Fiat 500 : Die Knutschkugel ist zurück

Der Cinquecento ist so italienisch wie Sophia Loren oder Pasta. Im Sommer wird der sympathische Kleinwagen neu aufgelegt. Fiat zeigte jetzt die ersten Bilder des neuen 500.

Markus Mechnich
Fiat 500
Mit dem Design sind die Italiener nahe an dem Original geblieben. Der 500 wird sich unterhalb des Panda in die Modellpalette...Foto: Fiat

Der Fiat 500 ist ein Synonym des italienischen Wirtschaftswunders. Nach dem Krieg eroberte er die Herzen der Italiener und mobilisierte eine ganze Nation. Endlich runter von dem Roller und rein in das Auto mit den femininen Rundungen und den Glubschaugen. Ein britisches Automobilmagazin kürte den Cinquecento erst vor kurzem als "Sexiest Car in the World". Zwischen 1957 und 1977 wurden vom Fiat 500 3,7 Millionen Exemplare gebaut. Bis heute ist er der Inbegriff eines smarten Stadtautos mit typisch italienischen Flair.

Er war für seine Zeit besonders pfiffig, weil klein und günstig im Verbrauch. Bei Abmessungen von 2,97 Metern Länge und einer Breite von 1,32 Meter fand er auch in den Altstädten Italiens immer ein Durchkommen und ein Plätzchen. Mit einem Verbrauch von 4,5 Litern stellt er selbst manchen heutigen Kleinwagen in den Schatten. Aber vor allem war er günstig. Rund 3000 Mark musste man für den Kleinen hinlegen. Ein Preis, den sich in den fünfziger Jahren selbst Arbeiter leisten konnten. Die erste Version holte aus den 480 Kubikzentimetern 13 PS heraus, ab Herbst 1957 war er dann mit 15 PS ausgestattet. Ausreichend, um Steigungen bis zu 23 Grad zu meistern. Bei freier Fahrt schaffte er immerhin 90 Stundenkilometer.

Für den Kombi den Motor flach gelegt

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Die Sport-Version bekam dann eine Rückbank und vor allem ein Rolldach. Sehr passend für das italienische Klima.

Zahlreiche Varianten und Erweiterungen der Ausstattung folgten in den Jahren darauf der Urversion des Stadtflohs. Die Seitenfenster konnten bald herunter gekurbelt werden, hinten bekam er sogar eine Sitzbank, die allerdings nicht unbedingt für alle Größen gemacht war. Das Rolldach machte ihn dann zum Cabrio und schuf auch beim Transport von sperrigen Gegenständen ungeahnte Möglichkeiten. Ab 1960 wurde eine Kombiversion gebaut, "Gardiniera" genannt. Technisch war diese ein Meisterwerk, da der Motor auf die Seite gelegt und unter dem Fahrzeugboden verbaut wurde. Ab 1965 verlor der Cinquecento schließlich aufgrund neuer Vorschriften seine nach vorne öffnenden Türen und wurde 500 F getauft.

  1972 gab es die letzte Überarbeitung, den Fiat 500 R "Rinnovata". Der Motor hatte sich auf mittlerweile 594 Kubikzentimeter ausgewachsen und verfügte über stolze 18 PS. Sogar ein synchronisiertes Getriebe bekam er jetzt mit auf seinen Weg. Vorbei die Zeit des doppelten Kuppelns mit Zwischengas. So fuhr er dann seiner Wege, bis 1977 der letzte Cinquecento vom Band lief. Der Nachfolger war mit dem 126 bereits parallel zur R-Version vorgestellt worden.

Neuauflagen von Kultautos sind schwierig

Bei so viel Kult besteht natürlich die begründete Angst eine Neuauflage könnte dem Original nicht das Wasser reichen. Andererseits haben heutige Autokäufer ganz andere Ansprüche an ein Neufahrzeug, sei es noch so billig und kultig. Eine schwierige Gratwanderung, wie sie der VW Beetle als Käfernachfolger schon absolvieren musste. Geteilte Meinungen sind vorprogrammiert. Wieviel Cinquecento im neuen Fiat 500 steckt muss sich ab dem 4. Juli beweisen. Stilgerecht und historisch korrekt wird dann der Neue in Turin präsentiert - 50 Jahre nach der Vorstellung des Originals.

 

Treu geblieben sind die Italiener dem Konzept: ein richtiger Mini-Wagen mit Abmessungen von 3,55 Meter Länge, 1,65 Meter Breite und 1,49 Meter Höhe. Er hat also etwas zugenommen, aber bleibt ein Kleinstwagen. Kräftiger zugelegt hat die Motorisierung. Die Turbodiesel-Variante hat einen 1,3 Liter-Motor und 75 PS (55 kW). Dazu gibt es zwei Benziner mit 1,2, beziehungsweise 1,4 Liter-Motor. Der kleinere Motor hat 69 PS (51 kW), der größere satte 100 PS (74 kW). Das Gewicht des 500 ist bisher nicht bekannt, aber der 500 mit dem größeren Motor dürfte damit eine ziemliche Rakete werden.

Kompromisse an die Moderne

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Schmuck sind auch die Amaturen geworden. Die deutlich größeren Abmessungen machen sich zwar innen bemerkbar, aber kuschlig dürfte...

Auf den ersten Blick gelungen scheint das Design. Der neue Fiat 500 hat die selben kleinen runden Scheinwerfer, eine ähnlich hochgezogene Haube und macht einen runden Gesamteindruck. Trotz der heute unvermeidlichen Kompromisse an die Aerodynamik ist die Ähnlichkeit zum Original unverkennbar. Auch innen sind die Designer beim markanten Rot geblieben, auch wenn das Ganze eine solideren und moderneren Eindruck macht. Das Mehr an Länge dürfte dem Frontmotor geschuldet sein. Ein Wermutstropfen hat der Kleinstwagen aber bereits jetzt: die Produktion findet nicht in Italien, sondern im polnischen Tichy statt. Wagen dieser Preisklasse sind wohl im westlichen Europa nicht preislich passend herzustellen.

Ob es auch der neue Cinquecento eines Tages zum "Sexiest Car in the World" schaffen wird muss die Zeit zeigen. Kultautos wieder zu beleben bleibt schwierig. Aber im Schatten von Klimadiskussionen und steigenden Spritpreisen könnte Fiat mal wieder den Geist der Zeit getroffen haben. Wenn der Preis und die Qualität stimmt hat der Neue großes Potenzial, die Herzen vieler Autokäufer zu erobern.

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