Integralhelm Shoei GT-Air im Test : Enger und mit Spoiler

Mit drei verschiedenen Helmschalen geht der Shoei GT-Air an den Start. Außerdem soll ein integrierter Spoiler für mehr Aerodynamik sorgen. Wir haben den neuen Integralhelm aus Japan mal auf die Probe gestellt.

Fred Zagrodnik
Der neue Integralhelm Shoei GT-Air ist seit März in Deutschland in sechs Endgrößen von XS bis XXL erhältlich.
Der neue Integralhelm Shoei GT-Air ist seit März in Deutschland in sechs Endgrößen von XS bis XXL erhältlich.Foto: Motorrad-Presse.com

Mit dem GT-Air hat der japanische Hersteller Shoei im März 2013 einen vollständig neuen Integralhelm auf dem deutschen Markt eingeführt. Folgende Informationen stellt der Hersteller zu diesem Modell zur Verfügung: "Der Helm kommt mit einem radikal neuen Design inklusive einem integriertem Spoiler für optimale aerodynamische Performance daher. Die sechs Endgrößen (XS-XXL) werden aus drei Schalengrößen gefertigt, so dass der Helm immer so kompakt wie möglich gebaut ist. Und selbstverständlich ist der Helm mit allen von Shoei bekannten Features ausgestattet – von einer perfekten Belüftung über optimalen Tragekomfort mit herausnehmbarem und waschbarem Innenpolster, einem extra großen Sichtfeld bis hin zum geringen Helmgewicht – der GT-Air ist ein Shoei at it’s best!"
Während die meisten Helmhersteller zwei Schalengrößen verwenden, bei denen die individuelle Größenanpassung mit unterschiedlich dimensionierten Innenpolstern vorgenommen wird, setzt nun Shoei bei seinem neuen Integralhelm auf sogar drei verschieden große Helmschalen. Davon kann man sich ein kleines Sicherheitsplus, vor allem aber gerade bei den kleineren Größen einen Gewichtsvorteil erhoffen. Herausnehmbare und waschbare Innenpolster zählen dagegen mittlerweile zum Standard und dürfen insbesondere in dieser Preisklasse auch erwartet werden. Der Stoff fühlt sich aber sehr angenehm, wertig und hautfreundlich an und macht Lust auf ausgiebige Tagestouren.

Einstieg ist eng
Optisch fällt sofort der Heckspoiler auf, der die Aerodynamik verbessern soll. Wir sind gespannt, ob wir das Potenzial dieser Konstruktion auf unseren Tourenmotorrädern ausreizen können. Vorstellbar ist aber auch, dass sich dieses Feature erst bei höheren Geschwindigkeiten und auf weniger umfangreich verkleideten Sportmaschinen bemerkbar macht. Wir freuen uns in jedem Fall über das integrierte Sonnenvisier, das sich auch stufenlos und bequem mit der linken Hand am Halsende des Helmes mit einem Schieberegler nutzen lässt.

Dank des schmalen Schnitts finden auch Personen mit kleinen Köpfen bequem die passende Größe.
Dank des schmalen Schnitts finden auch Personen mit kleinen Köpfen bequem die passende Größe.Foto: Motorrad-Presse.com

Als eingefleischter und jahrelanger Nutzer von Klapphelmen fiel mir beim Aufsetzen des GT-Air natürlich sofort der enge Einstieg auf: Während ich es gewöhnt bin, meinen Helm ganz leicht und gegebenenfalls auch ohne meine Brille absetzen zu müssen überzustülpen, wurde der erste Versuch gleich zu einer Gefahr des Ohrenverlustes: Der Halsausschnitt des GT-Air erscheint mir besonders knapp geschnitten, so dass sich ein behutsames Aufsetzen empfiehlt, wenn einem die eigenen Ohren noch etwas wert sind. Unter hämischem Grinsen meiner Integralhelm nutzender Kollegen startete ich einen zweiten, wesentlich erfolgreicheren Versuch und erkannte sofort, welchen Vorteil dieser enge Schnitt in sich birgt: Das Helmpolster schmiegt sich am Halsausschnitt geradezu an und verspricht mit dieser fast luftdicht anmutenden Passform eine gute Geräuschdämmung. Das Ratschenschloss wiederum wirkt auf den ersten Blick irgendwie nicht so ganz Vertrauen erweckend, verrichtet dann aber während der gesamten Testphase und den damit zusammenhängenden Fahrten bei ganz unterschiedlichen Geschwindigkeiten tadellos seinen Dienst und zeigte keinerlei Schwächen oder Unsicherheiten.

