Faszination Langstrecke : 24 Stunden Wahnsinn

Daytona und Le Mans sind die wichtigsten 24-Stunden-Klassiker der Motorsport-Welt. Die beiden Langstreckenrennen sind ähnlich und doch anders. Über die Faszination der Nachtrennen.

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Nahtfahrt in Le Mans beim Training zum 24-Stunden-Rennen: Die Faszination des Renn-Marathons steigt von Jahr zu Jahr.
Nahtfahrt in Le Mans beim Training zum 24-Stunden-Rennen: Die Faszination des Renn-Marathons steigt von Jahr zu Jahr.Foto: Porsche

Wenn Hurley Haywood auf einer US-amerikanischen Rennstrecke auftaucht, ist er gleich umringt von Autogrammjägern. Der 67-Jährige ist Kult und in der Geschichte der 24-Stunden-Rennen eine Legende. „Das erste Mal war ich 1969 in Daytona“, schwärmte der Langstreckenpilot im Januar in Daytona Beach kurz vor dem Start des 24-Stunden-Rennens. Bis 2012 trat Haywood in Daytona an, mehr als 600 Autorennen ist er in seinem Leben gefahren. Fünfmal gewann er das 24-Stunden-Rennen von Daytona in Florida. Und dreimal war Haywood Sieger des europäischen Klassikers: das 24-Stunden-Rennen von Le Mans, das an diesem Sonnabend zum 83. Mal startet.

Die beiden Langstreckenrennen in Daytona und Le Mans gelten als Mythos und locken jedes Jahr tausende von Motorsportfans an. Daytona Anfang des Jahres ist der Saisonauftakt der amerikanischen Rennstrecken. Das 24-Stunden-Rennen gehörte bis vor kurzem zur Langstrecken-WM. Automobilhersteller wie Porsche verbinden diese Rennen, um auf dem wichtigsten Kundensportmarkt in den USA die Fahrzeuge hautnah den Fans zu präsentieren. Der Kurs der etwa vier Kilometer langen Strecke ist einzigartig: Er besteht aus einem Hochgeschwindigkeits-Trioval und einem Infield mit dem kurvigen Geschlängel, in dem man eigentlich nicht überholen kann.

Daytona, eine kultige Strecke

Innerhalb der Strecke stehen Zelte, riesige amerikanische Wohnmobile und jede Menge Stände mit T-Shirts, Miniatur-Autos, Irish Pubs, Fressbuden mit Cheese fries, italian sausages oder unterarmlange „Turkey legs“, Truthahnbeine, die gern mit einer überdimensionierten „superpretzel“ gekauft werden.

Stundenlang geht es in Daytona mit Vollgas über die bis zu 33 Grad geneigten Steilkurven. Für die Rennfahrer ist das schnell Routine. Nur bei Gelbphasen mit langsamerer Fahrt müssen sie sich mit dem ganzen Gewicht gegen die Schwerkraft stemmen, wenn sie in der Kurve hängen. Eine „kultige Strecke“ sei Daytona, sagt Porsche-GT-Rennfahrer Jörg Bergmeister. Und die Kurven? „Da fährt man dann eben Vollgas.“

Vorjahressieger auf der Strecke: Audi beim Qualifying in Le Mans.
Vorjahressieger auf der Strecke: Audi beim Qualifying in Le Mans.Foto: Audi

Große Begeisterung kommt bei den jüngeren Fahrern nicht wirklich auf. Nach mehreren Runden ist Daytona Routine, der „Kick“ fehlt und nach 740 Rennrunden in 24 Stunden geht es vielen nur um eines: „’ne Uhr gewinnen“, wie ein Fahrer sagte. Denn die Sieger in jeder Kategorie erhalten eine Rolex; der Genfer Uhrenkonzern ist seit Jahren Sponsor des 24-Stunden-Rennens. Uhren gibt es für die Sieger auch in Le Mans. Der 24-Stunden-Klassiker wird in diesem Jahr zum 83. Mal ausgetragen. Das Rennen zählt zur Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) und ist im Rennkalender der Höhepunkt.

24 Stunden von Le Mans sind eine Herausforderung

Für viele Rennfahrer ist die über 13 Kilometer lange Rennstrecke im Nordwesten Frankreichs, die zum größten Teil über öffentliche Landstraßen geht, ihre Lieblingsstrecke. In diesem Jahr gehen 56 Rennwagen in vier Klassen an den Start. Eine Le-Mans-Woche beinhaltet technische Abnahme in der Innenstadt, Trainings auf der Strecke, Besuche in der Boxengasse und Fahrerparade im Zentrum. Das Interesse der Fans ist riesig: 2014 registrierte der Veranstalter, der Automobile Club de l’Ouest (ACO) 263 300 Zuschauern, Tendenz steigend.

So ein 24-Stunden-Rennen ist eine Herausforderung für Mensch und Maschinen. Die Le-Mans-Nacht ist eine der kürzesten des Jahres: Sonnenuntergang ist am Sonnabend um 21:59 Uhr, Sonnenaufgang am Sonntag um 05:59 Uhr. Während die Fahrer in Daytona eine flutlichtbeleuchtete Strecke haben, müssen sie in Le Mans auch bei Dunkelheit fahren. Während des gesamten Rennens darf er nicht mehr als 14 der 24 Stunden fahren.

Das Rennen in Le Mans startet am Sonnabend um 15 Uhr. Es wird spannend: In der WEC starten die Prototypen, dahinter die eher seriennahen, aber hart umkämpften GT-Klassen. Porsche, WEC-Vorjahressieger Toyota und Audi haben ihre Prototypen stark aufgerüstet. Porsche, Audi und Nissan schicken drei Prototypen-Fahrzeuge ins Rennen, Toyota zwei. Und nach rund 400 Runden wird feststehen, wer in diesem Jahr die Uhren mit nach Hause nehmen darf.

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