Ford Fiesta : Einmal in die ganze Welt

Der neue Ford Fiesta ist praktisch, verspielt – und soll demnächst selbst den Amerikanern das Sparen beibringen.

Wolfgang Gomoll
ford fiesta
Der neue Ford Fiesta kommt wieder als Drei- und als Fünftürer. -Foto: dpa

Der Name „Klum“ ist in Deutschland wohlbekannt. Warum wir so einen Artikel über den neuen Ford Fiesta beginnen? Nun, in diesem Fall heißt die Dame nicht Heidi, sondern Johanna und sie moderiert bei Pro Sieben das trashige Format „Elton vs. Simon – die Show“. Bei den jüngeren unter den potentiellen Autokäufern ist sie deshalb ziemlich bekannt. Und so hat Ford sie zur Fiesta-Patin gemacht und gleich im Internet eine Werbekampagne mit dem Titel „2BFriends – Fiesta Soulmate 2008“ kreiert.

Dort soll man seinen besten Freund möglichst kreativ beschreiben. Wer gewinnt, bekommt einen Fiesta. Und damit die modebewusste Zielgruppe auch richtig Lust auf den neuen Ford bekommt, wird kräftig die Werbetrommel gerührt. Das Interieur sei „inspiriert von Catwalk, Sinnlichkeit und Taucheranzug“. Aha. Klingt eher nach Schweißausbrüchen als nach Haute Couture.

Hat man aber einmal im Fiesta Platz genommen, dann erkennt man, dass die Marketing-Experten zwar etwas blumig formuliert haben. Aber das Cockpit unterscheidet sich wohltuend von den Hartplastik-Einöden vergangener Tage. Weiche Materialien wechseln sich mit Plastik-Applikationen im Chrom-Outfit ab. Und: Schaut man sich die Oberflächen im Inneren etwas genauer an, dann findet man in der Stoffmaserung der Sitze wirklich Anleihen bei einem Neoprenanzug. Gott sei Dank ohne den befürchteten Transpirationseffekt.

Viele praktische Ablagen erleichtern das Leben im neuen Fiesta. Auch die Ford-Armaturen haben nichts von der nüchternen Sachlichkeit des Platzhirschs VW Polo. Der Ford ist verspielter. Die tief liegenden mit Chromringen umrandeten Instrumente verströmen Sportlichkeit, wogegen die Form der Mittelkonsole an ein Wappen aus dem Science-Fiction-Film „Transformers“ erinnert. Einem Handy ist die Anordnung der etwas fummeligen Knöpfe nachempfunden, was die Bedienung nach einer kurzen Eingewöhnungszeit erleichtert. Gleiches gilt auch für die Klimaanlage. Und was den Platz angeht: Auch Sitzriesen finden in Fords neuem Kleinen Platz. Die Sitze sind bequem, auch wenn sie nicht das Schraubstock-Feeling eines Sportgestühls haben. Hinten wird es für Erwachsene allerdings ziemlich eng – Tribut an die abfallende Dachlinie.

Die ist Teil des aus anderen Ford-Modellen bekannten „Kinetic Designs“, das schon im Stand Dynamik ausstrahlen soll. Passt. Der Trapezgrill und die weit in die Kotflügel hineinreichenden spitz zulaufenden Scheinwerfer geben dem Fiesta eine optische Verve, die seinen Konkurrenten VW Polo und Opel Corsa fehlen. Etwas für Detail-Liebhaber ist die deutliche Sicke an der Flanke. Sie verläuft durch die Türgriffe. Das ist produktionstechnisch aufwendig, sieht aber einfach gut aus. Ähnliches gilt für das bullige Heck. Allerdings hat hier die Schönheit den Preis der Unübersichtlichkeit. Wer Kontaktparken mit seinen unangenehmen Begleiterscheinungen vermeiden will, sollte sich für 455 Euro Aufpreis Parksensoren gönnen.

Aber insgesamt stimmt der Auftritt. Bleibt die Frage, ob der Fiesta diesen visuellen Eindruck auch auf der Straße in echte kinetische Dynamik verwandeln kann. Dass die Ford-Ingenieure gute Fahrwerke bauen können, haben sie ja schon bei Focus und Mondeo unter Beweis gestellt. Und auch der Neue enttäuscht hier nicht: Der kleine Kölner ist ein echter Kurvenliebhaber. Wo Corsa und Polo schon missmutig mit den Vorderrädern scharren und der elektronische Schleuderverhinderer ESP über Eingriffe nachdenkt, zieht der Fiesta noch beherzt um die Ecke. Diese Agilität hat allerdings auch eine Kehrseite. Bei kurzen harten Schlägen kommen die Federn schon mal an ihre Grenzen und informieren die Insassengesäße dann deutlich über den Fahrbahnzustand.

Allerdings wird nicht jeder Käufer in den Genuss des sportlich orientierten Fahrvergnügens kommen. Denn der Kleinwagen ist von Ford als „Weltauto“ projektiert worden. Das bedeutet, dass jede Region eine maßgeschneiderte Variante bekommt: In den USA zum Beispiel wird der Fiesta ab dem übernächsten Jahr mit einer eher komfortablen Abstimmung zu haben sein. In die Entwicklung waren deshalb Ford-Ingenieure weltweit eingebunden, eine flexible Produktion ermöglicht es Ford, auf individuelle Kundenwünsche zu reagieren (s. Kasten).

Auf der ganzen Welt gleich bleiben die Motoren. Und das ist auch gut so. Denn vor allem der neu entwickelte Top-Benziner mit 120 PS ist ein Freudenspender. Etwas spaßärmer ist der 90-PS-Diesel, bietet aber dafür mit einem Durchschnittsverbrauch von 4,2 Litern auf 100 Kilometer (Herstellerangabe) ein schlagkräftiges Kaufargument. Zumal der Selbstzünder mit dem, im Vergleich zum Vorgängermodell, um 40 Kilogramm leichteren Fiesta des Jahres 2008 wenig Probleme hat. Nur bei Steigungen muss fleißig geschaltet werden. Doch das trübt den guten Gesamteindruck des kleinen Kölners nur minimal.

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