Fiat legt den Panda neu auf : Ene mene Kiste

Er kommt erst im März, aber wir haben ihn schon gefahren: Der neue Panda ist viel besser als der alte. Und er hat wieder mehr Kult.

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Klein und günstig - Die Stärken des Fiat Panda sind klar, aber der Italo-Bestseller hat nun auch technisch was zu bieten.
Klein und günstig - Die Stärken des Fiat Panda sind klar, aber der Italo-Bestseller hat nun auch technisch was zu bieten.Foto: Hersteller

Unter dem italienischen Chef-Designer Roberto Giolito übertrug man dem deutschen Exterieur-Designer Andreas Wuppinger vor einiger Zeit eine hoch komplizierte Aufgabe: "Mach uns einen neuen Panda, der den alten nicht alt aussehen lässt, der aber ebenfalls wieder eine Ikone wird." Denn dieser Kleinstwagen, von dem bislang mehr als 6,4 Millionen verkauft wurden, verkörpert wie keine zweite Sache den italienischen Geist.

Als es mit der tollen Kiste, wie sie später liebevoll genannt wurde, vor 31 Jahren los ging, nannte sie sein damaliger Designer Giorgio Giugiaro scherzhaft noch "Haushaltsgerät". Einfache Technik, die, wenn sie mal kaputt gehen sollte, einfach entsorgt wird. Was in den Anfangsjahren auch geschah. Dank modernster Fertigung (siehe Kasten) dürfte das der neuesten Panda-Generation nicht mehr passieren. Sie hat ohnehin nur noch den Namen mit der ersten gemein. Panda Nummer drei ist der Kiste von damals entwachsen.

Das Auto steht auf der Plattform des erfolgreichen Fiat 500. Gegenüber Panda Nummer zwei ist der Neue um 11 Zentimeter in der Länge und um 5,5 Zentimeter in der Breite gewachsen. Der Radstand beträgt 2,30 Meter. Zum Vergleich: Das sind 12 Zentimeter weniger als der elf Zentimeter kürzere VW up! bietet. Vor allem die größere Ellenbogenfreiheit registrieren wir erfreut. Im Fond gibt es jedoch nicht mehr Platz als im kompakteren VW. Dafür wuchs der Kofferraum des Fiat von 190 auf 225 Liter; maximal dürfen es 870 Liter sein. Übrigens auch weniger als beim VW. Dafür ist der Italiener variabler; seine Rückbank lässt sich um bis zu 14 Zentimeter verschieben. Selten in dieser Klasse.

Verbessertes Fahrwerk

Der neue Panda steht mit seiner breiteren Spur eine Klasse stämmiger auf der Straße, und auch im Inneren kommt der Kleine gegenüber seinem Vorgänger deutlich wertiger daher. Das zweifarbige Cockpit mit hochglanzlackierten Schaltern trägt fast schon eine Spur zu viel Schminke. Überall, selbst bei den Instrumenten, findet man das Designmerkmal Squirkle; ein Mix aus Square (Quadrat) und Circle (Kreis). Ist witzig, muss man allerdings mögen. Übersichtlich ist das Cockpit auf jeden Fall. Man reist auf zwar kleinen, aber bequemen Sitzen, thront schön hoch, hat gute Übersicht, und der griffgünstige Schalthebel flutscht für Fiat-Verhältnisse ungewohnt flott durch die Gassen. Auch die Federung hat gegenüber dem Vorgänger einen erfühlbaren Sprung gemacht, bügelt Straßenunebenheiten ordentlich nieder. Allerdings kommt sie nicht an die Geschmeidigkeit des VW up! heran.

Drei Motoren bietet Fiat zur deutschen Markteinführung des neuen Panda im kommenden März an. Den bekannten 1,2-Liter-Vierzylinder mit 69 PS als Einstiegsmotor. Dann den ebenfalls nicht neuen Multijet-Diesel mit 75 PS und Start-Stopp-Automatik – eher ein exotisches Triebwerk für die Extremvielfahrer unter den Kleinstwagennutzern. Den neuesten und interessantesten Motor sind wir gefahren: den nur 0,9 Liter großen Zweizylinder mit Turboaufladung, 85 PS und ebenfalls einer serienmäßigen Start- Stopp-Automatik, der nur 4,1 Liter Super auf 100 Kilometer konsumieren soll. Das Motörchen bringt den Panda gut in Schwung. Allerdings nur, wenn es auf Drehzahlen ist. Dank guter Geräuschdämmung lässt sich mit dem gewöhnungsbedürftigen Schnarrton des Zweizylinders gut leben; der komfortable Panda ist erfreulich leise.

Einstieg unter 10.000 Euro

Was er jedoch genau kosten wird, verrät Fiat noch nicht. Nur so viel: Es sollen weniger als 10.000 Euro sein. Und stets mit vier Türen. Vier Airbags und Zentralverriegelung sind immer dabei. Den Schleuderschutz ESP hingegen gibt’s nur gegen Aufpreis. Na ja, vielleicht besinnt sich Fiat noch eines Besseren. Gut ist auf jeden Fall das neue optionale City-Bremssystem, das in der Stadt bei Geschwindigkeiten unter 30 km/h den Panda automatisch stoppt, wenn der Vordermann gebremst hat und man selbst unaufmerksam gewesen ist. Ein System, wie es übrigens auch der up! gegen Aufpreis bietet.

Zwar ist der neue Panda nicht so perfekt wie der neue VW, aber gegenüber diesem hat er einen gewichtigen Vorzug aufzuweisen: Er besitzt lebendigen Charme. Und der dürfte bei vielen Interessenten mehr ziehen als nur kühle Klasse. Und damit avanciert der neue Panda zu einem ernst zu nehmenden Mitstreiter in der Klasse der Kleinstwagen. Die, da lehnen wir uns mal ganz weit aus dem imaginären Seitenfenster, dürfte in diesem Jahr zur Klasse des Jahres aufsteigen. Klein, günstig und gar nicht mehr ärmlich in Technik, Sicherheit und Komfort.

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