Fiat : Mehr Netto vom Punto

Aus dem "Grande" macht Fiat den "Evo" – und der bietet zum gleichen Preis viel mehr.

Rainer Ruthe
Fiat
Richtung Süden. Von Fiat kennt man das inzwischen: Mobiles Navi in die vorgesehene Steckvorrichtung knipsen und schon kann's...Foto: promo

Der Punto ist für Fiat das, was der Golf für VW ist – das Brot-und Butter-Auto, mit dessen Erfolg alles steht und fällt. Sieben Millionen Puntos liefen seit 1995 von den Bändern der Fabrik im Melfi, die damals eigens für dieses Modell gebaut wurde. Die aktuelle Generation steht aber jetzt, vier Jahre nach dem Marktstart, unter Druck. Im Kleinwagen-Segment hängen die Trauben zum Erfolg nun höher. Der neue VW Polo (mit 60 PS ab 12 150 Euro) sowie die überarbeiteten Peugeot 207 (mit 73 PS ab 12 100 Euro) und Renault Clio (mit 75 PS ab 11 900 Euro) bringen frischen Wind in diese immer wichtiger werdende Klasse, in der es kompakt, komfortabel, geräumig, sicher, schick und bezahlbar zugeht.

Apropos Geld: 220 Millionen Euro haben die Italiener in die Verwandlung des Grande Punto zum Punto Evo gesteckt. Evo soll für Evolution stehen, und davon hat der Kleine einiges. Zunächst fallen die Änderungen an Front und Heck auf. Da sollte am besten jeder für sich selbst entscheiden, ob diese Korrekturen stilistisch gelungen sind. Ein Novum und zugleich ein empfehlenswertes Sicherheitsdetail sind die in der Frontschürze integrierten neuen Nebelscheinwerfer mit Abbiegelicht (175 Euro). Wesentlich mehr tat sich im Innenraum: neues Cockpit mit sehr schönen Instrumenten, bessere Kunststoffe (allerdings an den oberen Türauflagen zu hart), straffere Sitze mit neuer Polsterung – Operation gelungen. Auch unterm Blech tat sich Fühl- und Hörbares – hier hat der fesche Italo gegenüber dem Vorgänger an Klasse gewonnen: Geänderte Gummilager in den Radaufhängungen lassen ihn nun endlich komfortabel abrollen. Richtig platzierte Dämmstoffe machen das Auto zudem deutlich leiser. Der Punto ist erwachsener geworden.

Fortschritte auch bei den Motoren; vier neue gibt es: zwei Benziner (105, 135 PS) und zwei Diesel (75, 95 PS), alle mit Euro-5-Abgasnorm, serienmäßig mit Start-Stop-System und Schaltpunktanzeige. Die Benziner heißen Multiair, besitzen statt der üblichen Einlassnockenwelle elektrohydraulisch gesteuerte Ventile und sollen so weniger verbrauchen. Die Diesel haben das Multijet-Einspritzsystem der zweiten Generation, das statt mit fünf nun mit acht Einspritzungen pro Arbeitstakt arbeitet. Die Folge: leiserer Lauf, mehr Druck, weniger Schadstoffe. Der neue Multiair-Benziner spart zwar Sprit, ist aber auch kein Ausbund an italienischer Lebensfreude. Er braucht Drehzahlen, um aufzuwachen. Deshalb unser Tipp: Der fünftürige 1.4-Liter-Benziner mit 77 PS und Start-Stop-System in der Ausstattung Dynamique für 14 750 Euro.

Das Beste zum Schluss: der Preis. Der ist heiß. Trotz der vielen Verbesserungen kostet der Neue in der 65-PS-Basisversion keinen Cent mehr als der alte: 11 550 Euro. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die ganze zaubert jedem kühlen Rechner ein Grinsen ins Gesicht. Zieht man die Aufpreise für den nun serienmäßigen Schleuderschutz ESP (500 Euro beim Grande Punto) sowie für die ebenfalls serienmäßigen Seitenairbags vorn (ehemals 280 Euro) ab; und kalkuliert man außerdem den in der Kleinwagenklasse sehr seltenen Fahrer-Knieairbag mit rein, stellt man erfreut fest: der Punto Evo ist unterm Strich über 1000 Euro günstiger.

Wer traurig ist, dass Fiat dem Punto mit der Überarbeitung sein rassiges Maserati-Gesicht genommen hat, der darf sich trösten: Fiat baut den „alten“ Grande Punto weiter, so wie Renault den alten Clio oder Citroen den alten Berlingo. Ein erfreulicher Trend. Das Grande Punto Aktionsmodell kostet mit dem 65 PS starken Benziner nun 9990 Euro – mithin 2560 Euro weniger als vor dem Start des Evo.

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