Radfahren im Herbst : Zehn Tipps für die nasskalte Jahreszeit

Die Tage werden kürzer, die Straßen sind voller Laub und dazu ständig Regen: Fahrradfahren im Herbst kostet mitunter viel Überwindung und ist anspruchsvoll. Radler sollten der nassen Jahreszeit deshalb nicht ohne Vorbereitung entgegenradeln.

Tom Nebe
Mit Regenschutz und Beleuchtung durch die nasskalte Jahreszeit: Radler sollten ihren Drahtesel rechtzeitig fit für den Herbst machen. Foto: dpa-tmn
Mit Regenschutz und Beleuchtung durch die nasskalte Jahreszeit: Radler sollten ihren Drahtesel rechtzeitig fit für den Herbst...Foto: dpa-tmn

Rutschiges Laub, nasskaltes Wetter, rasch einsetzende Dunkelheit: Fahrradfahren im Herbst ist nur für hartgesottene Radler ein Vergnügen. Damit sie sicher ankommen, geben Experten Tipps für den Fahrrad-Herbst:

- Im Zweifel Straße nutzen: Radwege sind nicht selten bedeckt von Laub und Schmutz. „Straßen sind in der Regel sauberer“, erklärt René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Das Ausweichen auf die Straße kann bei besonders verschmutzten Radwegen die sichere Alternative sein.

- Sehen und gesehen werden: Nebel, Nieselregen oder frühe Dämmerung am Abend sorgen für schlechte Sichtverhältnisse. Gute, funktionierende Beleuchtung weist nicht nur dem Radler den Weg - sie hilft auch Autos und Fußgängern, das Fahrrad zu sehen, wie Welf Stankowitz vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) betont. Hinten und vorne sind jeweils elektrisches Licht und Reflektoren vorgeschrieben. An Pedale und Speichen müssen ebenfalls Reflektoren sein. Auch am Körper sind reflektierende Elemente niemals verkehrt. Stankowitz: „Auffällige Schutzwesten tragen ihren Namen nicht umsonst, denn sie schützen durch ihre gute Sichtbarkeit tatsächlich.“

- Bremsklötze in Schuss halten: Gummibeläge von Bremsen nutzen sich bei Nässe schneller ab, warnt Filippek. Entsprechend sollten Radler vor jeder Fahrt prüfen, ob ihre Bremsen ordentlich greifen.

- Nabendynamo schlägt Seitenläuferdynamo: Wer nicht auf portable Leuchten setzt, wird in der Regel einen Dynamo zur Stromversorgung seines Lichts nutzen. „Der Nabendynamo ist hier immer die bessere Wahl gegenüber einem Seitenläuferdynamo“, sagt Heiko Truppel vom Pressedienst Fahrrad. Die Seitenläufer am Reifen seien gerade bei nassen Bedingungen, wie sie im Herbst oft herrschen, unzuverlässig.

- Passiver fahren: Bei schlechter Sicht werden Radler leicht übersehen. „Sie müssen deshalb immer mit den Fehlern der anderen Verkehrsteilnehmer rechnen und im Zweifel lieber einmal zurückstecken“, sagt Stankowitz. Bevor Pfützen oder herumliegenden Ästen ausgewichen wird, sei gerade auf der Straße ein kurzer Schulterblick Pflicht, ergänzt der Verkehrssicherheitsexperte. „So sehen Radler, ob sie freie Bahn haben.“

Gefährlicher Blätterregen: Nasses Laub auf den Wegen kann das Radfahren im Herbst zur Rutschpartie machen. Foto: dpa
Gefährlicher Blätterregen: Nasses Laub auf den Wegen kann das Radfahren im Herbst zur Rutschpartie machen.Foto: dpa

- Weniger Druck ist mehr beim Reifen: Nehmen Radler etwas Druck vom Pneu, schaffen sie ein wenig mehr Auflagefläche für den Gummi. Das senkt die Ausrutschgefahr minimal ab. „Wichtig ist hier aber, nicht unter den Mindestdruck des Reifens zu gehen“, erläutert Filippek. Viele Fahrradfahrer seien ohnehin mit zu wenig Luft unterwegs, weiß der ADFC-Experte aus Erfahrung. Ein Reifenwechsel wie beim Auto ist beim Fahrrad nicht unbedingt nötig: „Viele Standardreifen sind prinzipiell das ganze Jahr nutzbar“, sagt Truppel.

- Kette gut ölen: Nicht nur die Bremsen leiden unter der Feuchtigkeit im Herbst, auch die Kette mag Nässe gar nicht. Dagegen hilft nur, regelmäßig und gut zu schmieren. Filippek: „Sobald wenn sie ächzt und quietscht, sollte die Kette unbedingt eingefettet werden.“

- Vorsicht vor rutschigen Untergründen: Nasses Laub und Metall wie etwa Gullydeckel und Straßenbahnschienen sind gefährliche Sturzfallen. „Die schmale Aufstandsfläche der Reifen sorgt dafür, dass man rasch darauf ausrutscht“, warnt Stankowitz. Radler fahren besser langsam und vermeiden dabei abrupte Schlenker.

- Pedelec-Akkus einhüllen: Mit Nässe haben elektrische Fahrräder kein Problem, wohl aber mit Kälte. „Dann verlieren deren Akkus Leistungsfähigkeit und damit auch Reichweite“, erklärt Truppel. „Hüllen aus Neopren halten die Wärme besser im Akku und sorgen dafür, dass er schneller auf Temperatur kommt.“ Steht das Pedelec länger, kommt der Akku des Motors besser mit in die Wohnung oder ins Büro. „Die offenen Kontakte am Pedelec deckt man dann mit einer Hülle ab, um Korrosion zu vermeiden“, so Truppel. Ausgekühlte Akkus sollten erst auf Zimmertemperatur gebracht werden, ehe sie an die Steckdose zum Laden kommen. „Ansonsten besteht die Gefahr, ihn schwer zu beschädigen“, warnt Truppel. Manche der Systeme verhindern den Ladevorgang automatisch, wenn der Akku zu kalt ist.

- Pedale rutschfester machen: Mit normalen Schuhen verlieren Radler auf üblichen Plastikpedalen bei Nässe schnell mal den Halt. Manche Firmen bieten deshalb spezielle Pedale mit haftendem Beleg, vergleichbar mit Skateboard-Griptape. Die Lösungen haben aber auch ihren Preis. Ein einfacher Trick zum Selbermachen sei dagegen, seine Pedale mit Schmirgelpapier aufzurauen, sagt Filippek. „Dann greift der Schuh schon besser.“

- Wie eine Zwiebel kleiden: „Wer durchnässt ist und friert, kann sich schlechter konzentrieren“, erklärt Stankowitz. Besonders elementar sei, dass die Hände nicht frieren. Dafür sorgen Handschuhe. Unter den Helm passen dünne Mützen oder Ohrenschützer. „Am Körper wärmt Kleidung am besten nach dem Zwiebelprinzip, also mehrere Lagen übereinander. Darüber kommt bei Bedarf noch ein guter Regenschutz“, beschreibt Stankowitz das ideale Radler-Herbstoutfit. (dpa)

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