Fiat : Offene Anmache

Zum Ende macht Fiat den Sommer rund: Heute kommt der 500 als Cabrio in die Läden.

Eric Metzler

Der Dienstag, so hatte man es uns Anfang der Woche auf gleich welchem Sender eingetrichtert, der Dienstag werde unwiderruflich der letzte schöne Sommertag. Damit hatten wir doppelt Sonne: Für eben jenen Dienstag stand die erste Ausfahrt mit der niedlichsten Vorstellung des Jahres auf dem Programm. Noch ein 500: Jetzt mit ohne Dach. Fiat hat seinen Lebensretter einfach aufgeschnitten, das Chassis etwas verstärkt, die Erfolgsformel ansonsten nicht angetastet. Das Ergebnis kullert an diesem Wochenende zu den Händlern – und obwohl die Umweltprämie nun endgültig abgewrackt ist, darf man auf den Erfolg des kecken Italieners wetten.

Ein Cabrio? Theoretisch ließe sich darüber streiten. Hat ja „nur“ eine Art Faltrolo, eines, wie wir es früher schon bei der Ente mochten. Die Dachholme bleiben stehen, wenn man sich frei macht. Aber der Gaudi tut das keinen Abbruch, der Anspielung auf die Historie schon gar nicht. Denn nur durch das Rolldach bleibt die Knutschkugel eine Kugel – so, wie es 1957 beim „Nuova 500“ war. Die fummelige Technik von damals ist natürlich Geschichte. Heute zieht sich die gut verarbeitete Stoffplane auf den ersten Knopfdruck bis ans Ende der Rückbank zurück; beim zweiten faltet sie sich bis auf die Heckklappe zusammen. Eine offene Anmache in rot, schwarz oder elfenbein. Binnen 16 Sekunden rückt man dem Himmel soft näher – und den Fußgängern, die es in der Stadt einfach nicht lassen können, uns, nein, dem Auto zuzulächeln, es anzufassen, nachzufragen. Süß, sagt ein Mann unter Nicken seiner Frau, „den zeigen wir unserer Tochter“. Die wolle sich nämlich den Anderen bestellen. Den Geschlossenen.

Schon der ist ja ein Herzensbrecher. Der einzige Kleinwagen, der landrauf und landrunter ohne Rabatte verkauft wird; weil er so eingeschlagen hat, der einzige, den Abiturienten genauso bestellen wie graue Jungbleibende; ein Mini, dessen Käufer zu 96 Prozent angeben, das Design sei entscheidend. Klar, dass Fiat zu so einem Brunnen läuft, solange er Wasser gibt. Die Lieferzeiten sind kürzer geworden, aber die Bänder sind ausgelastet bis zum Anschlag – niemals sonst würde ein Sonnen-Auto am Ende statt zu Beginn der Saison erscheinen. Wird das Cabrio ein Hit, ist es nur eine Frage der Zeit, bis vom 500 auch noch ein Kombi erscheint.

Wie selbstbewusst der Glückskeks die Italiener in den beiden letzten Jahren gemacht hat, belegt die Preisliste: 2800 Euro Aufpreis fürs Faltdach kann sich nur erlauben, wer seiner Sache mehr als sicher ist. Bei 13 800 Euro für den (allzu müden) 69-PS- Benziner geht die Luftnummer los; ESP kostet beim Einstiegsmodell aber 650 Euro extra. Beim (etwas spritzigeren) 1.4 mit seinen 100 PS ist ESP dann serienmäßig an Bord – ab 15 800 Euro. Der einzige Diesel (1,3 Liter/75 PS) wird ab 15 800 nur eine Nebenrolle spielen; für ihn entscheiden sich beim Coupé nur fünf, sechs Prozent der Käufer. Die Preise beziehen sich auf die Basislinie „Pop“. Die ist eigentlich recht ansehnlich, wird aber von den wenigsten geordert. Fast zwei Drittel derer, die einen 500 kaufen, erliegen der teureren Versuchung namens „Lounge“: Wenn schon witzig, denn schon richtig.

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