Auto : Fall der Fälle

Vom Herzinfarkt bis zur Oldtimer-Rettung: Was die Auslandshelfer des ADAC zum Ferienbeginn alles zu erzählen haben

Kerstin Heidecke

Nur noch drei Stück davon gibt es weltweit, so sagen Experten: Der Mercedes SSK aus dem Jahr 1929 ist was für Liebhaber. Etwa 2,5 Millionen Euro ist das historische Automobil wert. Das will man auch zeigen – zum Beispiel bei der Oldtimer-Rallye im norditalienischen Mille Miglia. Vor einer Panne ist aber auch ein Fahrzeug dieser Preisklasse nicht gefeit. Das filigrane Luxusgefährt wieder unbeschadet nach Deutschland zu bringen, war einer der heikelsten Fälle des vergangenen Jahres, um die sich Walter Holzhammer kümmern musste. Der Leiter der Schadenbearbeitung der ADAC-Versicherungen bekommt die hakeligen und die teuersten Fälle auf den Tisch. Chefsache eben.

Während jetzt die meisten Deutschen in den Urlaub starten, geht in der Münchener Zentrale des Automobilclubs und in den 16 Auslands-Notrufstationen schon die Post ab. Dabei geht es sowohl um die schlichte Autopanne wie auch um komplizierte Krankenrücktransporte oder schwere Unfälle. Die typischen medizinischen Fälle – Herz-/Kreislauf- oder Magen-/Darm-Erkrankungen – sind Routinejobs für die 250 Mitarbeiter, die mit Mietwagen, Ärzten, Hotels, Werkstätten und Abschleppdiensten die Hilfe für erkrankte oder verunglückte Urlauber organisieren. 1652 Hilferufe pro Tag gingen im vergangenen Jahr in den Auslandsstationen und der Münchener Zentrale ein; 603 000 Anrufe bearbeiteten die Teams insgesamt.

Aber es gibt immer auch Fälle jenseits des Alltäglichen. Da könnten Holzhammer und sein Team inzwischen fast Bücher schreiben. Hinter den Zahlen der jährlichen Bilanz verbergen sich nicht selten kuriose Begebenheiten; mit freilaufenden indischen Kühen, die Urlaubern nachjagen, giftigen Spinnen, die in Spanien zubeißen oder vermeintlich handzahmen Geparden, die im Nationalpark Namibias Touristen heftige Kratzer verpassen.

Beim teuersten Fall des vergangenen Jahres ging es allerdings um Leben und Tod: Der 68-jährige Böblinger Heinz K. (Namen von der Red. geändert) bekam während seines Urlaubes in Los Angeles einen Herzinfarkt. Nur mit einer fünffachen Bypass-Operation konnte er gerettet werden. 247 000 Euro kosteten OP, Aufenthalt auf der amerikanischen Intensivstation und der Rückflug mit Arztbegleitung und Beatmungsgerät.

Ein echtes Schnäppchen für den Versicherer war hingegen die Sache mit der Fischgräte, die der 45-jährigen Berlinerin Sabine L. während ihres Portugal-Urlaubs im Zahnfleisch stecken geblieben war. 57,50 Euro nahm der Dentist und die Sache war erledigt.

Nicht alle Unfälle gehen so glimpflich aus. Deshalb werden die Mitarbeiter der Notruf-Stationen regelmäßig geschult, auch über den Umgang mit eigenen emotionalen Belastungen. In sogenannten Debriefings können sie sich das Erlebte von der Seele reden. Denn zum Job gehört auch der Rücktransport von 500 bis 600 Leichen jährlich; von Menschen, die zumeist bei Sport- oder Verkehrsunfällen ums Leben kamen. Der erste Kontakt mit Angehörigen ist dann eine der schwierigsten Aufgaben für die Mitarbeiter.

Zudem wirkt sich der demografische Wandel immer stärker aus. „Es gibt viele Ältere, die vom Abenteuerurlaub nicht lassen wollen; ihre Kondition über- oder die Belastungen durch extremes Klima unterschätzen“, sagt Holzhammer. Nicht nur im Hochsommer haben die Notruf-Teams gut zu tun. „Viele Senioren überwintern inzwischen auf den Balearen, auf den Kanaren oder in Südspanien. Aber ein 80-Jähriger hat eben auch gewisse Vorerkrankungen und ist anfälliger“, so der Versicherungsexperte. Aber so verrückt wie im folgenden Fall kommt es selten: Eine ältere Dame hatte sich im letzten Winter fünfmal per Krankenrücktransport in die deutsche Heimat fliegen lassen. „Bei solchen Fällen führen wir mit den Versicherten schon mal ein Gespräch.“

Den stehen gebliebenen Oldtimer hat übrigens ein geschlossener Lkw wieder nach Hause transportiert. „Der muss natürlich von Spezialisten beladen werden“, sagt Holzhammer, „mit langen Laufschienen, damit er im flachen Winkel auf die Ladefläche kommt.“

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar