Fahrt gegen Aids : Alternativer Antrieb

Der Hilfsmotor des Jahres: Mit einem Reisemobil von VW macht man üblicherweise Urlaub. Anders Joachim Franz: Seine mehrwöchige Expedition klärt über Aids auf und bringt Projektgelder ein.

Kerstin Heidecke

Als sie in Kapstadt ankommen, sehen sie aus wie Surfurlauber. Braungebrannt und mit sonnengebleichtem Haar. Dabei freuen sich Joachim Franz und seinee 18 Leute im Team nur auf eine Dusche, ein richtiges Bett und Essen, das nicht aus der Tüte kommt und mit Wasser angerührt wird. Die neun Wochen zwischen dem 6. Oktober und dem 1. Dezember, dem Weltaidstag, waren eine Extrembelastung für Mensch und Technik. Mit fünf VW California Beach war das Franz-Team 24 000 Kilometer unterwegs. Gestartet am Nordkap und erfolgreich gelandet in Südafrika. „Cape 2 Cape“ nannte Franz diese, seine siebente, Expedition gegen Aids. Sie ist Auftakt für weitere Aktionen im Rahmen der „World Aids Awareness Expedition“, bei der nun Menschen weltweit mitmachen sollen. 200 Gipfel in fast allen Ländern der Erde. Auf jedem der Gipfel soll eine Flagge mit der Dunkelziffer der im Land HIV-infizierten und an Aids erkrankten Menschen gehisst werden – eine Zahl, die nach Expertenschätzung oft dreimal höher ist, als die offiziellen Angaben. Politiker, Medien und Wirtschaft sollen die Aktionen unterstützen, mit Patenschaften, Grußworten, Pressekonferenzen – und Spenden. Aufgerufen sind nicht nur Extremsportler; jeder soll mitmachen können, auch wenn er nur einen „kleinen Sandhügel auf den Malediven“ besteigt, wie Franz vorschlägt.

Die ersten 19 Berggipfel hat das Franz-Team gerade bewältigt, kletternd, laufend, radfahrend oder wandernd, jeweils bis zum höchsten Punkt der durchquerten Länder. Volkswagen Nutzfahrzeuge unterstützte die Aktion mit fünf quietschgelben California Beach, wie die Reisemobile auf Basis des beliebten VW-Busses heißen. „Besonders in den afrikanischen Ländern waren wir immer schnell von neugierigen Kindern umringt“, erzählt Dominik Schrader, einer der Mitstreiter. Eines der Fahrzeuge war als Medienmobil komplett mit TV-Technik und Internet ausgestattet, so dass das Team tagesaktuell in alle Teile der Welt über die Expedition berichten konnte. Auch Harald Schomburg, Vorstand für Vertrieb und Marketing bei Volkswagen Nutzfahrzeuge, hat die Tour mit Spannung verfolgt: „So eine Expedition führt ja nicht nur Menschen an ihre Grenzen, sondern auch die Technik. So können wir sehen, wie robust unsere Autos in Extremsituationen sind.“ Die aktuelle Expedition, teils auf schwierigstem Gelände, haben die Fahrzeuge mit Seikel-Fahrwerk und dem 4Motion-Allradantrieb ohne Mucken gemeistert. Nur einmal – in Äthiopien – riss ein tiefes Schlagloch die Stoßdämpfer zweier Fahrzeuge ab.

Ob Steinwüste, Kies, Schotter, steile Böschungen, holprige Sandpisten, Regenwald, verschneites Gelände. Das Team war querbeet unterwegs; Stationen waren Norwegen, Finnland, Schweden, Dänemark, Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien, Ägypten, Äthiopien, Kenia, Tansania, Sambia, Malawi, Mosambique, Swasiland, Lesotho und schließlich Südafrika. Franz: „Dabei waren die Wagen gleichzeitig Schlafplatz und Kleiderschrank für bis zu vier Leute; Vorratskammer für unser Trekking-Essen, für Müsliriegel und Wasser; zudem Transporter für Berg-, Rad- und Laufausrüstungen.

Seit sieben Jahren bricht Joachim Franz mit immer neuen „Aids Awareness Expeditionen“ auf, um in Sachen HIV und Aids aufzuklären und Spendengelder zu akquirieren, die weltweit in Hilfsprojekte fließen. Solange unterstützt auch VW Nutzfahrzeuge den gelernten Werkzeugmacher aus Wolfsburg (siehe Portrait) – und hat ihn inzwischen zum VW Gesundheitsbotschafter ernannt. Auch die Deutsche Aids-Stiftung und Pfarrer Stefan Hippler, Leiter der deutschsprachigen katholischen Gemeinde in Kapstadt, sind Partner von „Cape 2 Cape“. Hippler hat die Hilfsorganisation „Hope Cape Town“ ins Leben gerufen. Sie betreut aidsinfizierte Kinder und ihre Familien. Den Erlös der „Cape 2 Cape“ – 30 000 Euro – hat Franz an Hope übergeben. Insgesamt 100 000 Euro will sein Team für Hope bis Mitte nächsten Jahres gesammelt haben.

Als sie zum  Weltaidstag in Kapstadt ankamen, hatten die Männer und Frauen harte wie interessante Wochen hinter sich. Wochenlang auf engstem Raum, gefordert durch körperliche Extremleistungen und beeindruckt durch die Besuche in den Aids-Projekten, Waisenhäusern und Krankenstationen. „Die Reise hat jeden von uns verändert“, sagt Regina Marunde, Mountainbike-Fahrerin und mehrfache deutsche Meisterin. Was vorher theoretisches Wissen über die Immunschwäche-Krankheit war, ist nun zu leidenschaftlichem Engagement geworden. Das zeigt sich besonders nach dem Besuch der Dr. Ivo Toms Community Health Clinic in einem der Townships am Rande von Kapstadt. Dort führen die Krankenschwestern durchs Haus und beschreiben das Dilemma: „Zum Teil fehlt das simpelste Wissen über die Krankheit. Manche Männer denken, sie werden das Virus wieder los, wenn sie mit einer Jungfrau schlafen. Viele wollen keine Kondome benutzen“. Dabei gibt es die in der Klinik sogar kostenlos. Aufklärung tut not – Joachim Franz will weiter machen.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar