Finanzierung : Wird das Auto wieder Luxus?

Preise und Unterhalt steigen stärker als Löhne

Heiko Haupt[dpa]

Für Manager der Autohersteller ist der Blick auf die Zulassungsstatistiken zu einem unangenehmen Erlebnis geworden: Seit Jahren sinken die Zahlen der Neuzulassungen beständig. Doch während die Hersteller versuchen, mit ständig neuen Modellen das Begehren der Käufer zu wecken, wird ein Problem ausgeklammert – dass die Anschaffung eines Autos ebenso wie der nötige Unterhalt für manche Menschen kaum noch erschwinglich ist.

Es gibt viele Fakten und Zahlen, die deutlich machen, dass das Auto zu einem immer stärkeren Kostenfaktor geworden ist. Gerade im Hinblick auf die sinkende Zahl der Neufahrzeuge wird dies auch an den Preisen deutlich. „Der Durchschnittspreis eines Neuwagens liegt im Jahr 2007 bei 24 953 Euro“, sagt der Automobilforscher Prof. Ferdinand Dudenhöffer. Das entspricht einem Anstieg um 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr – und einem neuen Rekordniveau. Dieser Durchschnittspreis bedeutet jedoch nicht, dass sich private Käufer wirklich Fahrzeuge dieser Kategorie leisten. Das Gros der Zulassungen machen heute Firmenwagen aus – und die gehören nicht selten zu einer gehobeneren Klasse.

„Privatleute kaufen heute verstärkt Gebrauchtwagen“, sagt Siegfried Trede, Sprecher des Marktbeobachters Deutsche Automobil Treuhand (DAT) in Ostfildern (Baden-Württemberg). Auch bei der DAT hat man einen Vergleich parat, der zeigt, wie sehr sich die Kosten eines Neuwagens im Vergleich mit den finanziellen Möglichkeiten verändert haben: Die DAT-Experten gehen mit einem Durchschnittspreis des Neuwagens von 24 480 Euro im Jahr 2007 von einer ähnlichen Grundlage wie Dudenhöffer aus – im Jahr 2000 seien es 20 045 Euro gewesen, was einem Preisanstieg um 22,1 Prozent entspreche. Der durchschnittliche Monatslohn sei in diesem Zeitraum aber nur um 8,1 Prozent von 1351 auf 1460 Euro gestiegen.

Hinzu kommen die laufenden Kosten: Der ADAC hat einmal errechnet, was der Unterhalt eines VW Golf mit 1,4-Liter-Motor im Jahr 1999 und im Jahr 2006 monatlich gekostet hat. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Festkosten wie Versicherung und Steuer sich von 75 auf 77 Euro erhöht haben, die notwendigen Reparaturkosten wuchsen von 31 auf 36 Euro. Der eigentliche Kostensprung fand woanders statt: „Die Betriebskosten sind von 89 auf 130 Euro gestiegen, was vor allem an den Kraftstoffkosten liegt“, erklärt ADAC-Sprecher Maximilian Maurer. Daran dürften auch sinkende Verbräuche kaum etwas ändern - sie fallen nicht so stark aus, dass sie die weiter steigenden Literpreise ausgleichen könnten.

Die Obergrenze der Autokosten ist mit diesen Zahlen wohl noch nicht erreicht. Für die Zukunft ist vielmehr mit weiter steigenden Preisen vor allem bei der Anschaffung zu rechen. Die Gründe dafür verbergen sich allerdings auch in der weiteren Verbesserung der elektronischen Helfer im Auto.

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