Schmaler geschnitten
Angezogen wirkte der zuvor so angenehme Polsterstoff auf der Gesichtshaut plötzlich fast ein wenig grob und rau. Ob ich damit auch längere Touren aushalten werde? Und überhaupt, wird doch von vielen Motorradfahrern von typischen "Schuberth-Köpfen" oder "Shoei-Köpfen" gesprochen, die es geben soll. Wird mir der GT-Air überhaupt passen? Sehr schnell bin ich dann ganz froh, dass mir der Hersteller ein Exemplar in Größe 58 zur Verfügung gestellt hat, wo ich doch sonst eher 56/57 benötige. Tatsächlich ist der GT-Air etwas schmaler geschnitten, als ich es ansonsten von meinem Alltags-Helm gewöhnt bin, so dass mir das etwas größere Modell recht gut passt. Personen mit schmalen Köpfen werden hier also besonders gute Chancen haben, einen gut passenden Helm zu finden.

Der GT-Air verfügt über ein stufenlos verstellbares Sonnenvisier sowie ein 7-fach rastendes Hauptvisier.
Der GT-Air verfügt über ein stufenlos verstellbares Sonnenvisier sowie ein 7-fach rastendes Hauptvisier.Foto: Motorrad-Presse.com

Schon auf den ersten Metern freute ich mich über das stufenlos verstellbare Sonnenvisier: Die Luft war nicht ganz klar an diesem Tag und so reicht es aus, das Sonnenvisier nur wenige Zentimeter weit herauszufahren, damit die Sonne nicht direkt in die Augen hinein strahlte. Eine vollständige Verdunklung der Sicht wäre an diesem Tag nicht notwendig gewesen. Auch das in insgesamt 7 Stufen rastende Hauptvisier weiß ich schnell zu schätzen: Nachdem es morgens noch empfindlich kühl gewesen ist und ich die Windzufuhr durch Schließen des Visiers bewusst eingedämmt hatte, erwärmte sich die Lufttemperatur im Laufe des Tages und rief damit nach einer immer weiter gesteigerten Luftzufuhr. Dazu trugen auch die guten Belüftungsmöglichkeiten an der Helmoberseite sowie dem Kinnteil bei.

Wirklich leise
Während der Probefahrten mit verschiedenen Motorrädern lag der Shoei GT-Air sehr ruhig im Fahrtwind. Auch bei höheren Geschwindigkeiten auf weniger verkleideten Motorrädern gab es kein Ruckeln oder Reißen am Helm, auch nicht bei den vor Fahrspurwechseln notwendigen Kontrollblicken zur Seite und nach hinten. Begleitet wurde dieses ruhige Fahrverhalten auch von akustischer Ruhe: Infolge seiner eng anliegenden Passform handelt es sich bei dem GT-Air um ein wirklich leises Exemplar, auch wenn die ansonsten von mir bevorzugten Klapphelme insoweit konstruktionsbedingt nur eingeschränkt als Referenz geeignet sind. Das Helmpolster erwies sich im Verlauf einiger Ausfahrten über viele Stunden ebenfalls als unproblematisch und angenehm.

Damit ist dem Hersteller Shoei mit seinem ersten Integralhelm mit integrierter Sonnenblende wieder mal ein Coup gelungen: Der recht leichte, sehr leise und bequeme Integralhelm mit stufenlos verstellbarem Sonnenvisier, 7-fach rastendem Hauptvisier und der bekannt guten Verarbeitung weiß im Praxistest vollauf zu überzeugen. Allerdings gibt es dieses Gesamtpaket nicht zum Schnäppchenpreis: Knapp 500 Euro müssen derzeit für den GT-Air einkalkuliert werden, wobei dann auch noch die Zusatzkosten für ein Pinlock-Visier einzuplanen sind. Damit ist dann auch der Kostenumfang der einzige Bereich bei diesem Helm, der nicht wirklich zu Begeisterungsausrufen führt. Wer bereit ist, sein Portemonnaie so weit zu öffnen, trägt dann aber künftig ein feines Mützchen auf seinem erhobenen Haupt. (motorrad-presse.com)

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