Vorstellung: Honda CB 1100 : Ein Fest für die Sinne

Mit der Honda CB 1100 interpretieren die Japaner ein klassisches Thema auf moderne Weise neu. Das hubraumstarke Naked-Bike mit luftgekühltem Triebwerk spiegelt den Zeitgeist jener Jahre wider, als eine Honda CB 750 Four als Nonplusultra galt und allen Motorradfahrern weltweit den Kopf verdrehte.

Simone Henning-Langley
Die Siebziger Jahre lassen grüßen: Die Honda CB 1100 blickt zurück auf vergangene Zeiten.
Die Siebziger Jahre lassen grüßen: Die Honda CB 1100 blickt zurück auf vergangene Zeiten.Foto: Hersteller

Die Honda CB 750 Four war einst das Motorrad schlechthin. Eine atemberaubende Vierzylindermaschine, die Maßstäbe setzte und Millionen Motorradfans träumen ließ, damit ihre Freizeit zu versüßen. Inzwischen sind rund vierzig Jahre vergangen. Motorräder und ihre Technik haben sich weiterentwickelt. Die Ausstrahlung klassischer Maschinen, auch wenn diese inzwischen als Youngtimer oder Oldies gelten, scheint für viele jedoch immer noch überaus reizvoll.
Die Honda CB 1100 ist eine moderne Wiedergeburt der legendären CB 750 Four. Herausragende Merkmale sind das luftgekühlte Vierzylinder-Triebwerk und lupenreines Retro-Design, auch etliche Detaillösungen orientieren sich am Klassik-Vorbild. Gleichwohl handelt es sich um eine durch und durch moderne Konstruktion. Antiblockiersystem, elektronische Einspritzung oder geregelter Katalysator sind selbstverständlich mit an Bord. Die möchte schließlich kein Motorradfahrer heute mehr missen.
Die Honda CB 1100 hat mehr Hubraum und mit 66 kW (90 PS) auch mehr Leistung als das einstige Vorbild. Auch das Fahrwerk, obwohl konstruktiv klassischen Konzepten verpflichtet, genügt zum Beispiel in punkto Fahrstabilität und Handling allen Ansprüchen der Neuzeit. Gleichzeitig standen während der Entwicklung Ziele wie unbeschwerte Fahrfreude, Besitzerstolz und Ästhetik im Vordergrund. Im Fokus der Honda-Ingenieure lagen Fahrgenuss und Emotionen.

Die CB 1100 gelangte bisher in Japan und in Australien in den Verkauf, die Markteinführung erfolgte dort 2010. Weil die Nachfrage die Erwartungen übertraf und auch aus Europa der Wunsch nach dieser Maschine nicht nachließ, hat Honda beschlossen, die CB 1100 ebenfalls in Europa in das Modellprogramm aufzunehmen. Der Verkauf in Deutschland startete im Frühjahr 2013.

Leidenschaft aus einem Guss

Ein imposanter Reihenvierzylinder, Rohrrahmen mit Stereo-Federbeinen, Rundscheinwerfer - funkelnde Chrom-Schutzbleche, klassische Zweimannsitzbank oder eine aufrechte Sitzposition, Doppelscheibenbremsen, feingliedrige Gussräder, die 4-in-1-Auspuffanlage: Wohin das Auge auch gleitet: Alle Komponenten sind stimmig arrangiert, das Ensemble überzeugt wie aus einem Guss.

Das klassische Design der Honda CB 1100 gewinnt das Herz auf den ersten Blick, aber Eindruck hinterlassen die Details. Beispielsweise die chromglänzenden Kotflügel aus Metall, die den Blick aufwärts zum großen runden Scheinwerfer und den Instrumenten lenken. Im Cockpit informieren zwei große und analoge Rundinstrumente. Der türkisgrüne Grund von Tacho und Drehzahlmesser in Verbindung mit weißen Ziffern ist eine Hommage an das Design der Instrumente der ersten Honda CB 750 Four. Zwischen den Instrumenten bietet ein schlichtes LCD-Panel Infos zu Uhrzeit, Benzintank-Inhalt und Kilometerstand. Ein breiter und hoher Chromlenker unterstützt die entspannt aufrechte Sitzposition. Brems- und Kupplungshebel sind einstellbar. An der Telegabel kann die Federvorspannung stufenlos eingestellt werden, ebenso (in mehreren Stufen) an den Stereo-Federbeinen. Für den Beifahrer sind ausklappbare Fußrasten an Aluminium-Auslegern befestigt. Seiten- und Hauptständer gehören zur Serienausstattung, ebenso wie zwei runde Chrom-Rückspiegel.
Als charakterstarkes Naked-Bike lässt sich die Retro-Schönheit vielfältig einsetzen. Erholsame Kurztrips meistert sie ebenso wie die entspannte Tour oder den stylischen Ausflug in die City. Dem zuverlässigen Allrounder sind im individuellen Einsatz kaum Grenzen gesetzt. Wer als Motorradfahrer hingegen spezielle Qualitäten wie zum Beispiel sportliche Höchstleistung oder Luxus für die Langstrecke wünscht, für den stehen andere Maschinen zur Auswahl.

