Fahrtraining : Von wegen "Frau am Steuer"

Porsche bietet ein Sportfahrtraining an, bei dem männliche Teilnehmer nichts zu suchen haben. Ein Erfahrungsbericht.

Ulrike Heitmüller
Fahrtraining Foto: Promo
Auf der Rennstrecke in Leipzig-Nord. -Foto: Promo

Leipzig-Nord, Porsche-Werk. Eine Rennstrecke, 3,7 Kilometer lang und FIA-zertifiziert. Das heißt: Hier dürfen offizielle Autorennen stattfinden. Aber nicht heute und morgen: Da braust nämlich nicht Michael Schumacher über die Strecke, sondern ich. Denn Porsche veranstaltet regelmäßig Fahrtrainings. Weil da aber kaum Frauen mitmachen, und wenn, dann eher auf dem Beifahrersitz, gibt es jetzt Schulungen extra für uns: „Women Only“. Und ich bin dabei.

Mein Problem ist allerdings: Ich bin in den vergangenen acht Jahren bloß dreimal Auto gefahren. Und ich finde selbst eine Skiabfahrt zu schnell. Durch Berlin fahre ich auf dem Fahrrad. Wie wird das also bloß enden?

Erster Tag. Schon um 7:20 Uhr sind wir von unseren Hotels abgeholt worden. 25 Frauen, wir sind ganz unterschiedlich, die Jüngste Anfang 20, und die Bibliotheksleiterin Irene 64 Jahre alt. Begrüßung: Wir sollen sportlich fahren lernen, das gleiche Training, das auch die Männer bekommen. „Wir haben extra kein Wellness-Package und keine Shopping-Tour dabei“, sagt Projektleiterin Sabine Sinn. Stattdessen Theorie: Sicher sitzen, richtig lenken, ein bisschen Fahrphysik – Schleudern zum Beispiel – und was äußere Einflüsse wie Regen oder Eis mit dem Wagen machen. Dann gehen wir zum Parkplatz.

Und da stehen wir dann und gucken. Sie sind groß, stark und glänzend: Eine lange Reihe Rennwagen. In fünf Sekunden von null auf 100, über 280 Stundenkilometer schnell und mehr als 80 000 Euro wert. Ein eigener für jede von uns. Für mich, wie für die meisten, ein 911er, für einige gibt es Caymans, ein paar haben auch ihren eigenen Wagen mitgebracht, Boxter, GT3 oder 911 Turbo. Wir werden in zwei Gruppen aufgeteilt. Jede hat zwei Instrukteure. Unsere heißen Guido und Björn und sind sehr nett.

Wir steigen in unsere Autos und fahren los, Guido und Björn vorweg. Erste Übung: Schleudern. Eine Sprinkleranlage hat zwei große kreisrunde Flächen berieselt, eine ist glatt wie Eis. Guido steigt zu mir ins Auto, erklärt, wie es funktioniert. Ich fahre los, erst aufs Nasse, dann aufs Eis. Immer im Kreis, „schneller“ sagt Guido, ich gebe Gas. Der Wagen heult auf und rennt los, bricht aus und schleudert. Hoppla, das macht Spaß!

Und dann geht’s auf die Rennstrecke. Die enthält eine ganze Reihe fieser Kurven: Suzuka S, Laguna Seca, Loews Kurve oder Victoria Turn. Die gibt es auch auf den Kursen aus dem Fernsehen, die „echte“ Loews-Kurve beispielsweise in Monaco. Wir fahren sie in einer langen Reihe ab. Björn fährt voran, Guido klettert nacheinander zu uns ins Auto und erklärt oder lobt, je nachdem. Ich hätte nie gedacht, dass ich in einem Porsche mal Vollgas geben, dann eine Vollbremsung hinlegen – und dabei noch lenken würde! Guido sagt: „Da steht ein Gurkenlaster, du musst!“ Und siehe da: Es funktioniert. Moderne Elektronik macht’s möglich. Es ruckelt nur ein bisschen. Und schade, dass ich zur falschen Seite ausgewichen bin: Wenn das jetzt echt gewesen wäre, könnte ich für den Rest meines Lebens Spreewaldgurken essen.

