Fiat-Comeback in der Kompaktklasse : Der Tipo ist wieder da

Fiat versucht ein Comeback in der Kompaktklasse: Die Italiener präsentieren den Tipo als preiswerte Alternative für Familien, junge Paare und Neueinsteiger.

Frank Wald
Die Rückkehr des italienischen Freundes. Der Tipo wird gleichzeitig als Limousine, Schrägheck oder Kombi angeboten – Fiat hat sich für Deutschland viel vorgenommen.
Die Rückkehr des italienischen Freundes. Der Tipo wird gleichzeitig als Limousine, Schrägheck oder Kombi angeboten – Fiat hat sich...Foto: Promo

Tipo? Tipo? Na klar, Fiats Antwort auf den Golf – Ende der 80er bis Mitte der 90er, 1989 sogar mal „Auto des Jahres“ und insgesamt zwei Millionen Mal verkauft. Nun ist er wieder da. Ab Juni lässt Fiat seinen Kompaktwagen in Deutschland wiederauferstehen, und das gleich mit einer ganzen Modellfamilie als Limousine, Schrägheck und Kombi. Doch anders als beim letzten glücklosen Kompaktklässler Bravo, der 2014 still und heimlich seinen Abschied vom deutschen Markt nahm, versucht Fiat diesmal gar nicht erst, in Sachen Technik und Komfort mit Golf & Co zu konkurrieren, sondern präsentiert sich ganz bewusst als preiswerte Alternative für Familien, junge Paare und Neueinsteiger.

Alle drei Karosserievarianten laufen im türkischen Bursa vom Band. Als 4,54 Meter lange Limousine zeigt der Tipo stimmige Proportionen und bietet bei 2,64 Meter Radstand gut Platz für vier, wenn’s sein muss auch fünf Personen sowie 520 Liter Gepäck. Die fünftürige Schrägheck-Variante fällt mit nur 4,37 Meter Länge schon deutlich kompakter aus, räumt dennoch dank des geradlinigen Zuschnitts im Fond genügend Kopf- und Beinfreiheit sowie 440 Liter Gepäck hinter den Rücksitzen ein. Der Kombi ist dagegen 20 Zentimeter länger (4,57 Meter) und steckt schon im Normalzustand 550 Liter weg. Eine niedrige Ladekante, ein Unterflurfach mit zweitem Ladeboden, zwei seitliche Ablagen und Taschen-Haken sowie Verzurrösen am Boden erleichtern und sortieren das Einladen. Die Rücksitzlehnen sind im Verhältnis 60:40 klappbar und schaffen komplett umgelegt eine 1,80 Meter lange, ebene Ladefläche.

Optisch ist das Trio bis zur Fahrzeugmitte nahezu identisch gestaltet. Die Front prägt ein großer Kühlergrill, flankiert von markanten Scheinwerfern mit Tagfahrlicht, und eine konturierte, leicht gebogene Haube. Eine Lichtkante von den Scheinwerfern bis zu den Rückleuchten dominiert die Seitenlinie. Elegant gerundet präsentieren sich die Heckansichten von Fünftürer und Kombi. Bei der Limousine ziert eine Chromleiste die breite Kofferraumklappe, bei der leider der Innengriff vergessen wurde. Schmutzige Finger beim Zuklappen sind damit garantiert.

Schlicht, funktional, übersichtlich

Das Interieur trägt Mietwagen-Charme. Das Cockpit ist schlicht, funktional und übersichtlich, Armaturen und Oberflächen fühlen sich so preiswert an, wie sie aussehen. Die Sitze sind ausreichend bequem, bieten allerdings nur wenig Seitenhalt. Über den Innenraum verteilen sich neun Ablagefächer, die insgesamt zwölf Liter automobilen Krimskrams verstauen. Je nach Ausstattung oder gegen Extra-Euros gibt es das aus dem Fiat 500X bekannte Uconnect mit 5-Zoll-Touchscreen inklusive Bluetooth, Freisprechanlage, Radio, USB und Smartphone-Anbindung. TomTom-Navigation, Rückfahrkamera, Tempomat, Park-, Regen- und Lichtsensoren, Nebelscheinwerfer sowie elektrisch verstell- und heizbare Außenspiegel. Zeitgemäße Assistenzsysteme wie Spurhalte- und Müdigkeitswarner, Abstandstempomat oder intelligente Scheinwerfer sind dagegen weder in den Autos noch in der Aufpreisliste zu finden.

Neben dem Einstiegsmotor mit 95 PS/70 kW steht hierzulande vorerst nur ein weiterer Vierzylinder-Saugbenziner mit 110 PS/80 kW zur Wahl, der dazu auch noch immer an eine Sechsgang-Automatik gekoppelt ist. Unverständlicherweise führt der deutsche Importeur den spritzig-sportlichen 1.4 T-Jet-Turbo mit 120 PS/88 kW, der in anderen Ländern auch noch als bivalente Variante wahlweise mit Benzin oder Autogas (LPG) angeboten wird, nicht ein. Als bessere Antriebswahl erscheinen deshalb allemal die beiden Turbo-Dieselmotoren. Auch die Selbstzünder starten mit einem 95-PS-Triebwerk (1.3 Multijet mit 70 kW), das bereits knapp oberhalb der Leerlaufdrehzahl sein maximales Drehmoment von 200 Newtonmeter auf die Kurbelwelle stemmt. Vorläufiges Top-Triebwerk der Tipo-Baureihe ist dann der 1,6-Liter-Multijet-Selbstzünder mit 120 PS/88 kW. Der Vierzylinder schaufelt ab 1750 Umdrehungen 320 Newtonmeter auf die Welle, hängt willig am Gas und ist – leider auch akustisch – stets präsent. In flotten 9,7 Sekunden ist er auf Landstraßentempo, maximal sind knapp 200 km/h drin. Fahrwerk, Lenkung und das gut gestufte 6-Gang-Getriebe machen keine Zicken, gutmütig und kontrolliert zieht die Limousine damit ihre Kreise, Verwerfungen und Tücken der Straße schlucken die auf Komfort getrimmten Federn und Dämpfer klaglos. Weder fordert der Tipo den echten Fahrer noch überfordert er ihn. Am Ende sollen nach Norm 4,2 Liter (110 g/km CO2) auf der Tankuhr stehen, hat Fiat im Labor gemessen, beim Schrägheck sogar nur 3,7 Liter (98 g/km CO2). Auf der Straße waren es bei unserer ersten Ausfahrt mit der Limousine laut Bordcomputer gut zweieinhalb Liter mehr, was immer noch ein guter Wert ist.

Etwas teurer als in Italien

In Italien ist der Tipo als Limousine schon seit Ende 2015 zu kaufen, zum Kampfpreis von 12 500 Euro. Ganz so günstig wird’s in Deutschland leider nicht. Mindestens 13 990 Euro ruft der deutsche Importeur für die Einstiegsversion mit 95-PS-Benziner in der Basisausstattung „Pop“ auf, immerhin inklusive Klimaanlage, verstellbarem Lenkrad und Fahrersitz, elektrischen Fensterhebern sowie Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung. Der gleich starke 1,3-Liter-Diesel kostet in identischer Ausführung noch einmal 2000 Euro mehr. Die beiden anderen Motoren sind erst ab der mittleren Ausstattung „Easy“ (plus 1000 Euro) zu haben.

Der 110-PS-Benziner ist deshalb nicht unter 17 890 Euro, der 120 PS-Multijet-Diesel erst ab 18 190 Euro zu haben. Die Top-Ausstattung „Lounge“ (plus 1000 Euro) fährt ab Werk mit 2-Zonen-Klimaautomatik, Tempomat, Nebelscheinwerfer und 16-Zoll-Alu-Felgen. Die Auslieferung der Limousine erfolgt im Juni, parallel zur Händlereinführung des Fünftürers. Der Kombi soll erst im September angeboten werden. Die Preise für Schrägheck und Kombi sind noch nicht bekannt, dürften aber staffelweise einen Tausender über denen der Limousine liegen.

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