Laufkultur und Fahrgenuss

Herzstück der CB 1100 ist ein luftgekühlter Reihenvierer mit 1.140 Kubikzentimetern Hubraum und PGM-FI Benzineinspritzung. Der Motor begeistert zum einen mit seiner bulligen Kraftentfaltung, zum anderen durch die gelungene Optik nach Vorbild der legendären 1969er CB 750 Four.

Die lange, gepolsterte Sitzbank der Honda CB 1100 bietet auch bequem Platz für einen Sozius.
Die lange, gepolsterte Sitzbank der Honda CB 1100 bietet auch bequem Platz für einen Sozius.Foto: Hersteller

Das eigens entwickelte DOHC-Vierzylindertriebwerk beeindruckt bereits optisch mit machtvollem Charme. Schöne Zylinderkopfarchitektur, feine Kühlrippen und reichlich poliertes Aluminium sorgen für nicht alltäglichen Augenschmaus. Der Thermik-Haushalt wird gleichzeitig per Luftkühlung sowie effizienter Öl-Innenkühlung bewerkstelligt. Die 2 mm dünnen Kühlrippen, die unerwünschtes Schwirren vermeiden, wurden mittels modernster Gusstechnik realisiert. Der Ölkühler, vor dem Motor direkt im Fahrtwind platziert, ist mit neun Kühlrippen-Lagen versehen und misst 335 mm in der Breite. Der mit 9.5:1 vergleichsweise niedrig verdichtete Motor dreht geschmeidig bis 7.500 Touren. Die Spitzenleistung beträgt stattliche 66 kW (90 PS), das maximale Drehmoment beträgt 93 Nm und liegt bei 5.000 Touren an.
Anders als bei manchen flüssigkeitsgekühlten Motoren wurde der Spitzenleistung bei der Entwicklung konzeptionsbedingt keine Bedeutung zugemessen. Stattdessen standen angenehme Laufkultur und Fahrgenuss im Vordergrund. Satter Punch aus allen Drehzahlen, geschmeidiges Ansprechverhalten und praxisgerechter Durchzug standen stattdessen im Lastenheft, im Einklang mit Vibrationsfreiheit und sympathischem Naturell. Entsprechend gestattet die CB 1100 einen entspannten Fahrstil: dosiert Gas geben, früh das Fünfganggetriebe hochschalten und mühelos die breitbandig-cremige Vierzylinder-Power genießen, untermalt von schöner Akustik aus der 4-in-1-Auspuffanlage.

Eine PGM-FI Einspritzung mit einem zentralen Drosselklappengehäuse (mit 32 mm Durchmesser) steuert die Gemischaufbereitung und trägt zu vorbildlichen Manieren bei. Geregelte Katalysatortechnik reinigt die Emissionen. Der Benzinverbrauch fällt erfreulich niedrig aus und beträgt bei moderater Fahrweise nur wenig über 4 Liter pro 100 km (im WMTC-Messzyklus 25,1 km pro Liter).
Bohrung und Hub des Vierzylinders betragen 73,5 mm x 67,2 mm. Eine Zahnkette zwischen den mittleren Zylindern treibt die beiden oben liegenden Nockenwellen an. Die jeweils vier Ventile pro Zylinder werden über Tassenstößel betätigt. Der Ventilwinkel zwischen den 27 mm großen Einlass- und den 24 mm großen Auslassventilen beträgt 26,5 Grad. Eine Ausgleichswelle absorbiert mögliche Vibrationen und stellt in allen Drehzahlbereichen vorbildliche Laufruhe sicher. Die Motorleistung wird über eine Mehrscheibenkupplung im Ölbad und ein Fünfganggetriebe über eine 530er O-Ring-Kette an das Hinterrad transferiert.

Leichtfüßiges Handling, jederzeit beste Stabilität

Das luftgekühlte Viertakt-Vierzylinder-Herz steckt in einem sauber gezeichneten Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen. Zwei der insgesamt sechs Motorbefestigungen sind vibrationsdämpfend mit Gummilagern ausgeführt. 18 Zoll große Räder vorne und hinten sorgen für sicheres Fahrverhalten. Kein Stilbruch sind die Aluminiumgussfelgen mit fünf filigranen Doppelspeichen: Sie sind praxisgerecht leicht zu reinigen und dauerhaltbar. Die sorgfältig ausgearbeitete Fahrwerksgeometrie ermöglicht gleichermaßen beste Stabilität bei Geradeausfahrt sowie in Schräglage.

