Test des ADAC : Neun von 16 Pedelecs mangelhaft

Erschreckende Ergebnisse beim Pedelec-Test des ADAC. Neun Elektroräder fielen glatt durch. Gebrochene Lenker, geborstene Rahmen und eines der Räder entpuppte sich sogar als elektromagnetischer Störsender. Nur zwei der getesteten Fahrräder wurden als „gut“ befunden.

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Belastungen nicht standgehalten: Die meisten Pedelecs zeigen eklatante Schwächen bei der Qualität und der Technik. Foto: Ralph Wagner/ADAC
Belastungen nicht standgehalten: Die meisten Pedelecs zeigen eklatante Schwächen bei der Qualität und der Technik.Foto: Ralph Wagner/ADAC

Fahrräder mit eingebautem Rückenwind liegen schwer im Trend. Die Pedelecs, wie die Elektrofahrräder heißen, ermöglichen auch weniger sportlichen Radfahrern weite Wege auf zwei Rädern und lassen selbst steile Berge zu kleinen Hügeln werden. Kein Wunder also, dass der Absatz der Pedelecs seit Jahren boomt.

Die Qualität der auf dem Markt befindlichen Räder kann offenbar mit dem Absatz der elektrifizierten Fahrräder nicht so ganz Schritt halten. Bei einem Test des ADAC fielen gleich neun von 16 Pedelecs glatt durch. Und das aufgrund katastrophaler Ergebnisse. Vor allem in Sachen Stabilität zeigten die Rädern bei den Tests des Autoclubs gravierende Mängel. Fünf Kandidaten fielen durch, weil Aufhänger brachen, der Lenker oder gar gleich der ganze Rahmen entzwei ging. Solche Schwächen brachten den Pedelecs im Testfeld ein „mangelhaft“ ein.

Störsender Fahrrad

Ganz andere Probleme zeigten sich bei einem Pedelec von Raleigh. Hier sendete das Rad elektromagnetische Störwellen aus, die sogar in der Lage waren die Funkdienste von Polizei und Feuerwehr zu beeinträchtigen. Dafür gab es von den Prüfern des ADAC ebenso ein "mangelhaft". Erhöhte elektromagnetische Strahlung wurde auch bei Modellen von Kalkhoff und Pegasus festgestellt. Allerdings hielt sich das Überschreiten der Grenzwerte noch im Rahmen und so kamen die beiden Testkandidaten noch auf die Note "ausreichend". Schließlich fielen noch drei Pedelecs wegen mangelhafter Bremsen durch. Dazu gehören die Modelle von Victoria, Fischer und Norma.

Störsender: Das Raleigh Impuls sendet so starke elektromagnetische Wellen aus, dass sogar der Polizeifunk gestört wird. Foto: ADAC
Störsender: Das Raleigh Impuls sendet so starke elektromagnetische Wellen aus, dass sogar der Polizeifunk gestört wird.Foto: ADAC

Es gibt aber auch Lichtblicke im Feld der teilnehmenden Pedelecs. So konnten die Räder Kalkhoff und Raleigh mit ihrer erhöhten Strahlung doch immerhin auch mit einer hohen Reichweite glänzen. Ganze 75 Kilometer schafften die Fahrräder im Test. Andere Testkandidaten waren schon 25 Kilometern mit ihrem Akku am Ende.

Immerhin zwei bekamen ein "gut"

Nur zwei Pedelecs von 16 konnten im Test die Note „gut“ bekommen. Besonders überzeugend befanden die Prüfer das sportliche Elektrofahrrad E-Courier SX von Stevens. Hier wurden gute Laufeigenschaften in Kombination mit einer ordentlichen Reichweite ermittelt. Außerdem ließ sich das Rad im Test in relativ kurzer Zeit wieder aufladen. Auch das Modell Obra RT von Kettler überzeugte die Prüfer. Abzüge gegenüber dem Modell von Stevens bekam das Kettler-Rad vor allem, weil es sich als etwas schwerfällig herausstellte.

Insgesamt jedoch zeigt sich ein erschreckendes Bild bei den Pedelecs. Noch nicht mal der Preis ist für die Kunden ein Indiz dafür ein ordentliches Fahrrad zu bekommen. Das Störsender-Fahrrad von Raleigh beispielsweise liegt mit 2250 Euro durchaus im oberen Drittel des Preisfeldes, beim Flyer CR5 Deluxe brach sogar der Rahmen. Leider fielen auch die günstigsten Fahrräder durch. Die Pedelecs von Fischer und Norma für 1000 beziehungsweise 700 Euro zeigten mangelhafte Bremsen, beim Leviatec für 1200 Euro brach der Rahmen. Auch der Name bekannter Hersteller kann den Verbrauchern kaum als Orientierung dienen, denn einige namhafte Produzenten fielen mit ihren Rädern durch.

Die Ergebnisse im Überblick. Grafik: ADAC
Die Ergebnisse im Überblick.Grafik: ADAC

Der ADAC sieht durch die schwachen Ergebnisse die Zukunft der Elektromobilität in Gefahr. Der Club fordert die Hersteller dazu auf Rahmen und Lenker deutlich stabiler zu konstruieren und die Bremsen stärker auszulegen. Außerdem sollte ein Grenzwert für die elektromagnetische Strahlung eingeführt werden.

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