Kauf interessiert. Der Trend wird von Händlern aufgegriffen: Das "Radhaus" bietet in seinen Filialen ausführliche Beratungen, die "Fahrradstation" weiterführende Infos auf der Homepage. Das Angebot ist groß, die Preisspanne allerdings auch: Zwischen 650 und 4000 Euro sind Elektroräder zu haben. Die Leistung des Motors und die Kapazität des Akkus sind die wichtigsten Kriterien.

"Bevor man in den Laden geht, sollte man seinen Bedarf kennen", sagt ADFC-Mann Filippek. Wofür brauche ich das Rad? Alltagswege, den Einkauf oder für Touren? Wie viel Geld will ich investieren? Der Experte empfiehlt den Kauf in einem Fachgeschäft. In fachfremden Märkten könne man sich nicht auf eine richtige Montage verlassen. Zudem gebe es keine Beratung oder Service. "Der höheren Preis beim Fachhändler lohnt sich", sagt Filippek. Gerade die Alltagstauglichkeit von Rädern werde oft falsch eingeschätzt. Und dann verfliegt die Freude am neuen Velo leider viel zu schnell.

Checkliste: Darauf ist zu achten

BERATUNG

Der Service in spezialisierten Geschäften ist konkurrenzlos, kann genau auf die eigenen Vorstellungen eingehen und bietet zudem eine fachgerechte Montage des Rads.

GESUNDHEIT
Körperliche Einschränkungen bedenken - oft sind Tiefeinsteiger die komfortablere Lösung. Eine aufrechte Sitzposition hilft, im Verkehr die Übersicht zu behalten.

BEDIENBARKEIT

"Jedes Rad sollte zur Probe gefahren werden", rät René Filippek vom ADFC. "So kann festgestellt werden, ob alles gut zu bedienen ist und man sich auf dem Rad wohlfühlt. Dazu gehören auch die Form des Lenkers und der Griffe. Passt es nicht optimal, kann der Händler oft Anpassungen vornehmen."

TECHNIK

Verzicht auf wartungsintensive, aufwändige Komponenten ist ratsam: „Eine Nabenschaltung braucht wenig Pflege und reicht in der Stadt völlig aus“, sagt Filippek. „Hydraulische Bremsen reduzieren die Bedienkräfte. Eine starre Gabel, kombiniert mit einem breiten Reifen, der mit weniger Luftdruck gefahren wird, ist in jedem Fall empfehlenswerter.“

GEWICHT
Besonders Pedelecs sind durch ihre Konstruktion und den eingebauten Motor deutlich schwerer als Allround-Bikes. Steht kein Abstellplatz auf ebener Erde zur Verfügung, ist zum Verstauen in der Wohnung ein leichtes Rad empfehlenswerter als die 25-30 Kilogramm schweren E-Bikes. „Es macht wenig Freude, dieses Gewicht Treppen rauf- und runterzutragen“, warnt Filippek.

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