Slalomfahren ist auch nicht ohne. Erst fahren wir ein Mini-Rennen. Ich vergesse prompt die letzte Kurve, und sowieso sind die anderen schneller. Besonders Petra fliegt vor dem Rest des Feldes dahin. Dann sollen wir bei Vollgas erst nach links, dann nach rechts ausweichen. Damit wir lernen, ab wann der Wagen schleudert, und was man dann machen muss. Martina legt eine Superkurve hin, sie schafft es bis auf den Rasen. Die Instrukteure sind begeistert. Ich trau mich nicht, Björn setzt sich schließlich neben mich: „Gib Gas!“, sagt er – ach, Björn, das geht mir alles viel zu schnell.

Nächste Übung, wieder Kurventraining. Rechts – links – rechts – rechts – links. Guido ist jetzt dabei: „Bei den Kurven ist bei dir noch locker Kapazität frei“, sagt er, „zum Gasgeben“. „Ach, ja“, sage ich, „mir fehlt die Übung, ich hab’ nämlich kein Auto“. Das war als Entschuldigung gedacht, funktioniert aber nicht: Nun guckt er erst recht entsetzt. Guido hat schon graue Haare, aber ihm ist wohl noch nie ein Mensch ohne Auto begegnet. Hätte ich bloß nichts gesagt!

Nach der Mittagspause geht’s weiter. Die Instrukteure werden mit jeder Runde etwas schneller und ich kann tatsächlich mithalten. Ich bin stolz. Dann umsteigen: in den Cayenne und ins Gelände. Porsche hat in Leipzig einen sechs Kilometer langen Offroad-Kurs, mit 45 Grad Neigung, 60 Prozent Steigung und Gefälle. Einer der Pressesprecher macht auch mit. Er versucht, Gas zu geben und zu bremsen, die Räder blockieren. Hier kommt es auf Geschicklichkeit und Nerven an. Sieh an, da bin ich gar nicht so schlecht. Und sehe nebenher Fasane und Auerochsen. Genug für heute.

Am zweiten Tag geht’s wieder kurz nach sieben Uhr los. Training, dann eine Werksführung und dann... freies Fahren! Ohne Instrukteure, aber mit Überholen. Und mit Helm – unbequem, aber eine gute Show. Wir steigen in die Autos und geben Gas. Jetzt geht’s richtig zur Sache: Vierter Gang, 200 Stundenkilometer, bis kurz vor der Biegung, etwas bremsen, runterschalten, der Motor bremst weiter. In die Kurve, wieder Gas, bremsen, runter in den zweiten Gang, Gas, Motor brüllt, dritter Gang, wieder runter in den zweiten, Motor bremst, Gas, er brüllt, dritter Gang und Vollgas, vierter und Vollgas, wieder 200, und dann kommt schon die nächste Kurve. Die Hände werden feucht, das T-Shirt nass.

Einige von uns sind inzwischen richtig gut, sie überholen, hoppla, da hinten staubt’s weiß, ist da wer in den Schotter gerutscht? Brigitte hat die Fahrerei irgendwann satt: „Das macht einfach nichts mit mir“, sagt sie, zuckt mit den Schultern und lacht, „ich merke, dass ich kein Junge bin.“ Isabelle hält dagegen: „Anfangs habe ich 26 Liter verbraucht, jetzt nur noch 22.“

Zum Abschluss dann noch ein paar Taxifahrten, wie die Instrukteure das nennen. Klingt harmlos, aber dann steigen wir zu Guido und Björn ins Auto. Und die zeigen uns, was mit den Autos wirklich geht: Nur schleudern, ausbrechen, Über- und Untersteuern, es qualmt und stinkt nach Gummi, von einem Cayenne lösen sich zentimetergroße Reifenstücke. Nächstes Mal trau ich mich das auch.

Das Sportfahrtraining speziell für Frauen bietet Porsche zum nächsten Mal am 17. und 18. Mai im Baden Airpark an – für 1090 Euro ohne Fahrzeug allerdings nicht eben ein Schnäppchen. Informationen gibt’s unter www.porsche.com, Rubrik „Sport & Veranstaltungen“.

Deutlich günstiger sind die Sicherheitstrainings, die unter anderem ADAC und Verkehrswacht anbieten, ebenfalls in reinen Frauenkursen und bei der Verkehrswacht unter dem Motto „Frauen trainieren Frauen“. Weitere Informationen zu den Trainings unter www.fahrsicherheit.de/linthe/ und unter www.dvw-ev.de/ (Stichwort „Frauen“ in die Suche eingeben). kko

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