Fahrtest : Alfa MiTo: Schmerz lass’ nach

Alfa liegt darnieder und stilisiert den MiTo zum Heilsbringer. Bei ersten Fahrten schlägt er sich wacker.

Wolfgang Gomoll

Ein guter Rat für Germanistik-Fundamentalisten: Meiden Sie die Internet-Seite www.alfamitoclip.com. Dort kann man mit einer neuen, rudimentären Universal-Zeichensprache, die aus vielen verschiedenen Ikonen besteht (dem „Alfabet“), eine Geschichte erzählen und diese online stellen. Diese Web-2.0-Variante soll den Geist der 18- bis 30-jährigen Zielgruppe treffen. Und so ein neues Lebensgefühl kreieren. Fehlt nur noch, dass die italienischen Marketing-Strategen vom Alfa-Feeling sprechen.

Denn das war in den letzten Jahren alles andere als hip. Optisch machten die italienischen Autos was her, doch fahrdynamisch waren sie weit vom Sportwagen-Image der Traditionsmarke entfernt. Mit dem MiTo soll sich das jetzt ändern. Er soll die Pein der leidgeprüften Alfista lindern. Eine Schmerztablette auf vier Rädern sozusagen. Die Rezeptur ist einfach: „Einen Alfa machen viel Technik und wenig Gewicht aus. Das ergibt agile Fahrleistungen“, sagt Alfa-Chef Luca de Meo voller Optimismus.

Die Abstimmung des Fahrwerks ist gelungen: straff, aber nicht prügelhart, sogar mit einem Schuss Komfort. Wenn es mal schnell um die Ecken geht, reduzieren Rebound-Federn die Wankneigung. Damit die Pille auch richtig anschlägt, wird die Dosis mit dem DNA-System verfeinert. Eine Technik, die auf Motor, Getriebe, Lenkung und Fahrwerk zugreift und dem Piloten per Wählschalter verschiedene Fahrprogramme anbietet. Ähnlichkeiten zum Manettino der Ferrari F430 sind durchaus beabsichtigt.

Die Buchstaben stehen für die Alternativen Dynamik, Normal und All Weather. Der Fahrspaß steigt von A über N ständig an und erreicht im D-Modus seinen Zenit. Dann wird die Lenkung straffer und direkter und der Motor hängt giftiger am Gas. Auch das ESP greift später ein und beim 1.4-T-Jet Motor steigt das maximale Drehmoment bei Vollgas von 201 auf 230 Newtonmeter. Wer gerne italienisch, sprich mit reichlich Drehzahlen unterwegs ist, hat mit dieser bella macchina Freude. Allerdings steigt dann natürlich auch der Verbrauch.

Bei aller Kurvenfreude erreicht das elektronische Q2-Sperrdifferenzial an der Vorderachse nicht ganz die Effizienz seines mechanischen Namensvetters, der seit kurzem bei den Auslaufmodellen Alfa 147 und GT für ein deutliches Plus an Traktion sorgt. Die Gangschaltung ist nicht so hakelig wie beim Konzernbruder Punto, mit dem sich der MiTo die Plattform teilt – allerdings sind die Wege etwas zu lang.

Das Fahren passt also. Und wie schaut es mit der Optik aus? Nun, da scheint der MiTo ein Vorbote der neuen Alfa-Romeo-Formensprache zu sein, die sich an der Sportwagen-Rarität Alfa 8C Competizione orientiert. Sicher kein schlechter Stil. Allerdings wirkt die etwas pummelige MiTo-Front mit gepfeilter Motorhaube und elliptischen Scheinwerfern ein bisschen so, als ob ein 8C gegen eine Wand gefahren wäre. Aber das Kindchen-Schema dürfte der weiblichen Zielgruppe gefallen. Das knackige Heck mit runden LED-Rückleuchten kann die Verwandtschaft zum feschen Sportler ebenfalls nicht verleugnen. Die drei Corona-Ringe (Blinker, Bremsen und Rücklicht) sehen richtig gut aus. Die Kehrseite der ansehnlichen Kehrseite: Die Ladekante ist hoch und die Kofferraumluke ziemlich klein. Der Kofferraum hat ein Fassungsvermögen von 270 Litern. Bei umgelegter Rückbank wächst das Volumen auf 950 Liter.

Im Innenraum setzt sich der gute Eindruck fort. Vor allem vorne lässt sich der Italiener nicht lumpen. Das Cockpit mit den sportlichen Rundinstrumenten verströmt Italo-Flair, ist übersichtlich und solide verarbeitet. Die Überraschung: Hier drin fällt einem nicht der Himmel auf den Kopf, wie in 159er-Derivaten der Vergangenheit. Selbst echte Sitzriesen haben richtig viel Platz über dem Scheitel. Klasse! Die Sitze sind bequem und bieten ausreichend Seitenhalt. Hinten geht es dann bedeutend kuscheliger zu. Schon der Einstieg in den Fond gerät zu einer veritablen Turnübung. Die Beinfreiheit ist nicht wirklich üppig, ebensowenig die Kopffreiheit; ein Tribut an die abfallende Dachlinie. Dieses zwiespältige Bild setzt sich bei der Ausstattung fort. Einerseits bietet der MiTo Goodies wie sieben Airbags, das DNA-System und ein topmodernes ESP mit Berganfahrhilfe serienmäßig – und das zu einem fairen Einstiegspreis von 14 700 Euro (der getestete 1.4-l-T-Jet ist 3250 Euro teurer). Andererseits gibt es erst im nächsthöheren Paket „Turismo“ (kostet 1500 Euro) eine manuelle Klimaanlage und 16-Zoll-Alus. Das geht aber immer noch in Ordnung. Echte Alfista – und nicht nur die – werden diese Pille leicht schlucken.

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