Basierend auf mehr als 50 Jahren Erfahrung mit Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotoren bietet die CB 1100 die perfekte Balance von Leistung und zeitlosem Design.
Basierend auf mehr als 50 Jahren Erfahrung mit Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotoren bietet die CB 1100 die perfekte Balance von...Foto: Hersteller

Die CB 1100 lässt sich ausgesprochen leicht und sicher durch Kurven lenken. Der vergleichsweise enge Wenderadius erlaubt auch Rangieren auf engem Raum. Eine moderate Sitzhöhe (795 mm) und ein hoher Lenker unterstützen die vorbildliche Manövrierbarkeit und ermöglichen zu komfortabel aufrechter Naked-Bike-Sitzposition ein ausgewogen leichtfüßiges Handling, zu dem auch die gewählten Reifendimensionen mit 110/80-18 Zoll vorne und 140/70-18 Zoll hinten ihren Beitrag leisten. An der Vorderradgabel mit 41 mm Standrohrdurchmesser kann die Federvorspannung auf den Fahrstil und den persönlichen Geschmack des Fahrers eingestellt werden. An den Stereo-Federbeinen von Showa ist die Federbasis ebenfalls mehrfach verstellbar.
Im Vorderrad der CB 1100 verzögert eine hydraulisch betätigte Doppelscheibenbremse, die von Dreikolbenzangen beaufschlagt wird. Der Scheibendurchmesser beträgt 296 mm. Am Hinterrad ist eine Einfachscheibe mit 256 mm Durchmesser in Verbindung mit einer Einkolbenzange montiert. Das serienmäßige Combined-ABS verhindert vorne wie hinten ein unerwünschtes Blockieren der Räder in fahrdynamisch grenzwertigen Situationen, etwa bei nasser Fahrbahn sowie in Schrecksituationen, wenn plötzlich maximale Bremsleistung gefordert ist.

Ursprüngliche Schönheit, handwerklich hohes Level

Reichlich Motorleistung und starke Beschleunigung haben zweifellos ihren Reiz. Genauso wie unverwechselbares Styling, das Botschaften über die Marke, die Zweckbestimmtheit eines Modells und seine Performance transportiert. Aber es gibt so viel mehr, was den Charakter eines Motorrads bestimmt, weiß Honda-Chefdesigner Mitsuyoshi Kohama, der die Entwicklung der CB 1100 folgendermaßen beschreibt: "Eine Retro-orientiertes Design schwebte mir schon längere Zeit vor. Die schöpferische Phase begann, als ich nach längerem Europa-Aufenthalt nach Japan zurückgekehrt war. Ich griff zu Bleistift und Papier und begann zu zeichnen, ließ einfach meinen Gefühlen freien Lauf. Es sollte ein ein Motorrad für Genießer werden."

Comeback eines Klassikers: Die Honda CB 1100 zeichnet sich durch klassisches Design und modernes Handling aus.
Comeback eines Klassikers: Die Honda CB 1100 zeichnet sich durch klassisches Design und modernes Handling aus.Foto: Hersteller

Etliche Honda-Mitarbeiter fragten sich während der Entwicklungsphase, warum diese Maschine mit Luftkühlung ausgestattet sein sollte. Damit war natürlich zu rechnen, es gab also keinen Grund überrascht zu sein. Und dennoch fiel Mitsuyoshi Kohama keine bessere Antwort ein als: "Weil es einfach ein luftgekühlter Motor sein muss." Selbstverständlich war dem Entwickler dabei bewusst, dass Luftkühlung automatisch mit früher üblichen Techniken assoziiert werden würde; vor allen von jenen Ingenieuren, denen idealerweise maximale Performance mit flüssigkeitsgekühlten Motoren vorschwebte. "Mir jedoch kam es in erster Linie auf die sinnliche Erfahrung und den Fahrgenuss an", erklärt Kohama. "Ich mag das Knacken und Knistern, wenn luftgekühlte Motoren nach dem Abstellen abkühlen. Ich mag den metallischen Sound, den Motoren ohne absorbierenden Wassermantel produzieren."

So wurde jenes Motorrad, das auf ersten Sketches Gestalt angenommen hatte, in die Realität umgesetzt. Eine luftgekühlter Vierzylinder-Maschine im Retro-Design, die einfach Lust macht aufzusteigen und loszufahren. Ein entsprechendes CB-Concept-Bike zeigte Honda erstmals auf der Tokio Motor Show 1999, und die Reaktionen fielen sehr enthusiastisch aus. 2007 folgte ebenfalls auf der Messe in Tokio ein weiterentwickeltes Konzeptmodell dieser luftgekühlten Maschine, die CB 1100F. Aus diesem Prototypen schließlich wurde die CB 1100 zur Serienreife entwickelt.
Die neue Honda CB 1100 weckt Erinnerungen und verzaubert mit Emotionen. Sie bietet ursprüngliche, jedoch mit modernem Know-how adaptierte Technik, ermöglicht genussvollen Fahrspaß, fasziniert mit schönen Detaillösungen sowie stilvollem Retro-Design – und hat so das Zeug dazu, allen Enthusiasten und Schöngeistern, in deren Adern Motorradbenzin fließt, mitten ins Herz zu fahren. Was sie auch bereits getan hat: Über 30.000 Leser der Fachzeitschrift "Motorrad" wählten die CB 1100 kurz nach Verkaufsstart im Frühjahr dieses Jahres in der Kategorie "Naked Bikes" zum "Motorrad des Jahres" – unter 38 weiteren Wettbewerbern.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

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